Der Frankfurter ESC-Fan Oliver Rau

Fasziniert vom Song Contest

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Er ist vielleicht einer der größten Fans des Eurovision Song Contest: der Frankfurter Verwaltungsbeamte Oliver Rau. Derzeit bereitet er sich intensiv auf das Finale in Wien vor – und seine Kollegen im Sportamt können ein Lied davon singen.

Oliver Rau hat gerade einen „kleinen Durchhänger“. Denn die Vorentscheide zum Eurovision Song Contest (ESC) sind in allen Teilnehmerländern beendet – und bis zu den Semifinals und dem Finale in Wien im Mai ist noch ein wenig Zeit. Was da hilft? Immer wieder über den Song Contest bloggen und reden.

Der 47-Jährige ist nicht nur Mitglied im etwa 40-köpfigen Ortsverband Frankfurt des Eurovision Clubs Germany. Er schreibt seit 2006 auch in seinem Blog „aufrechtgehn“ (benannt nach einem Lied von Mary Roos) über den Gesangswettbewerb. Er ist einer der größten seiner Art in Deutschland, in der ESC-Saison lesen ihn bis zu 2000 Menschen täglich. Derzeit arbeitet er gemeinsam mit Conchita-Wurst-Biograph Mario Lackner an einem Buch, dass auf 60 Jahre Song Contest zurückblicken und im Juni erscheinen soll – es enthält zahlreiche Interviews mit Teilnehmern.

Seine Liebe zum Song Contest entdeckte der Frankfurter 1979 beim Auftritt von „Dschingis Khan“. Und die Faszination ist geblieben. „Ich finde es toll, dass es so eine absurde Veranstaltung ist“, betont er. „Es handelt sich um eine Show mit oft fragwürdiger Musik und fragwürdiger Kostümierung, aber alle sind mit heiligem Ernst bei der Sache.“ Auch der internationale Aspekt gefällt ihm – und die Tatsache, dass die Fans nicht nur für ihr eigenes Land die Fahnen schwenken.

Bei der Frage nach seinen Lieblingsjahren muss Rau nicht lange überlegen: „1969, als es vier Sieger gab, 1991 in Rom und 1998 mit dem Sieg von Dana International.“

Obwohl diese Jahre schon etwas zurückliegen, hat sich die Qualität des Wettbewerbs nach seiner Auffassung aber nicht verschlechtert. „In den 80er und 90er Jahren waren die Beiträge manchmal nicht mehr zum Aushalten, inzwischen sind sie viel besser und näher dran am aktuellen Musikgeschmack.“ Dazu habe die Teilnahme der Osteuropäer beigetragen, die viel frischen Wind in die Veranstaltung gebracht hätten.

Dreimal ist Oliver Rau mit anderen Mitgliedern seines Fanclubs auch schon zum Wettbewerb gefahren – nach Istanbul, Athen und Helsinki. In Wien will er auch dabei sein und freut sich auf den ersten „magischen Moment“ in der Halle. „Ich höre derzeit alle Lieder an bis zum Erbrechen“, erklärt er lachend seine Vorbereitung. Seine bisherigen Favoriten: Estland, Norwegen und Großbritannien,

Und wie steht es mit seiner Begeisterung für die deutsche Teilnehmerin Ann Sophie? „Sie ist nicht schlecht,“ meint Rau. „Aber die Berliner Mädchenband Laing hätte mir besser gefallen.“ Ein gutes Abschneiden wünscht er ihr trotzdem, „es ist ja gut, dass sie hinfährt“. Beim deutschen Beitrag sei es zudem schon viel wert, „wenn man sich nicht für ihn schämen muss.“

Den Geist der Toleranz, den Vorjahressiegerin Conchita Wurst in dem Wettbewerb gestärkt hat, erfährt Oliver Rau auch in seiner Umgebung. „Meine Kollegen im Sportamt sind schon leidgeprüft, weil ich sie immer wieder mit den Songs konfrontiere“, schmunzelt der Verwaltungsbeamte. „Und meine Eltern verstehen meine Begeisterung zwar nicht, haben sich aber inzwischen daran gewöhnt.“

Das ist auch gut so. „Ich kann mir nicht vorstellen, dass der Song Contest mich einmal nicht mehr fasziniert“, meint Rau. Viele aus seinem Fanclub, fast alle Männer mittleren Alters, werden ihm zustimmen. Denn was wäre das Leben ohne den ESC? Vermutlich nur ein großer Durchhänger.

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