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AfD klagt gegen die Maskenpflicht im Bundestag

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In Berlin gilt von Samstag an eine nächtliche Sperrstunde und ein Verbot von Treffen. Unterdessen klagt die AfD gegen die Maskenpflicht im Bundestag.

  • Das Coronavirus breitet sich weiter weltweit aus.
  • Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) berät am Montag über Corona-Regeln.
  • Bei einer Feier in Berlin stecken sich viele Menschen mit dem Coronavirus an.

+++ 13:20 Uhr: Die AfD kündigt an, gegen die Maskenpflicht im Bundestag vor Gericht ziehen. Bundestagspräsident Wolfgang Schäuble hatte die Pflicht am Montag (05.10.2020) verkündet und ab dem Folgetag angeordnet. Laut des Abgeordneten Stephan Brandner wolle die AfD „klären“, ob der Bundestagspräsident berechtigt dazu sei, Abgeordnete im Parlament zum Tragen eines Mund-Nase-Schutzes zu verpflichten.

Laut AfD-Mann Brandner sei der Nutzen der Maske entgegen der einhelligen Meinung führender Experten „höchst umstritten“. Da „keine pandemische Lage“ bestehe, würde Abstand zu anderen Menschen ausreichen, behauptet Brandner. Es solle sich schützen, wer wolle, es sei jedoch „unverhältnismäßig“, alle „unterschiedslos“ zu verpflichten.

Update vom Mittwoch, 07.10.2020, 11.15 Uhr: Berlins Gesundheitssenatorin Dilek Kalayci (SPD) hat die neuen Verschärfungen im Kampf gegen die Corona-Pandemie verteidigt. „Es ist jetzt Schluss mit Partys und privaten Treffen, es ist jetzt Abstand angesagt“, sagte Kalayci im RBB-Inforadio. „Die Lage in Berlin ist ernst, und da trägt jeder Einzelne Verantwortung.“

Auf die Lockerung der Beschlüsse ab dem 31. Oktober wollte Kalayci sich nicht festlegen. Maßgebend sei das Warnsystem, die Berliner Corona-Ampel. Sollte sich die Disziplin weiter nicht verbessern, sei „mit weiteren Verschärfungen“ zu rechnen, sagte die Gesundheitssenatorin.

Ernste Corona-Lage in der Berlin: Senatorin verteidigt die Entscheidungen

Die neuen Regeln gelten zunächst bis Ende Oktober. Wenn sich die Disziplin nicht verbessere, müsse man mit weiteren Verschärfungen rechnen, sagte Kalayci. „Jetzt ist einfach Abstand angesagt. Die Winterzeit ist eine sehr gefährliche Zeit.“

Die Berliner FDP-Fraktion hatte kritisiert, der Senat lasse sich von einer Minderheit auf der Nase herumtanzen. Wenn man Maßnahmen nicht durchsetzen könne, mache eine weitere Verschärfung keinen Sinn. Kalayci sagte zu der Kritik, man habe die Pandemie anfangs ausbremsen können. „Aber jetzt merken wir, dass die Disziplin nachgelassen hat, gerade bei jungen Menschen.“ Auch eine Minderheit könne sehr gefährlich sein, wenn sie sehr mobil sei und viele andere anstecke. Kalayci verwies auch auf Bußgeldregelungen.

Dilek Kalayci verteidigt die Corona-Maßnahmen in Berlin.

Corona-Sperrstunde: Bars, Kneipen, Kioske und Restaurant bleiben in Berlin von 23 bis 6 Uhr geschlossen

+++ 19.30 Uhr: Aufgrund von rasant steigenden Corona-Infektionszahlen in Berlin hat der Senat der Hauptstadt neue Beschränkungen beschlossen. So gilt ab Samstag zwischen 23 und 6 Uhr eine „Sperrstunde“ für alle Orte, „wo man Alkohol kaufen könnte“, so Dirk Behrendt (Grüne), Justizsenator Berlins, nach einer Sondersitzung des Senats am Dienstag (06.10.2020).

