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Brigitte Bardot 1965 bei einer Pressekonferenz.

Geburtstag

Catherine Deneuve, die große Elegante des französischen Kinos, wird 75 Jahre alt

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Sie war die unnahbare Gegenspielerin der verführerischen Brigitte Bardot. Noch immer dreht sie Filme und verteidigt auch politisch die Freiheit der Liebe.

Ganz Paris stand in der großen Zeit des französischen Films vor der Frage: Brigitte Bardot oder Catherine Deneuve? Niemand, der in den 50er, 60er, 70er Jahren nicht in die Not geraten wäre, sich für eine der beiden entscheiden zu müssen. Brigitte, das „Ewig lockende Weib“, oder Catherine, die „Schöne des Tages“? Es waren keineswegs nur Männer, die vor den Ankündigungstafeln der Kinos zögerten. Welch riesigen Einfluss Bardot und Deneuve in der Kulturnation Frankreich auf das Denken und Fühlen von Frauen ihres Alters hatten und haben, kann man sich in Deutschland nicht vorstellen.

Groß, blond, strahlend und voller Faszinationskraft – das war die eine so sehr wie die andere. Zwei Verführerinnen aus dem Katalog der Träume. Die jüngere, sinnlichere Brigitte als Geliebte für jetzt, die ältere, unnahbarere Catherine als Ehefrau für später: So sah die Fantasie manch eines Betrachters aus. Erst im heutigen Rückblick wird in aller Schärfe klar, wie sehr die erste westliche

Nachkriegsgeneration

vor allem in ihrer Jugend von Frankreichs Kino-Hauptdarstellerinnen geprägt war, bis hinein in die Mode. Dabei war der französische Film damals cineastisch kaum zu trennen vom italienischen, der seinerseits Sophia Loren, Claudia Cardinale und Silvana Mangano ausschickte. Hinzu kamen als filmische Begleiter Jean-Paul Belmondo, Alain Delon, Marcello Mastroianni oder Gérard Depardieu.

Namhafte Regisseure setzten die anfangs unbekannten Schauspieler in Szene und machten sie zu Weltstars mit unauslöschlichen Namen. Roger Vadim, François Truffaut, Luis Buñuel, Claude Lelouch, Roman Polanski oder Marco Ferreri standen hinter der Kamera und schauten durch die Linse, die zum Auge des erzählerischen Taifuns lebenspraller Gegenwartsgeschichten wurde. Wie viele Klassiker der Kinogeschichte damals so entstanden, ist kaum zu überschätzen. Es war einmalig.

Heute hat das französisch-italienische Kino nahezu ausgespielt. Lediglich ein paar verfilmte charmante Theaterkomödien („Ziemlich beste Freunde“, „Monsieur Claude und seine Töchter“) zeigen noch Wirkung. Brigitte Bardot ist 84 Jahre alt, Sophia Loren ebenfalls. Claudia Cardinale ist 80, Silvana Mangano, 1989 gestorben, wäre mittlerweile 88. Nur die Jüngste, Catherine Deneuve, die am kommenden Montag, 22. Oktober, 75 wird, arbeitet noch. Ihr neuestes Kinowerk, „Der Flohmarkt von Madame Claire“ unter der Regie von Julie Bertucelli, ist für das kommende Frühjahr angekündigt. Es geht um eine Frau, die ihr Leben entrümpelt.

Geboren als Tochter eines Bühnenautors und einer Schauspielerin, wurde Catherine Deneuve in den 60er Jahren von Roger Vadim entdeckt, dem früheren Regisseur und Ehemann von Brigitte Bardot. Künstlerisch war diese Begegnung ein Glücksfall, denn die gemeinsamen Filme „In der Hand eines Stärkeren“ sowie „Laster und Tugend“ brachten Leichtigkeit mit Ernsthaftigkeit zusammen und ergaben so die feste Grundlage für Deneuves Karriere.

Der Musikfilm „Die Regenschirme von Cherbourg“ von Jacques Demy, Roman Polanskis Psychothriller „Ekel“ sowie das Nazi-Drama „

Die letzte Métro

“ von François Truffaut machten Deneuve dann zur großen Charakterdarstellerin. In „Asterix und Obelix – Madame empfiehlt sich“ zeigte sie sich überdies als Komödiantin.

Verheiratet war Catherine Deneuve 13 Jahre mit dem englischen Modefotografen David Bailey. Ihr Sohn Christian aber stammt von Roger Vadim, Tochter Chiara von Marcello Mastroianni. Als heutige „Grande Dame“ der Leinwandkunst hat die Schauspielerin Wohnsitze in Paris und auf dem Land. Ihre Auftritte bei Empfängen und Festivals zeugen von großer Stilsicherheit. Mit Brigitte Bardot, die sich beruflich schon Anfang der 70er zurückzog, geriet Deneuve einmal aneinander, als die Tierschützerin ihr vorwarf, zu viel Pelz zu tragen. Zuletzt aber waren die zwei Schauspielerinnen sich sehr einig in ihrer Kritik an der MeToo-Debatte. Die beiden gebürtigen Pariserinnen entstammen nun mal einer Tradition erotischer Freizügigkeit, wie sie gerade Frankreichs Künstler als Kennzeichen unbürgerlicher Frivolität und weiblicher Gleichberechtigung preisen.

Deneuve sprach von „Hexenjagd“ im Machtkampf gegen die Männer und von einem neuen feministischen Puritanismus aus Amerika. In der „Zeit“ erklärte sie: „Mich stört an unserer Zeit, dass jeder meint, er habe das Recht, zu richten, zurechtzurücken, zu verurteilen. Eine Zeit, in der Anschuldigungen in den sozialen Netzwerken zu Strafe, Rücktritt und manchmal medialer Lynchjustiz führen können.“ Brigitte Bardot drückte sich in der Zeitschrift „Paris Match“ noch direkter aus: „Viele Schauspielerinnen bringen bei den Produzenten ihre Reize ins Spiel, um an eine Rolle zu gelangen, und wenn dann über sie geredet wird, sprechen sie von sexueller Belästigung.“

Worte einer französischen Libertinage, die auch dann noch jung wirkt, wenn sie bereits 75 wird.

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