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Christopher Robin (Ewan McGregor) und sein Kindheitsbär Winnie Puuh müssen mal ein ernstes Wort miteinander reden.

Im Kino

„Christopher Robin“: Zurück ins Paradies der Kindheit

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Ewan McGregor spielt den Mann, der vom Leben abgehärtet wurde und die Unbeschwertheit seiner Jungentage mit Winnie Puuh wiederfinden möchte.

Wie schön wäre es, wenn man als Kind ein Tagebuch geführt hätte! Dann könnte man sich von ihm an viele längst vergessene Ereignisse aus der Kindheit erinnern lassen. Für Christopher Robin (Orton O’Brien) geht ein wichtiger Abschnitt von ihr vorbei. Der in der englischen Grafschaft Sussex lebende Junge muss sich von seinen lieben Freuden Winnie Puuh, Tigger, Ferkel, I-Ah, Eule und Hase trennen. Im Hundertmorgenwald war das Spielen mit diesen treuen Stofftieren stets sorglos gewesen. Nun jedoch muss der Junge auf ein besonderes Internat gehen. Und schon bald ist Christopher Robin (nun Ewan McGregor) erwachsen. Er heiratet die hübsche Architektin Evelyn (Hayley Atwell) und wird Vater der aufgeweckten Madeleine (Bronte Carmichael). Nach seinem Dienst im Zweiten Weltkrieg bekommt Christopher Robin eine leitende Stellung in einer Reisekofferfabrik. Aber seine Angestellten müssen schon bald in Angst leben. Schließlich laufen die Geschäfte schleppend. Deshalb wird Christopher Robin von seinem fiesen Chef Gilles Winslow (Mark Gatiss) damit beauftragt, einen Plan zur Kosteneinsparung zu entwickeln. Notfalls würde man einige Mitarbeiter entlassen.

Einen solchen Plan zu entwickeln, braucht Zeit. Deshalb muss der ohnehin überarbeitete Christopher Robin den lange ersehnten Wochenendausflug zu seinem Elternhaus in Sussex absagen. Groß ist die Enttäuschung von Frau und Tochter. Doch während die beiden alleine verreist sind, geschieht etwas sehr Merkwürdiges: Winnie Puh taucht vor den Augen seines alten Kindheitsfreundes auf. Der Plüschbär braucht dringend Hilfe. Kann er doch im Hundertmorgenwald seine Freunde nicht mehr finden. Ob Christopher Robin will, oder nicht, er muss mit Winnie Puh auf die Suche gehen!

Mit der Ankunft im Hundertmorgenwald gewinnt der von dem deutsch-schweizerischen Regisseur Marc Foster inszenierte Märchenfilm ungemein an nostalgischem Reiz. Natürlich bestach bis dorthin „Christopher Robin“ mit der sorgfältigen Wahl von Kulissen, Ausstattung und Kostümen. Schließlich entführen die Bilder des Kameramanns Matthias Koenigswieser in ein London, das mit all seinem Leben in den Straßen ungemein großstädtisch wirkt. Trotzdem beeindruckt die Vielfalt, mit der die Natur des Waldes gezeigt wird, durch den Christopher Robin und Winnie Puh ziehen, um einiges mehr. Über all den Wiesen, Feldern und Bäumen liegt ein geheimnisvoller Nebel, der sämtliche Farben eintrübt. Aber es ist nicht nur die gedämpfte Farbigkeit des Filmes, sondern zunächst auch die Erzählung der Drehbuchautoren Alex Ross Perry und Allison Schroeder, die leicht melancholisch stimmt. Zwar hellen sie die Stimmung des Zuschauers im Kino immer wieder durch witzige Dialoge auf. Meist jedoch bestimmen nachdenkliche, ja kluge Worte deren Inhalte. In diesem Sinne entwickelt sich „Christopher Robin“ gar nicht zu dem vielleicht erwarteten Familienfilm. Mitunter könnten Kinder unter 12 Jahren sogar Schwierigkeiten haben, für die Handlung größeres Interesse zu entwickeln, zumal die Szenen im Hundertmorgenwald keineswegs temporeich inszeniert sind.

Wirkliche Spannung kommt erst auf, als die Geschichte auf ihr Ende zusteuert. Davor hat der Zuschauer jedoch einiges über das Innenleben von Christopher Robin erfahren und durch die gar nicht mal so dummen Fragen von Winnie Puh entdeckt, warum dieser Mensch so unglücklich ist. Wie sollte solch ein Erwachsener seiner Familie etwas anderes als Kummer bereiten können? In der Tat erstaunt es, mit welcher Unaufdringlichkeit Ewan McGregor die Tragik seiner Figur glaubhaft macht. Noch mehr jedoch berührt es, in welch reizvollem Kontrast er als Christopher Robin mit den sorgfältig entworfenen Stofftierfiguren steht. Diese erscheinen in ihrer überaus gelungenen Animation so, als gäbe es sie auch in der Wirklichkeit. Sehenswert

In diesen Kinos

Frankfurt: Cinestar, E-Kinos (D+E), Metropolis (D+E). Sulzbach: Kinopolis (D+E). Limburg: Cineplex. Offenbach: Cinemaxx. Hanau: Kinopolis. Mainz: Cinestar

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