Die Corona-Sperrstunde gelte beispielsweise für Restaurants, Bars, Supermärkte und die in Berlin beliebten „Spätis“, also auch nachts geöffnete Kioske. Eine Ausnahme stellen Tankstellen dar, die zwischen 23 und 6 Uhr weiterhin geöffnet bleiben, allerdings keinen Alkohol verkaufen dürfen.

Zusätzlich zur „Sperrstunde“ gilt im besagten Zeitraum ein „Zerstreuungsgebot“ im öffentlichen Raum in Berlin. Treffen, die beispielsweise auf öffentlichen Plätzen oder in Parks stattfinden, müssen Corona-bedingt um 23 Uhr beendet werden. Damit sich möglichst alle Berlinerinnen und Berliner an die neuen Beschränkungen halten, würden diese verschärft kontrolliert, wie der Regierende Bürgermeister von Berlin, Michael Müller (SPD), ankündigt.

Auch im privaten Bereich verschärft Berlin die Corona-Regeln

Auch im privaten Bereich gelten verschärfte Bestimmungen. Dort dürften sich ab Samstag nur noch zehn Personen beziehungsweise die Mitglieder von zwei Haushalten treffen. Bisher waren Gruppen von in geschlossenen Räumen 25 und im Freien 50 Personen zugelassen. Müller nennt die Maßnahmen „erhebliche Eingriffe“, die nötig seien, um einen kompletten Lockdown Berlins aufgrund der Corona-Pandemie noch zu verhindern.

Die neuen Auflagen gelten zunächst bis zum 31. Oktober. Müller bittet die Berlinerinnen und Berliner darum, „Mithilfe in jedem Lebensbereich“ zu leisten. Grund für die verschärften Auflagen ist der Anstieg der Corona-Fallzahlen in Berlin. Vier von zwölf Bezirken melden eine Überschreitung der kritischen Schwelle von 50 Fällen je 100.000 Einwohner innerhalb von sieben Tagen.

Markus Söder sieht Corona in Berlin „am Rande der Kontrollierbarkeit“

+++ 14.20 Uhr: Bayerns Ministerpräsident Markus Söder (CSU) fordert möglichst einheitliche Quarantäne-Regeln aller Bundesländer für Reisende aus innerdeutschen Corona-Hotspots. Dazu werde es am Mittwoch (07.10.2020) eine Schalte der Chefs der Staatskanzleien der Länder geben, kündigte Söder an. Dies werde Bayern abwarten. „Ich fände eine einheitliche Regelung in Deutschland sicherlich gut“, betonte Söder. Er verwies aber darauf, dass es in den bayerischen Corona-Regularien schon jetzt die Möglichkeit gäbe, ein Beherbergungsverbot für Reisende aus Corona-Hotspots zu erlassen - „außer man testet sich frei“.

Markus Söder für einheitliche Quarantäne-Regelungen für innerdeutsche Reisen

Angesichts der steigenden Corona-Infektionszahlen etwa in Berlin haben Schleswig-Holstein und Rheinland-Pfalz Einreisebeschränkungen mit Quarantäneregeln und Pflichttests für Reisende aus innerdeutschen Hotspots festgelegt. „Es spricht viel dafür, diese Regelung von Schleswig-Holstein und auch Rheinland-Pfalz auch in Bayern anzuwenden“, sagte Söder. Es solle aber zunächst versucht werden, zu einer „national halbwegs verbindlichen Sprachregelung“ zu kommen.

„Das wäre auch für die Bürger am Besten“, betonte Söder und warnte vor einem neuen „Flickenteppich“. Man brauche auf jeden Fall bis zum Beginn der Herbstferien in den anderen Bundesländern eine einheitliche Sprachregelung. Es gebe aber derzeit noch „große Diskussionen“ über das weitere Vorgehen.

Markus Söder: „Corona in Berlin am Rande der Nicht-mehr-Kontrollierbarkeit“

Außerdem rief Söder die Verantwortlichen in der Bundeshauptstadt zu einem entschiedeneren Kampf gegen die steigenden Berliner Corona-Zahlen auf. „Mir macht die Berliner Situation ausdrücklich Sorgen. Ich befürchte, das ist am Rande der Nicht-mehr-Kontrollierbarkeit“, sagte er.

