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Die ehemalige Hochspringerin Ulrike Nasse-Meyfarth (links) und Ex-Florettfechterin Cornelia Hanisch waren Gäste beim Benefiz-Abend ?Große und kleine Helden?. Und sie werben für Organspenden.

Stadtgeflüster

Sportler werben für Organspenden

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Sie möchte nicht in die Situation kommen, ein Spenderorgan zu benötigen. „Da würde ich in Deutschland alt aussehen“, sagt Olympiasiegerin

Sie möchte nicht in die Situation kommen, ein Spenderorgan zu benötigen. „Da würde ich in Deutschland alt aussehen“, sagt Olympiasiegerin Ulrike Nasse-Meyfarth . Sie ist Organspenderin aus Überzeugung und eine von hundert Welt- und Europameistern sowie Olympia-Medaillen-Gewinnern, die sich dafür einsetzen, diesem Thema Gehör zu verschaffen.

Gestern war die 62-Jährige unter den 180 Gästen, die im Festsaal der Goethe-Universität, bei der Vergabe des Helmut-Werner-Preises der Kinderhilfe Organtransplantation (Kio) dabei waren. Die Verleihung ist Teil der gemeinsamen Veranstaltung des Vereins „Sportler für Organspende“ und der „Kinderhilfe Organtransplantation“. Es gehe darum, dem Thema Organspenden Geltung und Öffentlichkeit zu verschaffen. Die Auszeichnung wird seit 2005 jährlich vergeben und ist nach dem Mercedes-Vorstand benannt, der 2004 an den Folgen von Leberversagen starb.

In diesem Jahr ging der mit 5000 Euro dotierte Preis an den Tübinger Silvio Nadalin , der das Transplantationszentrum am Tübinger Universitätsklinikum leitet. Er hat mehr als 100 Säuglingen, Kleinkindern, Kindern und Jugendlichen eine Spenderleber transplantiert.

Mit ihrer Aussage schlägt die ehemalige Topsportlerin in dieselbe Kerbe wie Frank Feldmann , Chef des Vereins Sportler für Organspende, der sein 20-jähriges Bestehen feierte. Feldmann sprach Klartext: „Wir wünschen uns, dass die Politik die Richtung vorgibt, um den Tod auf der Warteliste zu stoppen. Mehr Organe müssen verfügbar sein.“

Wie wichtig das ist, zeigte das Beispiel von Familie Popp. Mutter Carolin und Papa Karl kämpften um das Leben ihrer Tochter Anike. In Folge der Chemotherapie wegen einer Leukämie wurde eine Darmtransplantation nötig. Gestern berichtete die 17-Jährige bestens gelaunt von ihrer Leidenschaft: dem Tanzen. Ohne Organspende säße sie nicht dort. „Solche Veranstaltungen leben davon, dass Sportler, Unterstützer und Betroffene kommen“, sagte Kio-Chef Reinhard Göbel . Und so waren noch zwei Familien gekommen – eine, die ein Kind verlor, weil es kein Spenderorgan gab, und eine, die ihr vierjähriges Kind verlor und die Organe spendete.

Unter den Gästen der Veranstaltung, durch die „Tagesschau“-Mann Jan Hofer führte, der den „Stamm-Moderator“ Johannes B. Kerner vertrat, befand sich auch Kunstturner und CDU-Politiker Eberhard Gienger . „Selbstverständlich habe ich einen Organspendeausweis“, sagte der 67-Jährige. „Ich bin davon überzeugt, dass das etwas Gutes ist.“ So sieht es auch Box-Weltmeister Sven Ottke . „Wenn ich nach meinem Tod mit meinen Organen noch jemandem helfen kann, dann tue ich das sehr gern“, fasste es der 51-Jährige prägnant zusammen, was an diesem Abend wohl jeder fühlte und dachte.

(es)

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