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Stadtgeflüster

Müll statt Tüll für ihre Majestäten

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Gegensätze ziehen sich bekanntlich an. Und in diesem Fall ist es sogar ganz extrem.

Gegensätze ziehen sich bekanntlich an. Und in diesem Fall ist es sogar ganz extrem. Denn: Die Offenbacherin Daniela Ballweg schneidert die Kleider für das Frankfurter Prinzenpaar. Und es sind nicht irgendwelche Trachten, Klamotten oder Uniformen, die sie fertigt. Es handelt sich vielmehr um Fastnachtsmode aus Abfall. Daniela Ballweg macht aus Müll majestätische Mode.

Die 64-Jährige, die aus Baden-Württemberg stammt, führt in der Nachbarkommune die „Schule für Mode. Grafik. Design“. „Schreiben Sie das bitte mit den Punkten dazwischen. Wir heißen so“, stellt sie klar. Und das seit 1988.

Damals hatte alles begonnen, weil junge Menschen die Modedesignerin und Kunstpädagogin immer wieder fragten, ob sie bei und mit ihr ihre Präsentationsmappen vorbereiten könnten. Sie bejahte stets. So kam eins zum anderen und „deshalb habe ich die Schule gegründet“. Von Beginn an verschrieb sie sich dort nicht dem Recycling sondern dem Upcyling, wie sie es nennt.

Sie wertet, so kann man sagen, Abfall auf. Lässt Kleider und Anzüge aus allen möglichen Abfallprodukten entstehen. Hat für eine Drahtfirma eine Kollektion erstellt und etliche Kostüme für Werbefilme produziert. Kein Wunder, dass die Verantwortlichen der Frankfurter Entsorgungs- und Service GmbH (FES) auf sie aufmerksam geworden sind.

Denn was andere nicht mehr brauchen und wegwerfen ist beider Geschäft. Und mehr noch: „Wir machen seit zehn Jahren die Modeschau bei der Luminale“, sagt Daniela Ballweg. „Und wir versuchen dort, Licht und Kleidung miteinander zu vereinen“, erklärt die Modefachfrau. Das kam gut an bei der FES und man kam ins Gespräch.

Denn in der fünften Jahreszeit, die morgen um 11.11 Uhr anbricht, ist die FES das Narren-, nein das Prinzliche Haus. Vor 20 Jahren hatte die FES schon einmal diese Rolle. Und dieses kleine Jubiläum galt es zu feiern. Mit ganz viel Abfall. Und so klingelten die FES-Verantwortlichen bei Daniela Ballweg in Offenbach durch und baten sie, aus Abfall, schmucke Kleidung für ihre Lieblichkeit und seine Herrlichkeit herzustellen. Daniela Ballweg machte sich prompt mit einigen angehenden Studenten ans Werk.

Seit dem Sommer sind sie dran. Sie entwarfen die Garderobe für die Tollitäten. Zwei schicke Oberteile für den Herrn Prinzen – eins aus Muffin-Backformen aus Papier. Eines mit einem zerschnittenen Fahrradreifen. Und auch für ihre Lieblichkeit schufen die Studenten Auffälliges aus Abfall. „Mich hat es so gereizt, einen Reifrock aus Reifen zu machen“, sagt Daniela Ballweg und hält eine „Reifenrock“ in die Höhe, der aus vier vergoldeten Fahrradreifen besteht, die durch die ebenfalls vergoldeten Schläuche miteinander verbunden sind. „Aber, psst“, flüstert sie, „das ist alles noch streng geheim und ich darf nichts verraten.“ Und vor allem nichts zeigen. Öffentlich präsentiert werden soll die Fastnachts-Haute-Couture beim Heimspiel der Fraport Skyliners am 23. November.

Da passt es, dass ein Prinzessinnen-Outfit aus Körbchen aus Baumaterialien besteht. Die sind allerdings nicht so groß, dass ein Basketball hineinpassen würde. Zwar erinnern manche der Klamotten an Kostüme aus einen Science-Fiction-Film, aber Daniela Ballweg und ihre Mitstreiterinnen hatten ganz anderes im Sinn, als sie sich an die Arbeit machten. „Wir haben an Märchen gedacht. An kein bestimmtes, sondern eher allgemein.“

Und so sehen die Kleider, deren Basis gebrauchte, alte Prinzen- und Prinzessinnen-Ausstattungen sind, auch sehr fantasievoll aus. „Ich bin zwar ein Fastnachtsmuffel, aber solche Projekt liebe ich einfach“, erklärt Daniela Ballweg, warum sie zugesagt hat und nun auch daran sitzt, Umhänge fürs närrische Gefolge zu machen. Selbst das FES-Maskottchen Fessi erhält eins.

Übrigens reiht sich das neue Prinzenpaar in einer lange Reihe von Tollitäten ein, zu der auch Prominente wie der heutige Stadtverordnetenvorsteher Stephan Siegler gehören.

Na, denn. Auf Daniela Ballweg ein dreifach donnerndes: Daniela – Helau. Ballweg – Helau. Abfall – Helau.

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