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Ein reifes Liebespaar spielten Karin Dor und Claus Biederstaedt vor 20 Jahren in der ?Komödie im Bayerischen Hof? in München. Das Stück hieß ?Trau keinem über sechzig?.

Claus Biederstaedt

Der brave Charmeur mit der sonoren Stimme

In den 1950ern machten Filme mit Heinz Rühmann oder Romy Schneider Claus Biederstaedt zum Leinwandstar. In mehr als 200 TV-Produktionen und 60 Spielfilmen wirkte er mit. Dass es jetzt ruhig um ihn geworden ist, liegt auch an seinem Gesundheitszustand.

Als Herzensbrecher und Sonnyboy des Nachkriegsfilms wurde Claus Biederstaedt in den 1950ern Jahren zum deutschen Filmstar. Jahrzehnte blieb der Schauspieler mit der sonoren Stimme und dem breiten Lachen fester Bestandteil des deutschen Film- und Fernsehens. Später besann er sich zurück auf das Theater. Dort habe er machen können, was er wollte. „Da war ich nicht von Sendern und Quoten abhängig“, sagte er einmal.

Noch 2008 stand der Schauspieler auf der Bühne und zog mit der Psychokomödie „Der Neurosen-Kavalier“ durch die Städte des Landes. Heute feiert Claus Biederstaedt seinen 90. Geburtstag.

Seit 2011 war es ruhig um den Schauspieler geworden – auch wegen seines Gesundheitszustands: Diagnose Zungenkrebs. Zwei Drittel der Zunge amputierten Ärzte, formten den verlorenen Teil mit Gewebe aus dem Oberschenkel nach. Seitdem ernährt sich der bei München lebende Biederstaedt von Flüssignahrung mit Vanille-Geschmack. „Aber er kämpft sich sehr gut durch“, sagte der einzige Sohn, Tom Biederstaedt. „Er ist mit 90 natürlich nicht mehr 20 und nicht mehr so gut zu Fuß. Aber er liest viel und hört jeden Tag klassische Musik. Das ist ihm sehr wichtig.“

Begonnen hatte die Schauspielkarriere Biederstaedts Ende der 1940er Jahre im Hamburger Schauspielhaus. Zuvor hatte der im pommerschen Stargard geborene Biederstaedt sein Medizinstudium abgebrochen.

In den 1950er Jahren wurde er mit Filmen wie „Drei Männer im Schnee“, „Nachtschwester Ingeborg“ und „Charleys Tante“ an der Seite von Heinz Rühmann berühmt. Für den Film „Feuerwerk“ stand er mit der damals 16-jährigen Romy Schneider vor der Kamera und verpasste ihr nach eigener Aussage ihren ersten Kuss.

Für sein Leinwanddebüt „Die große Versuchung“ (1951) wurde er mit dem Bundesfilmpreis als bester Nachwuchsdarsteller ausgezeichnet. Über die Jahre war Biederstaedt insgesamt in 60 Spielfilmen zu sehen. Er war ein typischer Vertreter des deutschsprachigen Films der 50er Jahre, in seinen Rollen brav und artig und bei den Zuschauern sehr beliebt.

Nicht nur im Kino, auch im Fernsehen feierte Biederstaedt insbesondere in den 1960er und 1970er Jahren Erfolge und wirkte in mehr als 200 TV-Produktionen mit. Mal war er in den Serien „Derrick“, „Die Schwarzwaldklinik“ oder „Der Alte“ zu sehen, mal verkörperte er den Doktor Ebner in „Ein Chirurg erinnert sich“. Bekannt ist auch Biederstaedts sonore Stimme: Als Synchronsprecher vertonte er Hollywood-Größen wie Marlon Brando, Yves Montand und Paul Newman. Als Erzähler aus dem Off agierte er im Jahr 1977 in der Fernsehproduktion „Es muss nicht immer Kaviar sein „(1977).

Nach Angaben seines Sohnes schaut der Schauspieler gern auf „seine“ Zeit zurück. Der größte Verlust sei für ihn, dass er nicht mehr auf der Bühne stehen könne. „Wenn man bei etwas so mit Leib und Seele dabei ist und es dann weg ist – das tut weh.“ Verbringen will Claus Biederstaedt seinen 90. Geburtstag mit Familie und Freunden. Es sei eine gemütliche Feier in einem Lokal mit etwa 30 Gästen geplant, sagte Tom Biederstaedt. Dabei ist auch seine zweite Ehefrau Barbara Biederstaedt, mit der er seit 1972 verheiratet ist.

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