Yoga-Hotel in St. Peter-Ording

Neustart an der Nordsee

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Einmal aus dem sicheren Beruf aussteigen und etwas ganz anderes machen – davon träumen viele Menschen im Laufe ihres Arbeitslebens. Die ehemaligen Frankfurter Banker Dörte und Marco Kubatzki haben es tatsächlich getan. Doch vieles kam ganz anderes, als sie es sich vorgestellt hatten.

In der Strandbar 54 ° Nord in St. Peter-Ording weiß die Kellnerin gleich Bescheid. „Das Kubatzki? Das ist doch das neue Yoga-Hotel!“ Seit Ostern eröffnet, ist die Unterkunft schon vielen Touristen in dem schleswig-holsteinischen Urlaubsort an der Nordsee ein Begriff. Was viele aber nicht wissen: Diejenigen, die sich mit diesem Hotel einen Traum erfüllen, sind zwei ehemalige Frankfurter Banker.

14 Jahre lebten Marco und Dörte Kubatzki in Frankfurt. Er arbeitete im Wertpapierhandel bei der DZ Bank, sie bei Natixis. „Aber wir waren nie Banker aus Leidenschaft“, erklärt der 44-Jährige. „Vieles im Bankgeschäft kam mir absurd vor, irgendwann konnte ich mich mit meiner Arbeit nicht mehr identifizieren. Am Meer arbeiten, mit Menschen umgehen, das wollten wir schon lange.“

Mit Ende 30 über das Leben nachdenken – das führt manche in die Midlife-Crisis. Für die Kubatzkis war es der Beginn eines Neuanfangs. „Angst hatten wir nicht“, beteuert der Ex-Banker.

Doch der Traum vom anderen Leben lässt sich nicht so leicht umsetzen wie zunächst gedacht. Erst wollen beide an die Ostsee – doch die Orte sind ihnen zu spießig. Dann nehmen die beiden die Insel Föhr ins Visier. „Wir waren eigentlich Fans von Inseln“, erzählt Kubatzki, „aber die Baukosten dort sind relativ hoch.“ Die Idee vom alten Friesenhof, auf dem Eltern und Kinder Urlaub machen können, wird wieder verworfen.

„Wir haben dann schließlich einen Berater engagiert, der uns St.-Peter-Ording empfohlen hat“, berichtet der Hotelier. Der Ort auf dem Festland ist für Touristen schneller zu erreichen als eine Insel. Zwar hat der Tourismus hier, wie die 41-jährige Dörte Kubatzki feststellt, oft noch den Charme der 70er Jahre. „Aber der zwölf Kilometer lange Strand hat uns umgehauen“, berichtet ihr Mann.

Das erste Haus, das ihnen gefällt, steht unter Denkmalschutz. Die Finanzierung ist schwer, ein Jahr später legen sie die Pläne zu den Akten. Dann haben sie Glück: Sie können den „Tannenhof“ kaufen, ein Hotel, das sie grundlegend sanieren und zum modern gestylten Yoga-Hotel umbauen. Überall schwarz-weiß, keine Teppiche, aber dennoch gemütlich. „Wir wollten ein Hotel, das wir selbst schön finden“, betont Kubatzki.

Damit allein aber wird aus einem Banker nicht automatisch ein Hotelier. Kubatzki macht zwar an der Fernuni eine Ausbildung im Hotelmanagement, muss sich an einige Unterschiede gewöhnen. „Ich hatte in der Bank auch Personalverantwortung, aber die Leute haben selbstständiger gearbeitet. In einem Hotel muss man zum Beispiel genau erklären, was in einem Zimmer wie geputzt werden soll.“

Weil die Kubatzkis Wert auf soziale Nachhaltigkeit legen und niemand mehr als fünf Tage die Woche arbeiten soll, ist die Aufstellung des Dienstplans kompliziert. Wenn die Köchin plötzlich fehlt, fällt auch mal das Abendessen aus.

Das Konzept des Hotels jedoch kommt an: Yoga liegt im Trend, einige Kurse gibt Dörte Kubatzki selbst. Bald soll es mehr Retreats geben, auch in Kooperation mit Yoga-Studios aus dem Rhein-Main-Gebiet. Beim Essen lautet das Konzept: Ayurveda trifft internationale Hausmannskost.

Vor allem Großstädter aus Hamburg, Frankfurt oder Berlin kommen gern ins „Kubatzki“. „Viele Gäste sind mittleren Alters und in Umbruchsituationen, so wie wir es auch waren“, hat Kubatzki erfahren. Daher wird auf der Terrasse mit den Stühlen und Hängematten abends lange geredet. „Viele Leute öffnen sich nach dem Yoga“, hat das Ehepaar erfahren.

Obwohl das Hotel gut läuft und ihnen ihre Arbeit wesentlich mehr Spaß macht als früher, packt beide aber bisweilen noch das Heimweh nach Frankfurt. „Wir haben in Bornheim gewohnt und vermissen das Berger Straßenfest“, so Kubatzki. „Und anders als in der Kleinmarkthalle kann man hier nicht mal eben frische Minze kaufen.“

Ihren beiden Kindern fehlt das breite Sportangebot in der Großstadt. „Die fanden es in Frankfurt natürlich cooler – zumal wir damals auch mehr Zeit für sie hatten“, so der Vater. Der Hotelbetrieb kennt kaum Pausen, Urlaub gibt es nur um Weihnachten herum.

Trotz mancher Hürden ist für Marco Kubatzki aber klar: „Wir haben die Entscheidung nicht bereut, auch wenn wir uns manches einfacher vorgestellt haben. Und wer weiß, vielleicht ziehen wir als Rentner wieder in die Großstadt.“

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