Söder verwies darauf, dass München es mit verschärften Anti-Corona-Maßnahmen geschafft habe, den Anstieg der Infektionszahlen zu bremsen. Dazu zählten etwa eine zeitweilige Maskenpflicht in Teilen der Innenstadt und zeitweilige strengere Kontaktbeschränkungen. Man könne nur „dringend raten“, solche Maßnahmen zu ergreifen, sagte Söder Richtung Berlin.

Kampf gegen Corona in Deutschland: Zulassungsprozess für Impfstoff von Mainzer Unternehmen startet

+++ 11.15 Uhr: Der vom Mainzer Unternehmen Biontech entwickelte Corona-Impfstoffkandidat geht in den Zulassungsprozess. Die europäische Arzneimittelbehörde EMA werde den Wirkstoff BNT162b2 in einem sogenannten Rolling-Review-Verfahren prüfen, teilten Biontech und das Pharma-Unternehmen Pfizer, das die Entwicklung unterstützt, mit. Bei diesem Verfahren werden Daten aus der klinischen Prüfung fortlaufend eingereicht und bewertet.

Die Entscheidung der EMA, das Verfahren zu beginnen, basiere auf den ermutigenden vorläufigen Daten der präklinischen sowie frühen klinischen Studien bei Erwachsenen. Biontech ist damit das erste deutsche Unternehmen und mit AstraZeneca das zweite insgesamt, das bei der EMA für diesen Prozess zugelassen wurde.

Derzeit wird der Impfstoff bereits in einer klinischen Studie der Phase II/III geprüft. In dieser Phase wird die Wirksamkeit weiter geprüft und die passende Dosierung ermittelt. Bis dato seien 37.000 Teilnehmer in die Studie eingeschlossen, 28.000 hätten bereits die zweite Impfstoff-Dosis erhalten, heißt es in der Mitteilung. Mehr als 120 Studienzentren weltweit seien beteiligt, unter anderem in den USA, Brasilien, Südafrika und Argentinien.

Das Unternehmen „Biontech“ aus Mainz ist bei der Zulassungsprüfung für einen Corona-Impfstoff vorne mit dabei.

Karl Lauterbach: Präsenzunterricht an Schulen kann zum Superspreadingevent für Corona werden

Update vom Dienstag, 6. Oktober, 9.15 Uhr: Der SPD-Gesundheitsexperte Karl Lauterbach warnt aufgrund des Coronavirus vor dem Präsenzunterricht an Schulen. „Der Präsenzunterricht kann zum Superspreadingevent im Herbst und Winter werden“, so der 57-Jährige gegenüber der Rheinischen Post. Um die Corona-Pandemie einzudämmen, rät er, einen Teil der Schüler morgens und den anderen mittags zu unterrichten, um das Ansteckungsrisiko mit Corona zu verringern. Zudem dämpft Lauterbach die Hoffnung auf einen schnellen Impfstoff gegen das Coronavirus. „Es ist nicht zu erwarten, dass wir im kommenden Jahr Kinder und Jugendliche impfen können“.

Maskenpflicht aufgrund des Coronavirus gilt nun auch im Bundestag

+++ 18.48 Uhr: Aufgrund der Corona-Pandemie gilt jetzt auch im Bundestag Maskenpflicht. Ab Dienstag (06.10.2020) gilt im deutschen Bundestag eine Pflicht zum Tragen des Mund-Nasen-Schutzes. Die Parlamentsverwaltung erklärt: „Der Bundestagspräsident hat sich entschieden, eine allgemeine Maskenpflicht im Parlament anzuordnen, weil die Entwicklung der Sars-CoV2-Pandemie weiterhin sehr ernst zu nehmen ist.“ Zunächst sie die Anordnung befristet bis zum 17. Januar.

Maskenpflicht im Bundestag: Bundestagspräsident Wolfgang Schäuble greift durch.

