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Johannes Thammer, Audi-Chef in Korea, wurde am Flughafen Seoul von Journalisten bestürmt.

Diesel-Skandal

Audi hat auch in Südkorea getrickst

Seinen Job ist Rupert Stadler los. Sein Vertrag als Vorstandschef der Audi AG – die als Keimzelle der Abgasaffäre im Volkswagen-Konzern gilt – wurde vergangene Woche aufgelöst. Doch vieles von dem, was in Stadlers Amtszeit nicht in Ordnung war, ist noch nicht aufgeklärt. Das zeigt ein besonders drastischer Fall, der Südkorea betrifft.

Im Zuge des Dieselskandals hat Audi offenbar nicht nur in den USA und Deutschland seine Kunden betrogen, sondern auch in Südkorea. Die VW-Tochter hat für die Zulassung von Autos in Südkorea anscheinend jahrelang Fahrgestellnummern und Testprotokolle gefälscht. Der Hersteller habe spezielle Vorschriften nicht „abdecken“, also nicht einhalten können, zitiert die „Süddeutsche Zeitung“ aus einem internen Audi-Prüfbericht. Das Unternehmen habe folglich in Südkorea mit falschen Angaben die Zulassung von Autotypen erschlichen, die sonst keine Betriebserlaubnis erhalten hätten.

Die Staatsanwaltschaft München II ermittle wegen Betrugsverdachts, berichtet die „Süddeutsche“ weiter. Die Ermittlungen richten sich demnach gegen drei Audi-Beschäftigte; darunter seien keine heutigen oder früheren Vorstandsmitglieder.

Das Unternehmen erklärte auf Anfrage der Zeitung, die Erkenntnisse aus den Revisionsberichten seien „mit den koreanischen Zulassungs- und Strafverfolgungsbehörden konsequent von einer gemeinsamen Arbeitsgruppe von Volkswagen und Audi“ abgearbeitet worden. Gerichtsverfahren und Verurteilungen in Südkorea wie auch personelle Maßnahmen seien die Folge gewesen. „Der lokale Dienstleister, der für die Marken des Konzerns in Korea tätig war, wurde ausgetauscht.“

Die Dokumente, die zu dem neuen Ermittlungsverfahren führten, waren den Strafverfolgern laut Bericht bei einer Razzia wegen der Abgasaffäre im März 2017 in der Ingolstädter Audi-Zentrale in die Hände gefallen. Von sich aus habe die VW-Tochter die Ermittler nicht eingeschaltet. „Audi hat die Staatsanwaltschaft nicht informiert“, teilte die Behörde der Zeitung auf Anfrage mit.

Die Prüfergebnisse besagten demnach, dass Mitarbeiter in den Werken Ingolstadt und Neckarsulm seit 2013 Testprotokolle für die Zulassung von Fahrzeugen in Südkorea „gezielt manipuliert“ hätten. Um zu verhindern, dass der Betrug nachvollziehbar sei, seien Fahrgestellnummern gefälscht worden. Offenbar um manipulierte Tests in Deutschland an einem Fahrzeug durchführen zu können und dann mit dessen Testergebnissen und Fahrgestellnummer ein dreckiges Modell nach Südkorea liefern zu können. In 18 Fällen sei eine falsche Fahrgestellnummer ins Testprotokoll eingetragen worden. Die manipulierten Unterlagen seien an den Verkauf in Südkorea geschickt worden, zur Vorlage bei den dortigen Behörden.

Der Prüfbericht der Audi-Revision zu Südkorea trägt der „SZ“ zufolge das Datum 14. Juli 2016. Auf dem Verteiler des Berichts stand demnach an erster Stelle der ehemalige Vorstandschef Rupert Stadler, gefolgt von weiteren Managern. Wie die Staatsanwaltschaft München II nun bestätigte, fokussieren sich die Ermittlungen auf drei Audi-Mitarbeiter – unter den Beschuldigten sei allerdings kein aktuelles Vorstandsmitglied.

Die Manipulationen betrafen laut Staatsanwaltschaft Messergebnisse des Schadstoffausstoßes und des Kraftstoffverbrauchs. Testdaten und Kilometerzahlen der betreffenden Autos seien manipuliert worden, um vorzutäuschen, dass die gesetzlichen Vorgaben eingehalten würden. Bei ihrer Razzia in der Audi-Zentrale im März 2017 stießen die Ermittler auch auf ein eingerichtetes Ampelsystem, mit dem die interne Kontrollabteilung offenbar schon länger das Risiko einer Entdeckung abschätzte. Grün gleich ungefährlich, rot gleich brenzlig. Sorgfältig sollen die Auto-Kontrolleure überwacht haben, wie wahrscheinlich es war, dass auch dieser Skandal ans Licht kommt.

(afp,pan)

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