Inga (5), seit fünf Tagen vermisst.
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Inga (5), seit fünf Tagen vermisst.

Fünfjährige verschollen

Verzweifelte Suche nach Inga

Seit fast einer Woche ist die fünfjährige Inga verschollen. Den Ermittlern fehlt eine konkrete Spur. Stattdessen wächst nun ein Verdacht.

Von Franziska Höhnl (dpa)

Keine verlorenen Gegenstände, keine abgeknickten Äste, keine Kampfspuren, keine Fuß- und Reifenspuren, keine gehörten Schreie, keine verdächtigen Beobachtungen. Die Aufzählung des Polizeisprechers Marc Becher zu den Ergebnissen der tagelangen Suche nach der vermissten Inga im Norden Sachsen-Anhalts klingt ernüchternd. Es scheint, als sei das fünfjährige Mädchen wie vom Erdboden verschluckt.

Becher wird trotz der dünnen Spurenlage nicht müde zu betonen: „Wir setzen alles daran, das Mädchen zu finden.“ Aber nach fünf Tagen spricht die Polizei erstmals offiziell davon, dass eine Straftat immer wahrscheinlicher werde. Der Anfangsverdacht für das eingeleitete Verfahren lautet aus Mangel an konkreten Hinweisen zunächst: Entziehung Minderjähriger.

Das blonde Mädchen mit den blauen Augen und der großen Zahnlücke war am Samstagabend auf der Suche nach Feuerholz in den Wald gegangen – und nicht zurückgekehrt. Inga war mit ihrer Familie aus Schönebeck zu Besuch in Wilhelmshof, einem abgelegenen Ortsteil von Stendal. Er ist wie eine Mini-Exklave umgeben von Wald, die nächste Ortschaft ist Kilometer entfernt. Dort wurde Inga zuletzt gesehen, dort muss sie verschwunden sein. Mehr als 1000 Helfer durchkämmten Tag und Nacht immer wieder das Waldgebiet. Hubschrauber flogen, 40 Spezialhunde waren bei den Patrouillen dabei. Zeitgleich befragen die Ermittler die Bewohner sowie die Mitarbeiter und Patienten der dortigen Klinik. Die Antwort auf die Frage nach Ergebnissen klingt täglich bedrückter: „Nichts. Keine Spur.“

„Gerade bei kleinen Kindern ist der Faktor Zeit entscheidend“, sagt Lars Bruhns, Vorsitzender des Vereins Initiative Vermisste Kinder. Je mehr Zeit verstreiche, desto schwieriger werde es. „Solche Vermisstenfälle sind sehr, sehr selten.“ Jährlich würden zwar etwa 100 000 Kinder vermisst gemeldet. Aber mehr als 99 Prozent kämen binnen kürzester Zeit wohlbehalten zurück.

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