Maskenpflicht im Bundestag gilt wegen Corona

Teile Berlins überschreiten aktuell den kritischen Wert von 50 Corona-Neuinfektionen je 100.000 Einwohner in sieben Tagen. Oberhalb dieser Grenze gilt eine Gemeinde als innerdeutsches Risikogebiet. Im Bundestag gilt die Maskenpflicht nun „für alle Räume, einschließlich des Plenarsaals, der Sitzungssäle und Besprechungsräume, sowie für alle Verkehrsflächen und Aufzugsanlagen der Gebäude.“ Den Fraktionen wird dringend empfohlen, dass sie entsprechende Regelungen auch in ihren Räumlichkeiten erlassen und befolgen.

Die Maske kann im Bundestag abgelegt werden, wenn sich die Parlamentarierinnen und Parlamentarier in einem Sitzungs- oder Besprechungsraum oder im Plenarsaal befinden, vorausgesetzt, mindestens 1,50 Meter Abstand können eingehalten werden. Rednerpult und an den Saalmikrophonen dürfen Rednerinnen und Redner die Maske ablegen, das gilt auch für das Präsidium, das die Sitzung leitet.

Abgeordnete des Bundestags, die ein Attest gegen die Maske haben, können Visiere tragen

Abgeordnete, die mit einem ärztlichen Attest belegen können, dass ihnen das Tragen einer Maske nicht zumutbar ist, könnten laut Bundestags auf ein Visier ausweichen.

+++ 15.08 Uhr: Die Bundesregierung hat erneut zur Wachsamkeit wegen steigender Corona-Infektionszahlen in Deutschland aufgerufen. „Die Dynamik nimmt zu“, sagte Regierungssprecher Steffen Seibert am Montag in Berlin. Es sei nötig, sehr aufzupassen. Ziel sei weiterhin, die Fallzahlen so niedrig zu halten, dass die Gesundheitsämter Ketten von Infizierten nachvollziehen und unterbrechen könnten. Seibert verwies darauf, dass es aktuell in einigen Regionen und Ballungsräumen wie etwa in manchen Bezirken Berlins „kritische Werte“ von mehr als 50 Neuinfektionen pro 100.000 Einwohnern binnen sieben Tagen gibt.

Kanzlerin Angela Merkel trifft sich mit Corona-Kabinett – Keine Beschlüsse gefasst

Kanzlerin Angela Merkel (CDU) kam am Montag erneut mit zuständigen Ministern im Corona-Kabinett zusammen. Beschlüsse seien nicht gefasst worden, sagte Seibert. Vorbereitet wurden demnach aber geplante Neuregelungen zu Tests und Reiserückkehrern aus dem Ausland, die Bund und Länder Ende August grundsätzlich vereinbart hatten.

Die Bundesregierung erläuterte, dass für die konkrete Ausgestaltung von Quarantäne-Vorgaben die Bundesländer jeweils eigene Regeln treffen. Dies gelte auch für innerdeutsche Reisen von Risikogruppen.

Karl Lauterbach (SPD) zu Corona-Lage: „Bald ist ganz Deutschland Risikogebiet“

+++ 13.13 Uhr: Der SPD-Gesundheitsexperte Karl Lauterbach erwartet, dass in Kürze ganz Deutschland die Kriterien des Robert-Koch-Instituts für ein Risikogebiet erfüllt. Gegenüber dem „Tagesspiegel“ sagte er: „Ich gehe davon aus, dass wir die Zahl von 50 Neuinfektionen pro 100.000 Einwohner pro Woche sehr bald in vielen Regionen in Deutschland überschreiten werden.“

Vor diesem Hintergrund zweifelt Lauterbach auch an der Sinnhaftigkeit innerdeutscher Quarantäneregelungen. Denn bald werde ganz Deutschland ein Risikogebiet sein. „Ob man dann reist oder nicht, wird kaum noch einen Unterschied machen.“ Lauterbach plädierte auch deshalb für strengere bundesweite Corona-Maßnahmen statt regionaler Quarantäneregelungen. Er plädierte im „Tagesspiegel“ für eine Obergrenze von 25 Personen für private Feiern sowie eine Maskenpflicht auf öffentlichen Plätzen.

Immer mehr Neuinfektionen in Deutschland: Merkel berät über neue Corona-Regeln

+++ 11:02 Uhr: Während im Nachbarland Frankreich schärfere Corona-Maßnahmen die exponentielle Ausbreitung des Coronavirus stoppen sollen, sind die Corona-Regeln in Deutschland noch vergleichsweise moderat - trotz steigender Neuinfektionen.* Dies könnte sich allerdings bald ändern. Heute Mittag möchte Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) über das Pandemie-Geschehen in Deutschland mit den zuständigen Fachministern beraten.

Bei dem Termin soll es vor allem um die Umsetzung der Beschlüsse des jüngsten Bund-Länder-Gipfels zur Eindämmung der Corona-Pandemie gehen. Auch mögliche neue Einreiseregelungen stehen auf der Agenda. Für Rückkehrer aus Risikogebieten soll ab Mitte Oktober eine neue Quarantäneregelung gelten. Bislang ist geplant, dass die Quarantäne durch einen Test erst ab dem fünften Tag nach der Rückkehr beendet werden kann.

Corona in Deutschland: Mehr als 80 Infizierte in Schlachtbetrieb – Unternehmen gehört zu Tönnies

+++ 22.14 Uhr: In einem Seniorenwohn- und Pflegeheim in Marxzell (Kreis Karlsruhe) haben sich 18 Bewohner und zehn Mitarbeiter nachweislich mit dem Coronavirus infiziert. Einer der Bewohner sei gestorben, teilte der Kreis Karlsruhe am Sonntagabend mit. Nun würden alle weiteren Bewohner und Mitarbeiter getestet.

„Das Infektionsgeschehen beschränkt sich bisher auf einen Wohnbereich, in dem 20 Seniorinnen und Senioren leben. Hinweise, dass sich die Infektion weiter in dem Heim verbreitet, gibt es bislang nicht“, sagte der stellvertretende Leiter des Gesundheitsamtes, Ulrich Wagner. Es müsse aber mit weiteren schweren Krankheitsverläufen gerechnet werden.

Mehr als 80 Infizierte in Schlachtbetrieb – Unternehmen gehört zu Tönnies

Update vom Sonntag, 04.10.2020, 18.31 Uhr: In einem Fleischbetrieb in Sögel (Niedersachsen) ist es zu einem großen Coronavirus-Ausbruch gekommen. Mittlerweile wurden 81 Beschäftigte des betroffenen Schlachthofes Weidemark positiv auf Corona getestet. Weidemark gehört zum Tönnies-Konzern, dort hatte es im Juni einen massenhaften Corona-Ausbruch gegeben.

Frisch geschlachtete Schweine hängen in einem Kühlhaus des Fleischunternehmens Tönnies.

Um eine weitere Ausbreitung des Coronavirus einzudämmen, gibt es eine neue Allgemeinverfügung für die Samtgemeinde Sögel. Zusammenkünfte im öffentlichen und im privaten Raum sind ab sofort mit maximal 6 Personen erlaubt; diese Grenze gelte auch für Betriebe in Gaststätten pro Tisch, wie der Landkreis Emsland am Sonntag mitteilte.

Corona in Deutschland: Zahlreiche Infizierte nach Feier in Berliner mit hunderten Gästen

Update vom Samstag, 03.10.2020, 08.20 Uhr: Bei einer Feier mit hunderten Gästen im Berliner Bezirk Tempelhof-Schöneberg haben sich nach Angaben der Senatsgesundheitsverwaltung gut 30 Menschen mit dem Coronavirus angesteckt. Die Zahl schwanke zwischen 31 und 33 Infizierten, sagte ihr Sprecher Moritz Quiske der Deutschen Presse-Agentur. Noch ist unklar, ob es sich um eine Hochzeitsfeier handelte. Dazu sagte Quiske: „Das ist noch nicht gesichert.“

Die Feier fand dem Sprecher zufolge bereits am 21. September statt. Da die Infektionen im Bezirk Neukölln gemeldet worden seien, sei anzunehmen, dass die Teilnehmer der Feier vor allem dort wohnen. Das zuständige Gesundheitsamt des Bezirks habe eine Teilnehmerliste übermittelt bekommen. Ob sie allerdings vollständig ist, blieb zunächst offen. Da die Feier inzwischen fast 14 Tage zurückliegt, ist die Quarantänezeit fast abgelaufen.

Neukölln weist nach dem aktuellen Corona-Lagebericht (Freitag, 12.00 Uhr) der Gesundheitsverwaltung mit insgesamt 1978 Corona-Infizierten seit Beginn der Pandemie die zweithöchste Zahl nach dem Bezirk Mitte (2455) auf.

Bundesregierung erklärt neue Corona-Risikogebiete

Update vom Freitag, 02.10.2020, 18.21 Uhr: Die Bundesregierung hat ganz Schottland sowie Teile Englands und weite Teile der Niederlande zu Corona-Risikogebieten erklärt. Die Risikoliste des Robert Koch-Instituts (RKI) wurde am Freitag entsprechend aktualisiert. Es wird erwartet, dass das Auswärtige Amt für alle diese Gebiete noch im Laufe des Abends eine Reisewarnung ausspricht.

Nach Angaben des RKI ist nach dem neuesten Stand die gesamte Niederlande mit Ausnahme der Provinzen Zeeland und Limburg betroffen. In England sind die Regionen North West, North East und Yorkshire and the Humbers nun aus deutscher Sicht Risikogebiete.

Kleinwalsertal in Österreich nicht mehr als Corona-Risikogebiet eingestuft

Zudem gelten in Österreich das Kleinwalsertal und die Gemeinde Jungholz nicht mehr als Corona-Risikogebiete. Die Enklaven, die nur von Bayern aus erreichbar sind, meldeten in den vergangenen Tagen keine einzige neue Corona-Infektion. Eine Online-Petition mit mehr als 10.500 Unterstützern hatte deshalb Ausnahmeregeln gefordert.

Die Ausweisung zum Risikogebiet und die in aller Regel darauf folgenden Reisewarnungen bedeuten zwar kein Reiseverbot, sollen aber eine möglichst große abschreckende Wirkung auf Touristen haben. Das Gute für den Urlauber: Er kann eine bereits gebuchte Reise stornieren, wenn sein Ziel zum Risikogebiet erklärt wird. Das Schlechte: Rückkehrer aus den Risikogebieten müssen sich testen lassen und in Quarantäne, bis das Ergebnis da ist.

Fast 10 Millionen Euro - Enorme Kosten durch Corona-Ausbruch bei Tönnies

Update vom Freitag, 2. Oktober, 17.15 Uhr: Die Reaktion auf den Ausbruch bei der Fleischfabrik Tönnies im Sommer hat enorme Kosten verursacht. Mehr als 1000 Mitarbeiter hatten sich mit Corona infiziert und rund 100.000 Personen ließen sich im Verlauf des Ausbruchs auf das Coronavirus testen. Geschäftsführer Clemens Tönnies erklärte damals, das Unternehmen stehe in voller Verantwortung. Wie viel, der entstanden 9,6 Millionen Euro, das Unternehmen tasächlich übernehmen wird, ist noch unklar.

Landrat Sven-Georg Adenauer (CDU) will nun prüfen, ob Tönnies zumindest für einen Teil der durch den Corona-Ausbruch entstandenen Kosten aufkommen muss, berichtet der WDR. Einklagen könne der Kreis Gütersloh die Kosten vermutlich nicht, sagte Rechtsanwalt Volker Küpperbusch dem WDR. Schadensersatz wird Tönnies daher vermutlich lediglich freiwillig zahlen.

Corona-Ausbruch bei Tönnies: Fast 10 Millionen Euro Kosten

Die Stadt Verl hat bereits eine Rechnung an Tönnies geschickt. Das Unternehmen hat dort einen Teil der Kosten für die Corona-Quarantänemaßnahmen übernommen. Eine Summe von 100.000 Euro steht jedoch noch aus. Ein Sprecher des Unternehmens sagte am Donnerstag, Tönnies werde weitere Kosten übernehmen.

Deutscher Corona-Impfstoff zum Test an Menschen zugelassen

Erstmeldung vom Freitag, 2. Oktober, 14.49 Uhr: Die Corona-Pandemie nimmt weiter ihren Lauf. Weltweit hat das Virus mehr als 34 Millionen Menschen infiziert, eine Million überlebten die Infektion nicht. Niemand ist vor der Infektion komplett geschützt: Selbst Donald Trump, der mächtigste Mann der Welt, gab bekannt, positiv auf das Corona-Virus getestet zu sein.

