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Was für ein Glück, aber kein Zufall: Manche Kekse, die Claudia Keller-Leinhos in ihrer Backstube anfertigt, haben nicht nur eine Kleeblatt-Form, sondern passen auch perfekt auf die Tasse.

Konditorin Claudia Keller-Leinhos

Zum Glück gibt es Süßes

Sich eine kleine Auszeit nehmen, sich dabei mit einem Keks oder einer Praline verwöhnen – das macht viele Menschen glücklich, hat die Frankfurter Konditorin Claudia Keller-Leinhos erfahren. Im Gespräch mit Redakteurin Pia Rolfs erklärt sie aber auch, inwiefern Männer auf Süßigkeiten oft anders reagieren als Frauen.

Ihre Glückskekse sehen anders aus als die in chinesischen Restaurants. Warum verzichten Sie auf Sprüche?

KELLER-LEINHOS: Auf meinen Keksen steht nur „viel Glück“, manchmal haben sie eine Kleeblatt-Form. Das soll einfach nur eine nette Geste, eine kleine Aufmerksamkeit und Ermutigung sein. Sie werden zum Beispiel in Hotels als Betthupferl aufs Kissen gelegt. Und da braucht es nicht noch Sprüche, damit der Empfänger sich beglückt fühlt.

Sie begleiten Menschen auch mit Thementorten in glücklichen Momenten wie Hochzeit oder Geburtstag. Warum wird Süßes mit Glück verbunden?

KELLER-LEINHOS: Das ist sicher evolutionsgeschichtlich bedingt. Schon in der Steinzeit haben die süßen Beeren oder der Honig die Menschen verzückt. Heute ist es die Schokolade. Es ist ja wissenschaftlich bewiesen, dass die Phenole darin glücklich machen. Und bei einer Hochzeit, die der schönste Moment im Leben ist, spielt Süßes immer eine große Rolle. Wenn die Torte noch optisch gefällt, bedeutet das zusätzlich einen visuellen Genuss. Auch für sehr alte Leute – ich habe sogar 100-jährige Kunden – ist ein Stück Torte immer wieder ein Glücksmoment.

Eine Glücks-Leberwurst ginge also nicht?

KELLER-LEINHOS: Nein. Mit Leberwurst verbindet man eher das Stillen des Hungers. Aber mit einem Gebäckteil oder einer Praline verwöhnt man sich, das erzeugt ein Glücksgefühl.

Und stimmt es auch, dass Süßes gegen Liebeskummer hilft?

KELLER-LEINHOS: Auf jeden Fall.

Ist das Süße eine Sehnsucht nach den Belohnungen der Kindheit?

KELLER-LEINHOS: Mit Sicherheit. Viele, der Älteren haben noch erlebt, dass die Rosinenbomber nach dem Zweiten Weltkrieg die Menschen mit Schokolade und Rosinen beglückten. Das gab ihnen das Gefühl, dass das Leben wieder lebenswert ist. Das Süße gab damals auch Kraft und schnelle Energie. Heute ist der Geruch in der Backstube, etwa zur Weihnachtszeit, für viele eine Erinnerung an die Kindheit, die glücklich macht. Viele Teilnehmer in meinen Patisserie-Kursen sind begeistert, denn dabei darf genascht und auch ruhig mal gekleckert werden.

Sind die Menschen in diesen Kursen denn glücklich, auch selbst mal etwas mit den Händen zu erschaffen?

KELLER-LEINHOS: Ja, das ist für manche die Gelegenheit, mal wieder in eine ganz andere Welt einzutauchen. Viele sitzen ja heute den ganzen Tag im Büro, arbeiten etwa mit abstrakten Zahlen.

Unterscheidet sich dabei das Glück von Kindern und Erwachsenen?

KELLER-LEINHOS: Ja, sehr stark. Kinder kann man ganz schnell glücklich machen. Wenn ihre Augen strahlen, ist das eine tolle Belohnung für mich. Erwachsene suchen das Besondere, das Gegensätzliche zu ihrer Arbeit.

In welcher Hinsicht?

KELLER-LEINHOS: Heute muss alles schnell gehen. Backen hat aber eher etwas Entschleunigendes. Außerdem ist heute, wo wir alles kaufen können, eher das Ungewöhnliche gefragt – seien es Grüne-Soße-Pralinen oder Chili-Schokolade. Aber ich finde, ein einfaches gutes Stück Schokolade oder ein liebevoll hergestellter Keks macht schon glücklich.

Reagieren Frauen stärker auf Süßes?

KELLER-LEINHOS: Nein. Die Männer sind mit Süßem schneller zu kriegen, aber sie genießen es nicht so. Die Frauen schauen bei einem Trüffel genau, wie er beschaffen ist und kosten ihn dann vorsichtig. Die Männer essen gleich zwei oder drei – oder bei einer Schokolade gleich die ganze Tafel. Es gibt aber auch Männer, die gar keine Süßigkeiten mögen. Die muss man erst überzeugen.

Ist das Süße nur wertvoll im Kontrast zu Bitteren – das Glück also nur im Kontrast zum Unglück?

KELLER-LEINHOS: Nein. Die richtigen großen Glücksmomente sind sowieso wahnsinnig selten. Das Gros ist die Zufriedenheit. Im Moment hören wir in den Nachrichten allerdings viel Negatives, da spielt als Ausgleich das kleine persönliche Glück eine immer größere Rolle. Und dazu gehört, dass man sich auch mal etwas Süßes gönnt.

Wenn Sie sich selbst einen Spruch auf den Glückskeks schreiben würden, was würde da stehen?

KELLER-LEINHOS: „Du wirst ein glückliches Leben haben“ – das gäbe mir Zuversicht. Und was das genau bedeutet, würde ich dann für mich interpretieren.

Wenn Sie Glück in einem Satz definieren müssten, wie würde der lauten?

KELLER-LEINHOS: Glück ist für mich, wenn man besonders die schönen Momente mit anderen teilt.

In der nächsten Folge lesen Sie ein Interview mit Sabine Mausolf, die bei Lotto Hessen den Gewinnern die glückliche Nachricht überbringt, dass sie viel Geld gewonnen haben.

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