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Schriftsteller Harald Lüders hängt sehr an seinem Frankfurt.

Stadtgeflüster

Harald Lüders : Der Tagträumer und seine Krimis

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Er hat das letzte Interview mit DDR-Staatschef Erich Honecker nach seinem Sturz geführt, war drei Jahrzehnte lang in der ganzen Welt unterwegs, um für die Öffentlich-Rechtlichen zu berichten.

Er hat das letzte Interview mit DDR-Staatschef Erich Honecker nach seinem Sturz geführt, war drei Jahrzehnte lang in der ganzen Welt unterwegs, um für die Öffentlich-Rechtlichen zu berichten. Harald Lüders war viel in Krisengebieten unterwegs. Auch im Kosovo. Und er hat sich mit dem Thema Geheimdienste befasst, wurde schließlich mit dem Adolf-Grimme-Preis ausgezeichnet.

Irgendwann entdeckte der in Darmstadt geborene Lüders seine Leidenschaft fürs Bücherschreiben und machte sich frisch ans Werk. Zwei Titel veröffentlichte er bisher. Zunächst „Dunkelmacht“ und nun vor Kurzem „Traumtunnel“. Ein extrem aktueller Wälzer über Datenklau, virtuelle Realität sowie Gehirnwäsche. Ein Dreivierteljahr saß er an dem 329 Seiten langen Wälzer.

„Ich bin ein großer Anhänger des Tagtraumgehirns. Das kennt jeder Journalist, der ein Problem mit dem Schreiben hat. Trotzdem arbeitet das Gehirn weiter – und irgendwann macht es klick und der Text geht weiter“, so Lüders. „Für die zweite Hälfte des Buches habe ich zwei Monate gebraucht. Für die erste ein gutes halbes Jahr.“

Die Basis für das Buch bildet seine Berufserfahrung. „Ich habe mich mein Leben lang auf dem Feld des investigativen Journalismus rumgetrieben“, erzählt der 67-Jährige, der seinen Protagonisten, Journalist Mitch Berger , als Antihelden konzipiert hat.

In den vergangenen Jahren interessierte sich Lüders immer mehr für Hirnforschung. Zum anderen faszinierte ihn, was nach der Trump-Wahl über den Umgang mit Daten hochkam. „Mit diesen beiden Stoffen wollte ich spielen“, erzählt er, wie es zu „Traumtun-nel“ kam.

„Die virtuelle Realität fasziniert mich, weil sie unser Gehirn vor Fragen stellt, die es nicht beantworten kann“, nennt er einen weiteren Punkt, warum er das Buch geschrieben hat. „Was mich gereizt hat, war die Verbindung zwischen diesen beiden Strängen“, so Lüders, der auch schon um die Filmrechte der Bücher verhandelt.

Und er wollte von „seiner eigenen“ Stadt Frankfurt erzählen, so Lüders, der, bis auf ein paar kurze Unterbrechungen in Manhattan, stets in Mainhattan gelebt hat. „Ich möchte, das Frankfurt in meinen Buch ein Gesicht bekommt.“ Ziel seiner Krimis ist es, möglichst aktuelle Geschehnisse darin zu verarbeiten. „Deshalb baue ich auch Dinge mit hinein, die geschehen, während ich schreibe“, so Lüders. „Meine großes Vorbild ist James Ellroy .“ Obwohl sein „Traumtunnel“ alle Voraussetzungen für ein spannendes Leseabenteuer erfüllt, ist sich Autor Lüders im Klaren darüber, „dass es sehr schwer ist, bis zum Leser durchzudringen. Es gibt sehr viele sehr gute Bücher“. Zu überflutet sei der Markt mit Krimis.

Trotzdem schreibt er sie. Lässt sich aber nicht unter Druck setzten, jedes Jahr ein Werk zu veröffentlichen. Auch sein beruflicher Hintergrund und seine Kontakte sind nicht immer hilfreich. „Mit dem ersten Buch war ich beim ZDF-Morgenmagazin“, erzählt er. Das zweite wollten die ehemaligen Kollegen nicht. „Ich schreibe nicht mit dem fanatischen Blick auf die Bestsellerlisten“, sagt Harald Lüders. „Aus dem Alter bin ich raus. Sondern ich mache das mit einer gewissen Ruhe und dem nötigen Maß Gelassenheit“, so Lüders, der schon an seinem dritten Buch arbeitet. Das wird noch stärker in Frankfurt spielen und sich mit dem Bahnhofsviertel beschäftigen. Eine Inspirationsquelle ist das Buch „Feuerteich“ von Fred Prase , einem Polizisten und Fotografen im Bahnhofsviertel. „Es waren wilde Jahre da im Viertel und ich möchte das, was heute passiert, die Gentrifizierung und die Diskussion ums Flüchtlingsthema, aufnehmen“, verrät Lüders schon jetzt.

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