Der Wettlauf um einen Impfstoff ist in vollem Gange, Wissenschaftler und Mediziner suchen nach einem Impfstoff. Die Nation, die als Erstes das so dringend benötigte Vakzin findet, erlangt eine mehr als vorteilhafte politische Position im umkämpften Weltgeschehen. Aus dem Wettlauf um den Impfstoff ist unlängst auch ein Spionagekrieg geworden.

Auch Deutschlands Forschung ist durch die Suche nach dem Impfstoff gegen Corona geprägt. Das Paul-Ehrlich-Institut, das für die Zulassung von Impfstoffen in Deutschland zuständig ist, will einem neuen, vielversprechenden Kandidaten eine Chance geben. Das Mittel basiert auf einem 30 Jahre alten Pocken-Impfstoff. In präklinischen Modellen zeigte der Kandidat erste Erfolge, das Immunsystem reagierte wie gewünscht und eine erste Schutzwirkung konnte nachgewiesen werden. Entwickelt wurde der Impfstoff vom Deutschen Zentrum für Infektionsforschung und der IDT Biologika GmbH.

Der mögliche Corona-Impfstoff ist ein Vektorimpfstoff, der Antikörper in den Zellen bilden soll

Der Impfstoff ist ein sogenannter Vektorimpfstoff. Die Basis für solche Impfstoffe bilden gut erforschte und meist harmlose Viren, deren Genom zusätzlich Informationen der Corona-Virus-Proteine enthält. In diesem Fall leitet sich der Impfstoff vom Pocken-Vakzin „Modifizierter Vakzinia Ankara“ (MVA) ab. Das Antigen, das eine Ansteckung verhindern soll, wird nach der Injektion von den Zellen der geimpften Personen selbst produziert. Diese Form der Impfstoffe hat große Erfolge im Schutz vor Ebola erzielen können. Eine andere Form des Impfstoffes sind sogenannte Passiv-Impfungen, bei denen Antikörper nicht selbst vom Patienten gebildet, sondern zugeführt werden. Deutsche Wissenschaftler erlangten hierbei kürzlich einen großen Fortschritt.

Neuer Corona-Impfstoffkandidat wird an Menschen getestet

Durch die Zulassung kommt der Impfstoff jetzt in die Phase-1-Prüfung. 30 gesunde Erwachsene im Alter zwischen 18 und 55 Jahren sollen den Impfstoff bei zwei Sitzungen im Abstand von vier Wochen verabreicht bekommen. Parallel wird die Bildung von Antikörpern und T-Zellen gemessen und mit den Immunreaktionen von genesenen Corona-Infizierten verglichen.

Was macht das Paul-Ehrlich-Institut (PEI)?

Das PEI ist als Bundesinstitut für Impfstoffe und biomedizinische Arzneimittel eine Bundesbehörde für den Geschäftsbereich des Bundesministeriums für Gesundheit (BMG). Es ist für die Zulassung von Medikamenten und Impfstoffen zuständig. Etwa 800 Mitarbeiter erforschen und bewerten biomedizinische Human-Arzneimittel und immunologische Tierarzneimittel im Standort Langen bei Frankfurt. Außerdem berät das PEI die Bundesregierung und Länder in Forschungsfragen, international ist es unter anderem in der WHO, der Europäischen Kommission und dem Europarat aktiv.

1896 übernahm Medizin-Nobelpreisträger Paul Ehrlich die Direktion des neu gegründeten Instituts für Serumforschung und Serumprüfung in Steglitz. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde es nach ihm benannt und der Standort nach Langen verlegt.

Das Paul-Ehrlich-Institut geht davon aus, dass in den nächsten Monaten noch weitere Studien zu Corona-Impfstoffen beginnen werden. Insgesamt sollen laut der WHO weltweit 41 präventive und spezifisch gegen das Corona-Virus entwickelte Impfstoffe an Probanden getestet werden. (Von Sebastian Richter)

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