Coronavirus

Corona in Niedersachsen: Fehlende Impfbereitschaft? – Das sind die Bedenken der Pflegekräfte

  • vonSebastian Richter
    schließen

Pflegekräfte gehören zu den ersten Menschen in der Bevölkerung, die eine Corona-Impfung erhalten. Doch viele wollen das gar nicht. Das sind ihre Befürchtungen. 

  • Im Vergleich zu anderen Bundesländern wollen sich in Niedersachsen weniger Pflegerinnen und Pfleger impfen lassen
  • Eigentlich gehören Pflegekräfte zu der ersten Gruppe, die eine Corona*-Impfung erhalten sollen.
  • Durch Aufklärung und Information sollen Pflegerinnen und Pfleger von einer Impfung überzeugt werden.

Niedersachsen – Die Impfkampagne gegen das Coronavirus hat begonnen. Laut dem Konzept sollen Pflegekräfte in Alten- und Seniorenheimen zu den Ersten gehören, die eine Impfung erhalten können. Allerdings zögern einige von ihnen – aus verschiedenen Gründen.

Eine hohe Impfbereitschaft zeige sich bei den Bewohnern der Alten- und Pflegeheime in Niedersachsen. Laut der Diakonie liegt sie bei 80 bis 95 Prozent. Das sei vor allem durch das hohe Alter der Senioren zu erklären. Die Bewohner seien im Durchschnitt 86 bis 87 Jahre alt, sagte Frank Pipenbrink, Referent Pflege beim Diakonischen Werk evangelischer Kirchen in Niedersachsen. „Da ist im Falle einer Covid-19-Erkrankung die Sterblichkeit besonders hoch.“ Demnach haben die Senioren besondere Angst vor einem schweren Verlauf einer Coronainfektion.

Impfbereitschaft bei Pflegekräften der Diakonie in Niedersachsen ähnlich wie in der Gesamtbevölkerung

Laut der Diakonie wollen sich 60 bis 70 Prozent der Pflegekräfte in niedersächsischen Seniorenheimen gegen Covid-19 impfen lassen. 10 bis 15 Prozent lehnen eine Impfung ab, wie Rückmeldungen aus verschiedenen Einrichtungen zeigen. „Es gibt viele Skeptiker und viele, die erst einmal abwarten möchten*“, sagte Pipenbrink. Allerdings unterscheiden sich diese Zahlen nicht von anderen Berufsgruppen.

Da die Impfbereitschaft unter den Pflegekräften geringer als die der Heimbewohner* ist, denken Politiker über eine Imagekampagne mit Personen aus dem öffentlichen Leben nach. Auch in der Pflegekammer Niedersachsen werden Möglichkeiten gesucht, die Impfbereitschaft zu erhöhen. Durch umfassende und transparente Aufklärung sollen skeptische Pflegekräfte überzeugt werden.

Eine solche Kampagne hat bereits bei der Grippeschutzimpfung im Herbst 2020 die Impfbereitschaft unter Pflegepersonal erheblich steigern können. Noch betrachten viele den Impfstoff misstrauisch, sie sind skeptisch, ob mögliche Nebenwirkungen ausreichend erforscht seien. „Auch diese Sorgen und Bedenken gilt es ernst zu nehmen“, sagte eine Sprecherin der Pflegekammer Niedersachsen.

Impfung bei Pflegekräften: Bei der Bremer Heimstiftung zögerten Viele

In einigen Heimen der Bremer Heimstiftung habe es anfänglich nur eine Impfquote von 30 bis 40 Prozent gegeben. Viele Pflegekräfte warten mit der Impfung ab, sagte Pflegedirektorin Susanne Brockmann. Allerdings seien diese Mitarbeiter keine grundsätzlichen Impfgegner. Die meisten wollen nur abwarten, wie andere den neuen Impfstoff* vertragen. „Das sind die Bedenken, die viele in der Bevölkerung auch haben“, sagte Brockmann. Sie rechne aber damit, dass sich auch die zögerlichen Pflegekräfte bald impfen lassen.

Die Corona-Impfung ist noch ziemlich neu. Viele Pflegekräfte in Niedersachsen sind skeptisch, ob nicht doch noch Nebenwirkungen auftreten und warten mit der Impfung noch ab. (Symbolbild)

Auch beim katholischen Hilfswerk Caritas in Niedersachsen hält man Aufklärung für den richtigen Weg, um noch vorhandenen Skepsis und Unsicherheit zu überwinden. Erk Kosel, der die Alten- und Pflegearbeit koordiniert, spricht von bis zu 95 Prozent des Personals, die sich in Heimen der Caritas gegen Corona impfen lassen wollen. In anderen seien es dagegen zwischen 50 und 70 Prozent. Für verlässliche Aussagen sei es aber noch zu früh. „Es ist eine freiwillige Impfung, die Gründe werden vor Ort nicht erfragt“, sagte Kosel.

Verpflichtende Corona-Tests für Mitarbeiter – Appell an den Berufsethos

Patientenschützer fordern im Hinblick auf die geringe Impfbereitschaft des Pflegepersonals verpflichtende Corona-Tests für alle Pflegekräfte – zu jedem Schichtantritt. „Um die Pflegebedürftigen angesichts der niedrigen Impfbereitschaft beim Personal ausreichend zu schützen, brauchen wir eine Testpflicht für Pflegekräfte“, sagte der Vorstand der Deutschen Stiftung Patientenschutz, Eugen Brysch, dem „RedaktionsNetzwerk Deutschland“ am Donnerstag (07.01.2021).

Bund und Länder haben in ihrem Beschluss festgelegt, mehr Personal für Tests in Pflegeheimen zur Verfügung zu stellen. So sei eine Testpflicht auch praktisch umsetzbar, so Brysch. Pflegekräfte schleppten das Virus oft von außen ein, ohne es zu wissen. Es dürfe nicht sein, dass durch sie die Pflegebedürftigen gefährdet würden.

Der Pflegebevollmächtigte der Bundesregierung, Andreas Westerfellhaus, richtet einen moralischen Appell an die Pflegekräfte. Zum Berufsethos jeder Pflegekraft gehört, alles zu tun, um den ihnen anvertrauten Menschen nicht zu schaden. Und momentan kann eben nur durch die Impfung sichergestellt werden, dass sich das Virus nicht weiter ausbreiten kann“, sagte er dem Redaktionsnetzwerk. „Eine generelle Impfpflicht gibt es nicht, aber Pflegekräfte sollten sie aufgrund ihres Berufsethos als solche empfinden.“

Nachweis des Infektionsschutz könnte Pflegekräfte überzeugen

Der Schutz der Bewohner könnte die Impfbereitschaft tatsächlich erhöhen, wie auch der Bundesverband privater Anbieter sozialer Dienste (bpa) glaubt. Dazu müsste aber sicher nachgewiesen werden, dass von geimpften Personen keine Infektionsgefahr mehr ausgeht. Derzeit gelten für Geimpfte alle Hygieneregeln nach wie vor, sie müssen weiterhin FFP2-Masken tragen. (Sebastian Richter mit Agenturen)

Rubriklistenbild: © Thomas Frey/dpa Pool/dpa/Symbolbild

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare