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Das „ZDF heute journal“ zeigt Bilder von einem ausgebuchten Lufthansa-Inlandsflug - trotz Coronakrise. (Screenshot „ZDF heute journal“)

Fliegen in Zeiten von Corona?

Von wegen Mindestabstand: Passagiere bei Lufthansa-Flug dicht an dicht

Es kursieren Bilder von eng gedrängten Passagieren auf einem Inlandsflug der Lufthansa. Das entspricht eigentlich nicht den Coronavirus-Regelungen, auf die sich Bund und Länder geeinigt haben. Abstand halten sieht anders aus.

  • Voll besetzter Inlandsflug bei der Lufthansa - kein Schutz, kein Mindestabstand trotz Coronakrise
  • Es gibt keine rechtliche Regelung für den Innenraum von Flugzeugen 
  • Auch das „Nicht-Fliegen“ wegen der Coronavirus-Pandemie führt bei Lufthansa-Passagieren zu Problemen

Frankfurt – Deutschland ist im Ausnahmezustand. Seit Bund und Länder sich am Sonntag (22.03.2020) auf ein weitreichendes Kontaktverbot zur Eindämmung des Coronavirus verständigt hatten, sind vielerorts die Straßen wie leer gefegt. 

Restaurants, Cafés und die meisten Geschäfte bleiben geschlossen. Jeder ist bedacht darauf, möglichst viel Abstand zu seinen Mitmenschen zu halten. Doch das ist nicht überall möglich. 

Trotz Coronavirus: Bilder eines Lufthansa-Fluges zeigen dicht gedrängte Passagiere

Das „ZDF heute journal“ zeigte am Montagabend (23.03.2020) Bilder von einem Inlandsflug der Lufthansa. Das Flugzeug ist bis zum letzten Platz besetzt - trotz Coronavirus und der damit einhergehenden Leitlinien zur Eindämmung. 

Das „ZDF heute journal“ zeigt Bilder von einem ausgebuchten Lufthansa-Inlandsflug - trotz Coronakrise. (Screenshot „ZDF heute journal“)

Dazu kommt, dass die Passagiere nach der Landung in überfüllten Bussen zum Terminal gebracht würden. Hätte man sich also nicht schon im Flieger bei seinem Sitznachbarn mit dem Coronavirus infiziert, hätte man hier noch einmal die Chance, dicht gedrängt mit anderen Lufthansa-Passagieren zusammenzustehen. Ohne Mindestabstand, ohne Schutz. So soll es laut der neuen Regelungen zum Kontaktverbot* eigentlich nicht mehr aussehen. 

Coronavirus: Abstand halten in Lufthansa-Flugzeug oder Bus ist schwer machbar

Die Lufthansa sei auch nicht die einzige Fluggesellschaft, bei der die Flüge teilweise noch voll besetzt sind. Und im öffentlichen Nahverkehr herrscht ein ähnliches Problem. Als noch das Zusammenkommen von bis zu fünf Personen im öffentlichen Raum erlaubt war - seit Montag (23.03.2020) sind es nur noch maximal zwei Personen - hatte der hessische Ministerpräsident Volker Bouffier erklärt, wenn jetzt eine sechste Person in einen Bus steigen würde, müsse sie nicht wieder aussteigen. Doch zur Eindämmung des Coronavirus gilt: mindestens 1,5 Meter Abstand einhalten. In einem voll besetzten Flugzeug - oder Bus - ist das allerdings nicht machbar. 

Coronavirus-Pandemie bei der Lufthansa: Viele Flüge bleiben leer oder am Boden 

Im Netz scheinen aber einige Bilder die Hoffnung zu wecken, dass es nicht immer so aussieht.  So veröffentlichte ein User ein Foto aus einem Lufthansa-Flugzeug, auf dem rund um ihn herum keine anderen Passagiere sitzen. 

