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Hinter Kronprinzessin Victoria steht das Volk.

Schweden wollen Victoria auf dem Thron

Stockholm - Für Schwedens König beginnt 2013 mit schlechten Nachrichten: Laut einer Umfragen wollen seine Landsleute, dass er den Thron aufgibt und die Regentschaft seiner Tochter Victoria überlässt.

Die Mehrheit der Schweden will, dass König Carl XVI. Gustaf abdankt und Kronprinzessin Victoria ihm auf den Thron folgt. Das geht aus einer Umfrage des schwedischen Boulevardblattes „Aftonbladet“ (Mittwoch) hervor. 60 Prozent der Befragten wollen demnach den Thronwechsel. Nur knapp ein Drittel will, dass Carl Gustaf die Regentschaft bis ans Ende seines Lebens behält. Frühere Umfragen hatten ähnliche Ergebnisse gebracht.

Die schwachen Werte für den 66-Jährigen Monarchen werfen einen Schatten auf sein 40. Thronjubiläum, das in diesem Jahr ansteht. Unter Frauen war die Zustimmung besonders gering: 67 Prozent von ihnen forderten, dass die beliebte Königstochter innerhalb der nächsten zehn Jahre gekrönt wird - unter Männern sprachen sich 50 Prozent dafür aus.

Das könnte auch an den hässlichen Details aus dem Privatleben von Carl Gustaf liegen, die nach einer nicht autorisierten Biografie im Jahr 2010 Schlagzeilen gemacht hatten. Demnach soll der König angeblich an „Herrenabende“ mit bezahlten jungen Frauen teilgenommen und Kontakte zu Kriminellen aus dem Rotlicht-Milieu gepflegt haben.

Prinzessin Victoria sprach in einem am Dienstag vom schwedischen Fernsehen ausgestrahlten Bericht über das wachsende Interesse der Medien an der Monarchie. „Es hat sich wirklich geändert“, sagte die 35-Jährige, die im Februar Tochter Estelle auf die Welt gebracht hatte. „Man nimmt es sich schon zu Herzen, es ist schwer. Aber über die Jahre habe ich gelernt, bestimmte Dinge nicht an mich ran zu lassen.“ Fakten dürften nicht verfälscht werden, sagte ihr Mann, Prinz Daniel, in dem TV-Bericht. Beide betonten, ihre Privatsphäre sei bisher gewahrt worden.

Die Umfrage zeigte aber auch, dass die Unterstützung für die Royals weiter groß ist. 70 Prozent der Befragten wollen die Monarchie beibehalten. Nur 23 Prozent plädierten für eine Abschaffung.

Adel zwischen Liebesglück und Scheidungsrichtern

Adel zwischen Liebesglück und Scheidungsrichtern

Liebe auf den ersten Blick: So schildern die Heidelbergerin Silvia Sommerlath und Schwedens König Carl XVI. Gustaf ihre erste Begegnung bei den Olympischen Spielen in München 1972. 1976 heiratete das Paar und hält zueinander - auch wenn Berichte über Sex-Club-Besuche von Carl Gustaf das Ansehen des Königs in der Öffentlichkeit trüben. © dpa
Liebe über den Tod hinaus: Die britische Königin Victoria (1819-1901) und ihr deutscher Gemahl Albert von Sachsen-Coburg und Gotha (1819-1861) gelten als größtes Liebespaar des 19. Jahrhunderts. Als er mit nur 42 Jahren an Typhus starb, war sie untröstlich. Jahrelang erschien Victoria nicht mehr in der Öffentlichkeit, fragte vor wichtigen Entscheidungen Alberts Porträt um Rat und schlief 40 Jahre lang nur mit seinem ausgebreiteten Schlafanzug neben sich ein. © dpa
Ehe zu Dritt: Die Traumhochzeit des britischen Thronfolgers Charles mit Lady Diana Spencer wurde 1981 von weltweit 750 Millionen Menschen verfolgt. Was die Braut damals nicht ahnte: Es wurde eine Ehe zu dritt. Denn Charles pflegte mit seiner großen Liebe Camilla Parker Bowles mehr als nur Freundschaft. Charles und Dianas Ehe endete in einem öffentlichen Rosenkrieg. Nach der Scheidung 1996 starb Diana ein Jahr später bei einem Autounfall, und Charles heiratete 2005 die Liebe seines Lebens - Camilla. © dpa
Fels in der Brandung: 1947 erklangen in London die Hochzeitsglocken für Elizabeth und Philip. 1952 wurde sie zur Queen. Umgeben von Eheproblemen ihrer Geschwister und Kinder hielt die Verbindung der 86-Jährigen (ab 21.4.) Königin mit dem 90 Jahre alten Prinzgemahl wie ein Leuchtturm in schwerer See. Versuche der Boulevardpresse, Philip Affären mit Hollywood-Schönen anzudichten, konterte der Prinz: „Wie hätte ich das anstellen sollen? Seit 1947 folgt mir Tag und Nacht ein Sicherheitsbeamter.“ © dpa
Prinz und Partygirl: Norwegens Kronprinz Haakon heiratete 2001 die bürgerliche Mette-Marit Tjessem Høiby. Ihre Verbindung war lange umstritten wegen Mette-Marits wilder Vergangenheit im Party- und Drogen-Milieu sowie wegen ihres unehelichen Sohnes. Zur prunkvollen Hochzeit war die Kritik verstummt, und der kleine Blondschopf Marius erschien im Kinderfrack zu Mamas Trauung. © dpa
Allein unter Millionen: Als der dänische Kronprinz Frederik und die Australierin Mary Donaldson 2004 den Bund fürs Leben schlossen, wollten die beiden trotz Millionen TV-Zuschauern ein Stück weit unter sich bleiben. Aufnahmen durften nur von hinten gemacht werden, als sich die Brautleute in der gefühlvollen Zeremonie an den Händen hielten, mit den Tränen kämpften und das Ja-Wort hauchten. © dpa
Dank an das Volk: Fast zehn Jahre lang muss Kronprinzessin Victoria von Schweden auf die Hochzeit mit ihrem Fitnesstrainer Daniel Westling warten. Nach der glanzvollen Feier im Juni 2010 rief die strahlende Prinzessin vom Schlossbalkon rund 100.000 begeisterten Bürgern zu: „Ich danke dem schwedischen Volk. Denn Ihr habt mir meinen Prinzen gegeben.“ © dpa

Das Thronjubiläum des Königs im September könnte also dennoch ein Erfolg werden. Gemeinsam mit seiner Frau, Königin Silvia, plant Carl Gustaf schon von März an Besuche in allen Provinzen des Landes. „40 Jahre, das ist verrückt“, sagte er in dem TV-Bericht. „Für manche ist es eine lange Zeit, aber wenn du die Dinge hautnah erlebst, verfliegt die Zeit.“

Für die Umfrage hatte das Sifo-Institut im Auftrag der Zeitung 1000 Personen vom 10. bis zum 13. Dezember befragt.

dpa

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