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Deutschland-Inzidenz sinkt weiter: Doch vor Pfingsten droht jetzt Chaos

  • Moritz Bletzinger
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Acht von 16 Bundesländern in Deutschland sind unter die Inzidenz-Marke von 100 gerutscht. Für die Corona-Regeln bedeutet das ein großes Durcheinander.

München - Rheinland-Pfalz und Bremen gesellen sich nach aktuellen Zahlen (Stand 9. Mai, 9.45 Uhr) des Robert-Koch-Instituts* nun zu Schleswig-Holstein, Niedersachen, Hamburg, Berlin, Brandenburg und Mecklenburg-Vorpommern.

Corona: Acht von 16 Bundesländern unter wichtiger Inzidenz-Marke - 183 Landkreise hoffen auf Lockerungen

In acht der 16 deutschen Bundesländer liegt die 7-Tage-Inzidenz* jetzt unter 100. Insgesamt 183 Landkreise von 412 sind unter die wichtige Marke gerutscht. Damit werden Lockerungen der Corona*-Regeln vielerorts möglich. Die Bundes-Notbremse kann in den Kreisen mit niedrigen Fallzahlen ausgesetzt werden.

Für die Einwohner ist das einerseits erfreulich, andererseits beginnt damit aber auch das große Durcheinander. Wo gelten nun welche Regeln?* Fährt man nur wenige Kilometer, können die geltenden Corona-Maßnahmen teilweise komplett anders aussehen. Beispiele gibt es genug. Der Landkreis Goslar (Inzidenz 41,8) etwa liegt zwischen Northeim (111,1), Wolfenbüttel (107,8), Salzgitter (156,3) und Harz (132,7) sowie Göttingen (67,5) und Hildesheim (65,6). Nur zwei angrenzende Landkreise sind also ebenfalls unter der Inzidenz von 100.

Corona-Regeln: Deutschland ist ein Flickenteppich - große Unterschiede vor Pfingsten

Strenge Corona-Regeln hier. Gelockerte Verordnungen da. Deutschland ist ein Flickenteppich. Auch auf größerer Ebene zeigt sich das. Eine einheitliche Strategie gibt es in den Bundesländern nicht.

Besonders deutlich wird das beim Blick auf Gastronomie und Tourismus. Betreiber und Urlaubswillige blicken vor den Pfingstferien gespannt auf die Entwicklung. Und müssen genau aufpassen. Einen eigenen Überblick können Sie sich über unsere interaktive Karte verschaffen.

Urlaub in Deutschland: An den Bodensee geht es wohl nur in Bayern - ans Meer in Schleswig-Holstein

Am Bodensee darf ab dem 21. Mai Urlaub gemacht werden, wenn die Inzidenz weiterhin stabil bleibt. Aber nur auf der bayerischen Seite. Baden-Württemberg ist sich da nämlich noch nicht einig. Die Landesregierung diskutiert derzeit über die Einführung von Modellregionen und einem damit einhergehenden Öffnungskonzept.

Ähnlich ist es am anderen Ende der Republik. In Schleswig-Holstein dürfen Touristen ab dem 17. Mai wieder ans Meer. In Mecklenburg-Vorpommern bleiben aber sogar die Campingplätze zu - die Hotels erst recht. Niedersachsen lässt nach aktuellem Stand überhaupt keine Urlauber zu. Nur Einheimische dürfen an die Küste.

Inzidenz-Wirrwarr in Deutschland: NRW bläst Modellprojekte ab - Rheinland-Pfalz macht erste Öffnungsschritte

Dass die Fallzahlen trotz geringer Kilometer-Entfernung weit auseinander liegen können, zeigt sich auch im Westen. Nordrhein-Westfalen beendete wegen hoher Inzidenzen bereits Modellprojekte. Zeitgleich ist im benachbarten Rheinland-Pfalz jetzt Urlaub in Ferienwohnungen und auf dem Campingplatz möglich.

FDP-Chef Christian Lindner* forderte in der Bild am Sonntag eine bundesweite Strategie. Er will sich am Kurs in Schleswig-Holstein orientieren. „Schleswig-Holsteins Öffnungsstrategie ist ein Modell für ganz Deutschland“, sagt Lindner, „mit Hygienekonzepten sollten Handel, Gastronomie, Hotellerie, Kultur- und Sporteinrichtungen außerhalb der Hotspots jetzt die Türen für Kunden und Gäste aufmachen dürfen.“

Weitreichende Lockerungen in Deutschland? Lindner fordert Strategie - Spahn und Merkel sprechen über Urlaub

Am Rande bemerkt Lindner, was die Lage in Deutschland derzeit so kompliziert macht. Lokal unterscheiden sich die Corona-Fallzahlen eben teils erheblich. Bundesland Thüringen kann sich mit einer Inzidenz von 180 wohl wenig von Schleswig-Holstein (50) abschauen. Regel-Durcheinander und Unterschiede lassen sich so kaum vermeiden, will man den Orten mit niedrigen Inzidenzen die Öffnungen nicht verbieten.

Einen „Alltag, so wie er vorher war“ kündigte Gesundheitsminister Jens Spahn nun an. Und auch Angela Merkel* sinniert über Urlaub. Doch Pfingsten kommt wahrscheinlich einfach noch zu früh für flächendeckende Lockerungen. Kanzlerin und Minister haben eher den Sommer im Blick. Dann, prophezeit Merkel, werde Urlaub in der ganzen EU* vermutlich möglich sein. Über die aktuellen Regeln in Schleswig-Holstein, Hamburg und Niedersachsen, berichtet auch 24hamburg.de*. *Merkur.de und 24hamburg.de sind ein Angebot von IPPEN.MEDIA.

Rubriklistenbild: © Michael Reichel/dpa

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