Auch die Lufthansa teilte auf Nachfrage mit, dass voll besetzte Flugzeuge nach deren Wahrnehmung eher weniger zu finden seien. Insgesamt hat die Lufthansa bereits 95 Prozent aller Flüge gestrichen. Die meisten Flieger bleiben also am Boden und einige der verbliebenen offenbar so gut wie leer, sodass Fluggäste in der Regel leicht Abstand halten können. 

Dazu, wie die genaue Auslastung der einzelnen Flüge ist, liegen der Lufthansa Group noch keine Erfahrungen vor. Thomas Jachnow, Sprecher der Lufthansa betont: „Ab heute bieten wir als Lufthansa nur noch 230 Flugverbindungen pro Woche! Das Ganze ist  ein dynamischer Prozess, wo wir wahrscheinlich eher nie eine Routine erreichen werden können.“

Lufthansa: „Das Risiko, sich auf einem Flug mit dem Coronavirus zu infizieren ist extrem gering“

Die Airline reagierte auf die Bilder und rechtfertigte die Aufrechterhaltung der Transporte auf Instagram damit, dass sie ein Filtersystem zur Luftreinigung in den Maschinen der Lufthansa Group Airlines hätte, die dem eines OP-Saals gleiche. 

Thomas Jachnow erklärt: „Die gesamte Rezirkulationsluft wird gefiltert und von Verunreinigungen wie Staub, Bakterien und Viren aus der Kabinenluft gesäubert. Dies betrifft zirka 40 Prozent – der Rest kommt als Frischluft von außen hinzu.“ Zusätzlich fände die Luftströmung in einem Flugzeug grundsätzlich von oben nach unten, nicht horizontal statt. 

Sicherheitsvorkehrungen der Lufthansa Group in der Coronakrise

Die Lufthansa stehe aktuell in engem Austausch mit den zuständigen Behörden und sei auf verschiedene, mögliche Szenarien vorbereitet. Ein Sprecher erklärte, dass auch für die Mitarbeiter Vorkehrungen getroffen wurden, um die Ansteckungsgefahr so gering wie möglich zu halten. Sowohl den Crews an Bord der Maschinen als auch den Mitarbeitern an ausgewählten Flughäfen stehen Mundschutzmasken zur Verfügung. 

Grundsätzlich wird Passagieren und Mitarbeitern empfohlen, die gängigen Hygienemaßnahmen anzuwenden, die auch beispielsweise für die Erkältungssaison gelten. 

Außerdem erklärte Herr Jachnow, dass die Lufthansa Group klare Verfahren für Verdachtsfälle von Infektionskrankheiten auf Flugreisen hat. Unabhängig vom aktuellen Coronavirus, würden in solchen Fällen konkrete Maßnahmen eingeleitet werden, wie die Isolation des betroffenen Passagiers, hygienische Händedesinfektion, Anwendung persönlicher Schutzausrüstung und nach Rücksprache mit den Medizinischen Diensten sofortige Information der Behörden am Zielflughafen.

Coronakrise bei der Lufthansa: Kaum ein Durchkommen bei der Service-Hotline

Doch auch die, die nicht fliegen, beschweren sich im Netz über massive Probleme bei der Lufthansa. Lange Wartezeiten oder gar kein Durchkommen an der Service-Hotline. Langsame Rückerstattungen, Probleme mit Umbuchungen.  

Die Nachfrage ist riesig. Die Lufthansa hat auf ihrer Website die wichtigsten Informationen zur Gültigkeit der Tickets nach der Coronakrise zusammengestellt. Das Unternehmen bittet darum, sich nur telefonisch mit der Airline in Verbindung zu setzen, wenn es sich um einen Flug in den nächsten 72 Stunden handelt. 

Alle neuen Informationen von der Lufthansa und dem Flughafen Frankfurt zur Coronavirus-Pandemie gibt es in unserem News-Ticker*. 

Von Isabel Wetzel

Aufgrund der Bedeutung der Lufthansa für Frankfurt hat der Oberbürgermeister der Stadt jetzt gefordert, die Airline zu verstaatlichen.

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