Fast alles wieder erlaubt

Baden-Württemberg hängt Bayern bei den Corona-Lockerungen ab - das gefällt vielen überhaupt nicht

  • Marleen van de Camp
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Coronavirus in Baden-Württemberg ist nicht gleich Coronavirus in Bayern. Da Stuttgart fast alles wieder erlaubt, könnten bayerische Paare ihre Hochzeit ins Nachbar-Bundesland verlegen - so die Befürchtung.

  • Coronavirus in Baden-Württemberg ist anders als Coronavirus in Bayern – zumindest im Gesetz.
  • Die Landesregierung in Stuttgart hat viele Lockerungen ab Juni beschlossen, insbesondere für Hochzeiten und andere private Feiern.
  • Die Lockerungen in Baden-Württemberg machen Hotels und Gaststätten in Bayern Angst.

Stuttgart/München - Coronavirus in Baden-Württemberg (BW24* berichtete) ist nicht gleich Coronavirus in Bayern, zumindest was die Regelungen in den Landesgesetzen angeht. Was in Baden-Württemberg möglich ist, geht im Nachbarland Bayern noch lange nicht. Größere private Feiern wie Geburtstage und Hochzeiten sind in Baden-Württemberg unter bestimmten Auflagen wieder erlaubt, während sich in Bayern bisher nur zwei Haushalte miteinander treffen dürfen.

Hoteliers und Gaststättenbetreiber aus Bayern fürchten, dass ihnen Buchungen für Feiern entgehen, weil beispielsweise bayerische Paare ihre Hochzeit nach Baden-Württemberg verlegen, wie die dpa berichtet. Hochzeiten und andere private Feiern mit bis zu 100 Gästen sind trotz Coronavirus in Baden-Württemberg* schon seit dem 1. Juni wieder erlaubt.

Coronavirus in Baden-Württemberg: Bayern fürchtet, dass Paare ihre Hochzeit im Nachbarland planen

Inhaber von Hotels und Gaststätten demonstrieren gegen die Schließung wegen des Coronavirus.

Da in Baden-Württemberg die Zahl der Neuinfektionen mit Covid-19 stetig sinkt und die Reproduktionszahl unter dem kritischen Wert von 1 liegt, werden die Maßnahmen zum Infektionsschutz immer weiter gelockert. Die bisher wohl überraschendste Corona-Lockerung in Baden-Württemberg (*) trat zum 9. Juni in Kraft. Seitdem dürfen sogar Bars und Kneipen wieder öffnen, wie die Landesregierung von Baden-Württemberg auf ihrer Website bekannt gab. Auch eine Hochzeit ist seitdem in Baden-Württemberg wieder offiziell in größerem Rahmen möglich.

Zwar dürfen große Feiern in Baden-Württemberg wegen des Coronavirus bisher nur in Restaurants und anderen Event-Locations stattfinden, es müssen strenge Hygieneregeln eingehalten und die Kontaktdaten aller Gäste zur Nachverfolgung angegeben werden. Doch trotzdem gehen die Corona-Lockerungen in Baden-Württemberg weit über die Lockerungen in Bayern hinaus. 

Dehoga Baden-Württemberg: Fairer Wettbewerb mit Bayern trotz Coronavirus wichtig

Hochzeitstourismus“ nennt der Hotel- und Gaststättenverband (Dehoga) von Bayern das Schreckgespenst, dass er wegen der Coronavirus-Lockerungen im Nachbarland Baden-Württemberg fürchtet, laut dpa. Zwar sagte der Dehoga-Landesgeschäftsführer Thomas Geppert, die Vorsicht der bayerischen Regierung sei „durchaus richtig“, er warnte jedoch gleichzeitig davor, dass die Menschen ihre Hochzeit und andere größere Feiern dort planen werden, wo es möglich ist.

Für die Betreiber von Hotels und Gaststätten in Bayern sei mehr Planbarkeit darum dringend notwendig. Gerade im Vergleich zu Baden-Württemberg, wo trotz des Coronavirus Feiern mit bis zu 99 Personen - also auch eine größere Hochzeit - wieder erlaubt seien, habe Bayern einen Nachteil.

„Hochzeitstourismus aus Bayern“ habe man wegen des Coronavirus in Baden-Württemberg bisher nicht festgestellt, sagte ein Sprecher des hiesigen Hotel- und Gaststättenverbands. Der bayerische Kollege habe aber im Grundsatz recht: „Gleiche Wettbewerbsbedingungen für Betriebe in benachbarten Bundesländern“ seien wichtig.

*BW24 ist Teil des Ippen-Redaktionsnetzwerks

Rubriklistenbild: © Fabian Strauch/dp

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