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Ein klarer Fall: Wenn Jan Johl von Blümmerling sich auf einen Motorroller setzt, hat der Scheinwerfer natürlich eine Glücksblume.

Glücksserie

„Jede Sekunde ist Glück“

Ein Glücksstempel auf der Steuererklärung, Nixtun-Workshops, Taschen mit integrierter Blumenvase – solche Angebote gehören zum Glücksportfolio von Jan Johl von Blümmerling. Im Gespräch mit Redakteurin Pia Rolfs erklärt er, warum er seinen Glücksladen in Frankfurt-Bornheim betreibt. Und bei der Beantwortung einiger Fragen unterstützt ihn auch seine Lebensgefährtin Patricia Schellenberger, die Glück mit Disziplin verbindet.

Im Gespräch mit Redakteurin Pia Rolfs erklärt er, warum er seinen Glücksladen in Frankfurt-Bornheim betreibt. Und bei der Beantwortung einiger Fragen unterstützt ihn auch seine Lebensgefährtin Patricia Schellenberger, die Glück mit Disziplin verbindet. Wie bist Du darauf gekommen, einen Glücksladen zu eröffnen?

JAN: Ich bin einfach glücklich geboren – aber das sind alle anderen Menschen auch. Ich hatte eine tolle Kindheit, meine Eltern haben mir viel Raum zur Entfaltung gegeben. Deswegen durfte ich auch glücklich bleiben und es ausbauen. Ich bin auch immer noch Kind geblieben, ich habe das Erwachsensein nur ergänzt. Ich glaube, es ist meine Berufung, Glück auch weiterzugeben. Deswegen möchte ich anderen eine Plattform geben, sich austesten zu können.

Welche Angebote macht Ihr?

JAN: Wir veranstalten jeden Freitag Glücksfeste in unserem Clubladen, jeden Samstag im Clubgarten die Nixtun-Workshops. Eines unserer Mitglieder macht eine Auszeit-Agentur, ein anderer macht jeden Mittwoch eine Lachyoga-Session, die nur ein Lächeln kostet.

Womit verdient Ihr dann Geld?

JAN: Die Menschen, die diese Räume für Veranstaltungen nutzen, zahlen uns dafür Miete. Außerdem verkaufen wir Produkte wie etwa deutschland- und weltweit die Glücksblumen, die die Selbstverantwortung fürs Glücklichsein symbolisieren. Außerdem haben wir Blumentaschen aus recyceltem Leder im Angebot und Wanduhren, bei denen anstelle von Zahlen immer „Jetzt“ steht – unser Motto ist ja „Glück ist jetzt“. Das gibt es auch als Stempel, den man zum Beispiel auf die Steuererklärung drücken kann. Mein Geschäftsmodell ist „Glücklich sein und glücklich machen“.

Was wird am meisten genutzt?

JAN: Der Clubladen. Es gibt geschäftlich immer mal Höhen und Tiefen, aber das Schöne ist ja, dass ich ein Glücksionär bin.

Überall sprießen derzeit Glücksangebote aus dem Boden. Ist das eine Gegenbewegung zum steigenden Leistungsdruck?

JAN: Wir machen nichts gegen etwas. Schon 1998 habe ich in Offenbach mit meiner Idee angefangen, 2001 haben wir hier den Glücksladen eröffnet. Vielleicht wird das jetzt ein Trend, aber für uns war es schon immer unsere Lebensauffassung.

Aber warum ist das Glück nun auch für so viele andere ein Thema?

JAN: Draußen gibt es mehr Kriege und Angstmacherei, da brauchen die Menschen einen Ausgleich. Sie merken, dass der Konsum und die Politiker sie nicht wirklich glücklich machen können. Jeder muss das Glück in sich selbst finden.

Ist das kein Eskapismus, keine Flucht vor der Realität?

JAN: Wenn überhaupt, fliehen wir zurück zum Ursprung – zum Beispiel in den Garten.

PATRICIA: Aber es ist eine Flucht in eine tiefergehende, essentielle Ebene. Inzwischen hört man den Spruch „Glück ist jetzt“ überall, es ist immer von Achtsamkeit die Rede. Vor 15 Jahren war das noch nicht so, da hat Jan also damals eine Flucht nach vorn angetreten.

Haben die Menschen vielleicht falsche Vorstellungen vom Glück?

JAN: Es wird suggeriert, dass der Konsum die Menschen glücklich macht. Aber das hilft nur für einige Stunden, dann wird man wieder auf sich selbst zurückgeworfen. Viele wollen etwas ändern, sind dann aber zu träge dazu.

PATRICIA: Glück wirkt immer so wie ein Moment, wo alles perfekt zusammenkommt – etwa bei einer Hochzeit. Das ist natürlich toll. Aber uns geht es mehr um eine grundsätzliche bewusste Haltung. Und die erfordert Disziplin. Es braucht Disziplin, im Moment zu sein und für sich selbst Verantwortung zu tragen. Bei uns in Deutschland wird das Wort Disziplin oft mit Arbeit verbunden, aber das ist es in diesem Fall nicht.

Ihr bietet Nichtstun als Workshops an. Ist das heute so schwer geworden, dass das nötig ist?

JAN: Wir haben gemerkt, dass viele das Nichtstun nicht leben können. Es ist heute leicht, sich abzulenken, aber das verschafft nur kurzfristige Befriedigung. Ich finde das auch nicht schlecht, aber wir brauchen einen Ausgleich und eine Ergänzung zur permanenten Erreichbarkeit. Nichtstun hilft dabei, kreativ zu sein und Kraft zu tanken. Deswegen haben wir den Garten, wo man Stille tanken kann.

Das Motto ist „Glück ist jetzt“. Mal ganz ehrlich: Gelingt Dir das immer?

JAN: Ja. Mein Mantra, das ich auch Jantra nenne, ist: Jede Sekunde ist Glück. Für viele ist Glück nur das Positive. Aber ich akzeptiere jede Sekunde meines Lebens, ohne sie zu bewerten.

Gehören negative Gefühle nicht auch zum Leben ?

JAN: Ja, aber das ist dann auch Glück. Ich ärgere mich höchstens mal für wenige Sekunden.

Wenn Du Glück in einem Satz definieren müsstet, wie würde der lauten?

JAN: Glück ist für mich, dass ich jede Sekunde so akzeptiere, wie sie war und wie sie ist.  

Im nächsten Teil lesen Sie ein Interview mit der Hebamme Susanne Otte-Seybold über das Glück des Kinderkriegens.

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