Merkel besucht das RKI-Museum in Berlin: Die Kanzlerin steht neben Gesundheitsminister Jens Spahn in einem Raum mit Exponaten und hört RKI-Chef Lothar Wieler zu.
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Kanzlerin Angela Merkel mit Gesundheitsminister Jens Spahn (l.) und RKI-Chef Lothar Wieler bei einem Besuch des RKI-Museums im Juli

Vor allem unter jungen Erwachsenen

Corona-Impfquote in Deutschland: RKI gesteht „gewisse Unsicherheit“ ein

Die Höhe der Impfquote gegen Corona wird in Deutschland womöglich unterschätzt. Fachleute vermuten mehrere Ursachen.

Berlin - Ist die Impfquote in Deutschland womöglich höher als angenommen? Bei der Interpretation von Daten gibt es laut Robert Koch-Institut (RKI)* eine „gewisse Untersicherheit“. Mehrere Überlegungen legten nahe, dass die Meldungen im „Digitalen Impfquotenmonitoring“ (DIM) die Quoten vermutlich unterschätzen, geht aus einem RKI-Report hervor.

Vor allem unter jungen Erwachsenen und Erwachsenen im mittleren Alter könnten demnach schon mehr Menschen eine erste Impfung erhalten haben als offiziell verzeichnet.

Corona-Impfquote in Deutschland: Unsicherheiten beim Dashboard?

Das DIM speist sich aus Meldungen von Impfzentren, Krankenhäusern, mobilen Impfteams und mittlerweile auch Betriebsmedizinern, laut RKI fließen zudem Daten der niedergelassenen Ärzte und Privatärzte ein. Zusammen sind sie Grundlage für das sogenannte Impfdashboard. Daneben gibt es noch eine weitere RKI-Erhebung namens Covimo, für die Impfquoten anhand von Befragungen hochgerechnet werden.

In der jüngsten Covimo-Erhebung von Ende Juni bis Mitte Juli unter rund 1000 Erwachsenen hat sich laut Report eine Diskrepanz zum DIM ergeben. Die Quote der mindestens einmal Geimpften fiel dabei „um einiges höher“ aus, besonders in der Altersgruppe der 18- bis 59-Jährigen: Während in der Befragung 79 Prozent angaben, geimpft zu sein, waren es laut Meldesystem 59 Prozent. Die Autoren des Reports schreiben, die tatsächliche Impfquote liege voraussichtlich zwischen den Werten beider Quellen.

„In Bezug auf die Impfquoten zu vollständig Geimpften lag hingegen kein wesentlicher Unterschied vor“, heißt es im Report. Eine gewisse Untererfassung in solchen Überwachungssystemen gilt für Fachleute auch als erwartbar.

RKI-Bericht zu Corona-Impfquote in Deutschland: Fachleute vermuten Einflussfaktoren

Es werden verschiedene Erklärungsansätze angeführt. Ein Punkt ist die Erfassung der Impfungen mit Johnson & Johnson*, bei denen nur eine Dosis für den vollen Schutz vorgesehen ist. Vertragsärzte meldeten diese Immunisierungen ausschließlich als zweite Impfdosen, zudem sei keine Zuordnung von Impfstoff und Altersgruppe möglich, erläutert das RKI. Inzwischen ist in den DIM-Daten ein Hinweis zu finden, dass die Impfquoten der mindestens einmal geimpften Erwachsenen nach Altersgruppe „systematisch zu niedrig ausgewiesen“ werden.

Im Report heißt es darüber hinaus, dass bisher nur etwa die Hälfte der beim Meldesystem registrierten Betriebsärzte Impfungen über die Webanwendung meldeten. „Dies könnte ein Hinweis auf eine Untererfassung der Impfquoten durch DIM sein.“

Die RKI-Fachleute diskutieren weitere denkbare Einflussfaktoren: etwa potenzielle Verzerrungen in der Befragung, die zu einer Überschätzung der Quote führen könnten. So sei etwa anzunehmen, dass Menschen, die Impfungen* befürworten, eher mitmachen als Verweigerer.

Auch Menschen ohne ausreichende Deutschkenntnisse hätten nicht an den Interviews teilnehmen können. Für beide Aspekte geben die Autoren aber zu bedenken, dass dann auch bei den vollständig Geimpften eine größere Abweichung zwischen den Quellen hätte auftreten müssen.

RKI meldet neue Corona-Zahlen für Deutschland: Inzidenz steigt auf mehr als 25

In dem Bericht zur Befragung heißt es, dass demnach 91,6 Prozent impfbereit oder bereits geimpft seien. „Die Covid-19-Impfbereitschaft der Bevölkerung liegt auf einem hohen Niveau.“

Die bundesweite 7-Tage-Inzidenz* bei den Corona-Neuinfektionen ist erneut gestiegen und liegt nun bei 25,1. Wie das RKI am Mittwochmorgen, wurden binnen 24 Stunden 4996 Neuinfektionen sowie 14 weitere Todesfälle im Zusammenhang mit dem Coronavirus verzeichnet. Vor einer Woche hatte die Inzidenz noch bei 18,5 gelegen.

Ethikrat-Vorsitzende Buyx sieht keine versteckte Corona-Impfpflicht in Deutschland

Die Abschaffung kostenloser Corona-Schnelltests ist nach Ansicht der Vorsitzenden des Deutschen Ethikrates, Alena Buyx, keine versteckte Impfpflicht: „Das ist keine Impfpflicht, auch nicht durch die Hintertür“, sagte sie am Dienstagabend im „ZDF“. Sie sagte weiter: „Eine Impfpflicht beinhaltet, dass man insgesamt sanktioniert wird, wenn man nicht geimpft ist - unabhängig davon was man macht“.

Tatsächlich seien nach den Beschlüssen von Bund und Ländern vom Dienstag beispielsweise Restaurantbesuche auch für Ungeimpfte bei Nachweis eines negativen Testergebnisses möglich. Außerdem bestehe die Alternative, nicht ins Restaurant zu gehen. Eine echte Impfpflicht gäbe es dagegen für die Masern-Impfung, so Buyx.

Ethikrat-Vorsitzende Alena Buyx (Archivbild)

MPK mit Kanzlerin Merkel beschließt strengere Regeln für Ungeimpfte

Bundeskanzlerin Angela Merkel* (CDU) und die Regierungschefinnen und -chefs der Länder hatten zuvor beschlossen, dass die kostenlosen Corona-Bürgertests am 11. Oktober abgeschafft werden. Wer sich dann noch testen lässt, muss selbst zahlen.

Auf die noch nicht Geimpften kommen ab 23. August verschärfte Testvorschriften zu: Sie müssen dann einen negativen Test vorlegen, um als Besucher in Krankenhäuser und Altenheime zu kommen, um in Restaurants oder Kneipen zu dürfen oder ins Kino, zum Friseur oder zum Sport im Innenbereich. Antigen-Schnelltests dürfen höchstens 24 Stunden, PCR-Tests höchstens 48 Stunden alt sein.

Das Ziel der Regierung ist es, mehr Menschen zur Impfung zu bewegen. (AFP/dpa/frs)*Merkur.de ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA

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