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Was opulent glitzert und sehr auf den Effekt bedacht ist, muss nicht oberflächlich sein: ?Vivid? im Friedrichstadt-Palast will den Beweis antreten.

Revuetheater

Zum ersten Mal führte eine Frau Regie im Berliner Friedrichstadt-Palast

Singende Blumen, bunte Hüte und das erste Stück einer Regisseurin: „Vivid“ im Berliner Friedrichstadt-Palast stellt existenzielle Fragen zwischen Konfetti und knappen Höschen.

Es war eine doppelte Premiere im Berliner Friedrichstadt-Palast: Als Frösche über die Bühne turnten und eine Ananas ihren blanken Hintern zeigte, startete nicht nur die neue Glitzer-Show „Vivid“. Zum ersten Mal in der Bühnengeschichte des Revuetheaters hatte mit Regisseurin Krista Monson eine Frau die Fäden in der Hand. Die geladenen Gäste bejubelten sie ebenso begeistert wie die ekstatischen Auftritte der mehr als 100 beteiligten Künstler.

Monson verbindet in „Vivid“ waghalsige Akrobatik, modernes Ballett und bunte Kostüme des irischen Hutmachers Philip Treacy zu einem grellen Bühnenfeuerwerk. Die Show erzählt die Geschichte der jungen Androidin R’eye – einer Roboter-Frau mit menschlichen Zügen. Sie bricht aus ihrem fremdgesteuerten Leben aus und begibt sich auf die Suche nach ihrer wahren Identität. Dabei trifft R’eye auf halbnackte Muskelmänner, tänzelnde Schmetterlinge und singende Blumen.

Klingt irre? Ist es auch. Aber Fans des Revuetheaters wissen: Das soll so sein. Es gibt Dinge, die dürfen sich nicht ändern. Dazu gehört die legendäre Girlreihe, bei der die Tänzerinnen synchron ihre Beine in die Luft schwingen. In jeder Show des Friedrichstadt-Palastes taucht die Tanzformation auf – und das Publikum johlt. Die Gleichberechtigung hat dann Pause: Ein bisschen Popo-Wackeln darf schon sein.

Ein wenig erinnert das Potpourri aus schwingenden Schenkeln und Existenzfragen im Höllenfeuer an Goethes Faust in einer Fassung des ZDF-Fernsehgartens. „Bescheuert“, fiel einer Zuschauerin dazu ein. Anderer Meinung war Berlins Kultursenator und stellvertretender Bürgermeister Klaus Lederer (Linke): „Da ist schon auch eine Botschaft dabei: Wenn du dein geistiges Korsett sprengst, kannst du das Leben genießen.“

Doch auch wer eine tiefgründige Aussage vermisst, kann in der kunterbunten Modenschau des irischen Haute-Couture-Hutmachers Philip Treacy ins Staunen geraten. Der Künstler und Designer, der unter anderem für Chanel, Donna Karan und Valentino arbeitete, hat schon Kopfbedeckungen für die Queen, für Lady Gaga, Emma Watson und Madonna entworfen. „Ich habe ein Vierteljahr gebraucht, um ihn zu überzeugen, aber dann hat er zugesagt“, berichtete Palast-Intendant Berndt Schmidt kurz vor der Premiere.

Auch musikalisch macht das mit zwölf Millionen Euro nicht gerade billige Spektakel Eindruck. Eine 17-köpfige Showband begleitet die Sänger live. Die Songs wurden von einem internationalen Komponistenteam geschrieben, zu dem unter anderen das Berliner Duo Arne Schumann und Josef Bach gehörte. Die beiden haben bereits mit Max Herre und Star-DJ Paul van Dyk gearbeitet.

Am Ende der ersten Aufführung stand Krista Manson mit ihrem gesamten Team auf der Bühne und ließ sich vom Premierenpublikum feiern. Gesundheitsminister Jens Spahn applaudierte dabei ebenso wie das britische Model Lady Kitty Spencer, eine Nichte von Prinzessin Diana. Und irgendwie waren sich im Konfettiregen dann doch alle einig: Ein Leben ohne Palast-Glitzer wäre ziemlich farblos.

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