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Dortmund: 16-Jähriger stirbt durch Schüsse aus Polizei-Maschinenpistole - Kritik wird laut

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Trauer-Blumen und Kerzen erinnern an den Tod eines 16-jährigen Jugendlichen.
Trauer-Blumen und Kerzen erinnern an den Tod eines 16-jährigen Jugendlichen. © Dieter Menne/dpa

Nach dem tödlichen Polizeieinsatz in Dortmund ist klar: der 16-Jährige wurde von fünf Schüssen aus einer Polizei-Maschinenpistole getroffen. Nun ermittelt die Polizei.

Update vom 10. August, 20.18 Uhr: Zwei Tage ist es her, dass ein 16-Jähriger in Dortmund von einem Polizisten erschossen wurde. Auch am Mittwoch war bei den Ermittlungen noch vieles unklar. Der zuständige Oberstaatsanwalt Carsten Dombert sagte dazu: „Das ist ohne Frage ein sehr sensibles Verfahren“. Es erfordere deshalb einen sorgfältigen Umgang. Am Mittwoch bestätigte die Staatsanwaltschaft, dass sich der 16-Jährige kurz vor dem Einsatz selbst in eine Psychiatrie begeben hatte.

16-Jähriger in Dortmund erschossen: Fall wird heftig diskutiert

Im Zentrum der Diskussion steht zum einen die Frage nach der Notwendigkeit eines Einsatzes von einer Maschinenpistole und zum anderen die Herkunft des getöteten Jugendlichen. Bei dem 16-Jährigen handelte es sich um einen unbegleiteten Flüchtling aus dem Senegal, der nicht gut Deutsch gesprochen haben soll. Ob das beim Einsatzgeschehen eine Rolle spielte, muss noch ermittelt werden.

Am Mittwochabend gab es in Dortmund deshalb eine Demonstration aus dem linken Spektrum, auf der mehrere Hundert Menschen gegen das Vorgehen der Polizei protestierten. Auf Plakaten hieß es „Das war Mord“ und „Wer kontrolliert die Polizei?“. In der Kritik stand dabei unter anderem die Tatsache, dass die Polizei einen schwarzen Jugendlichen erschoss. Oberstaatsanwalt Dombert sagte dazu, dass es keine Hinweise darauf gebe, dass die Hautfarbe des 16-Jährigen beim Einsatz eine Rolle gespielt habe. „Und ich möchte auch annehmen, dass das aus Sicht der Polizei keine Rolle spielt.“

Mehrere hundert Demonstranten demonstrieren vor der Polizeiwache Nord gegen den Tod des Jungen.
Nach den tödlichen Schüssen der Polizei auf einen 16-Jährigen protestieren mehrere hundert Demonstranten vor der Polizeiwache Nord gegen den Tod des Jungen. © Roberto Pfeil/dpa

Dortmund: Kritik an Maschinenpistolen und Übernahme des Falls durch andere Polizei

Weiterer Kritikpunkt an dem Einsatz ist zum einen die Notwendigkeit einer Maschinenpistole. Deren Einsatz sei „überhaupt nicht nachvollziehbar“, sagte der Bochumer Kriminologe Thomas Feltes. Es mache demnach sehr wohl einen Unterschied, wenn elf Polizisten mit einer automatischen Waffe auftreten. Bei einem Menschen, der vor allem kein Deutsch verstehe, würde es auf ihn wie ein Angriff wirken. Das NRW-Innenministerium teilte mit, dass auf kurze Distanzen bei Messerangriffen die Gefahr lebensgefährlicher Verletzungen für Polizisten sehr wahrscheinlich sei, weshalb der Gebrauch von Schusswaffen hier das einzige Mittel zur Abwehr sei.

In dem Fall ermittelt aktuell die Polizei Recklinghausen. Dies sei aus „Neutralitätsgründen“ der Fall. Kritisiert wird hier jedoch, dass die Dortmunder Polizei gleichzeitig einen Fall in Recklinghausen übernommen hat, bei dem ebenfalls ein Mann nach einem Einsatz gestorben war. Der Deutsche Anwaltverein (DAV) forderte deshalb die Einrichtung unabhängiger Beschwerdestellen.

Erstmeldung vom 9. August: Tödlicher Einsatz in Dortmund - 16-Jähriger durch fünf Schüsse aus Polizei-Maschinenpistole getroffen

Dortmund - Die Schüsse auf den nach einem Polizeieinsatz gestorbenen 16-Jährigen sind aus einer Maschinenpistole eines Polizisten abgefeuert worden. Der Jugendliche sei laut dem vorläufigen Obduktionsbefund von fünf Schüssen getroffen worden, sagte der zuständige Oberstaatsanwalt Carsten Dombert am Dienstag. Zuvor hatte die Bild über den Einsatz einer Maschinenpistole berichtet.

Tödlicher Einsatz in Dortmund: 16-Jähriger durch fünf Schüsse aus Polizei-Maschinenpistole getroffen

Laut Dombert wurden sechs Projektilhülsen gefunden, also sind wohl sechs Schüsse abgegeben worden. Die Schüsse trafen den 16-Jährigen am Montag in Dortmund demnach in den Bauch, in den Kiefer, in den Unterarm und zweimal in die Schulter. Laut Polizei hatte der Jugendliche bei dem Einsatz die Beamten mit einem Messer angegriffen. Es seien elf Polizisten vor Ort gewesen, einer von ihnen habe die Schüsse aus der Maschinenpistole abgegeben, sagte Oberstaatsanwalt Dombert. Er werde zunächst - wie in solchen Fällen üblich - als Beschuldigter geführt. Es gehe um den Anfangsverdacht der Körperverletzung mit Todesfolge.

Tatort in Dortmund
Ein 16-Jähriger ist am Montag in Dortmund durch mehrere Schüsse von Polizisten tödlich verletzt worden. © Markus Wüllner/ Video-Line TV /dpa

Die Polizei in Nordrhein-Westfalen verwendet Maschinenpistolen vom Typ MP5 von Heckler und Koch. Frank Schniedermeier aus dem Vorstand der Gewerkschaft der Polizei NRW sagte, es gebe regelmäßig Schießtrainings mit allen bei der Polizei eingesetzten Waffen.

Die Polizei war am Montagnachmittag zu einem Innenhof zwischen einer Kirche und einer Jugendhilfeeinrichtung im Dortmunder Norden gerufen worden. Dort soll der 16-Jährige seit kurzer Zeit betreut worden sein. Laut Oberstaatsanwalt rief einer der Betreuer die Polizei, weil er den Jugendlichen mit einem Messer sah. Seine genaue Motivation müsse noch geklärt werden, es stehe unter anderem Suizidalität im Raum. Laut Polizei starb er am Montag nach den Schüssen bei einer Notoperation im Krankenhaus. Mit den Ermittlungen ist aus Neutralitätsgründen die Recklinghausener Polizei betraut.

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