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Ein Familienstreit in nordhessischen Hofgeismar-Carlsdorf ist eskaliert: Mutter und Sohn sterben - Vater ist schwer verletzt im Krankenhaus.

Familienvater hatte Notruf abgesetzt

Familiendrama im Kreis Kassel: Mutter und Sohn sterben - Betroffenheit im Ort ist groß

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Familiendrama im hessischen Hofgeismar: Mutter und Sohn sind tot. Der Vater wurde notoperiert - er schwebt nicht mehr in Lebensgefahr. Die Betroffenheit im Ort ist groß.

Update vom 16.09.2019, 22.25 Uhr - Die Betroffenheit in der Gemeinde sei sehr groß, berichtet Pfarrer Axel Nolte. Beim Gottesdienst am Sonntag in der Hofgeismarer Brunnenkirche sei an die Vorfälle gedacht worden. Das werde auch kommenden Sonntag in der Carlsdorfer Kirche so sein. „Wir können nicht so tun, als sei nichts gewesen“, sagt Nolte. Im Kirchenraum hat der Pfarrer die Möglichkeit geschaffen, dass dort Menschen ihre Gedanken schriftlich niederlegen können.

Update vom 16.09.2019, 12.15 Uhr - Nach dem Familiendrama mit zwei Toten am Freitagmittag im Hofgeismarer Ortsteil Carlsdorf hat die Staatsanwaltschaft Kassel die Ermittlungen übernommen. Was genau in dem Einfamilienhaus in der Straße „Am Schützenplatz“ passiert ist, bleibt unklar. 

Der 62-jährige Mann, der am Freitag notoperiert werden musste, konnte laut Polizeisprecher Matthias Mänz noch nicht vernommen werden. Von ihm erhoffen sich die Ermittler entscheidende Informationen zum Tatgeschehen. Er schwebte gestern nicht mehr Lebensgefahr. 

Die Leichen der 60-jährigen Frau und des 32-jährigen Sohnes sind bereits obduziert worden. Dies habe jedoch keine wesentlichen neuen Hinweise ergeben, sagt Mänz. Beide starben an Verletzungen, die mit einem Messer zugefügt wurden. Die Staatsanwaltschaft spricht von Stich- und Schnittwunden.

Deren Sprecher Andreas Thöne bestätigt auch, dass der 62-jährige Familienvater noch selbst den Notruf abgesetzt und dabei eine körperliche Auseinandersetzung „Unter Einsatz eines Messers“ gemeldet habe.

Nach dem Familiendrama: Vereinsleben im Ort steht still

Als Reaktion auf die Geschehnisse will der TSV Carlsdorf sein für den 19. Oktober geplantes Oktoberfest absagen, wie der Vorsitzende Rudolf Wenzel bestätigt. Die betroffene Familie sei in das Vereinsleben involviert gewesen. Am Wochenende wurde bereits das Kreisliga-A-Spiel gegen den SV Espenau verschoben. „Momentan steht alles still“, sagt Wenzel, „das wird jetzt alles seine Zeit brauchen“

Update vom 15.09.2019, 11.30 Uhr - Nach dem Familiendrama mit zwei Toten im Hofgeismarer Stadtteil Carlsdorf am Freitag liegt ein 62-jähriger Mann noch im Koma, wie die Polizei am Sonntag mitteilte. 

Daher habe er zu den Geschehnissen noch nicht vernommen werden können. Der Mann, dessen Frau und Sohn infolge eines Streits durch „spitze und scharfe“ Gewalt tödlich verletzt worden waren, war am Freitagnachmittag notoperiert worden. Erkenntnisse über Auslöser und Hergang des Vorfalls sind bislang nicht bekannt. Die Polizei ermittelt weiter.

Update vom 13. 09.2019, 17.46 Uhr - Eine 60-Jährige Frau erlag noch vor Ort ihren Verletzungen, ihr 32-jähriger Sohn starb im Krankenhaus, wie die Polizei mitteilt. Der Vater erlitt lebensbedrohliche Verletzungen.

Ein beteiligtes Familienmitglied setzte Notruf ab

Über den Notruf war gegen 11.10 Uhr gemeldet worden, dass es in einem Haus in der Straße „Am Schützenplatz“ im Hofgeismarer Ortsteil Carlsdorf zu körperlichen Auseinandersetzung innerhalb einer dort wohnenden Familie gekommen sein soll. Der Notruf sei offenbar noch von einem beteiligten Familienmitglied abgesetzt worden. Von wem genau, wollte Polizeisprecher Matthias Mänz mit Verweis auf die laufenden Ermittlungen nicht sagen. 

Nach ersten Erkenntnissen wurde bei der Tat „spitze oder scharfe Gewalt“ angewandt. Schusswaffen wurden nach ersten Erkenntnissen nicht genutzt. Alle Tatbeteiligten sollen in dem Haus im beschaulichen Ortsteil wohnen, weitere Menschen leben dort nicht. Man gehe davon aus, dass niemand weiteres in die Tat involviert sei, sagte Polizeisprecher Matthias Mänz am Freitagnachmittag wie hna.de* berichtet. 

Die Umstände der Tat sind noch vollkommen unklar - die Kriminalpolizei hat die Ermittlungen aufgenommen.

Familienstreit eskaliert - Polizei steht vor einem Rätsel

Am Tatort in Carlsdorf fand die Polizei nach ihrem Eintreffen die schwer verletzte Frau, die trotz sofortiger Behandlung von Rettungskräften vor Ort starb. Zwei weitere schwer verletzte Personen, der 62-jährige Vater und der 32-jährige Sohn, wurden mit einem Rettungshubschrauber und Rettungswagen in umliegende Krankenhäuser transportiert, wo der jüngere starb. 

Familienvater schwebt noch in Lebensgefahr

Zum Ablauf und Auslöser der Tat könne noch nichts gesagt werden, so Mänz. Der Vater sei so schwer verletzt, dass er nicht vernommen werden konnte. Laut Polizei wurde er notoperiert, sein Zustand sei weiter lebensbedrohlich, hieß es am Abend.

Tatort wurde von der Polizei versiegelt

Die Spurensicherung suchte vor Ort nach Hinweisen, aus denen sich das Tatgeschehen deuten ließe. Beamte befragten Nachbarn, das sei in einem solchen Fall natürlich obligatorisch, so Mänz. Nachdem ein Bestatter vor Ort gewesen sei, wurde der Tatort versiegelt und gelte als beschlagnahmt. Weitere Angehörige seien informiert und seelsorgerisch betreut worden.

Nach Familiendrama: Beklemmende Atmosphäre in Carlsdorf - Vor-Ort-Besuch

Eine beklemmende Atmosphäre liegt auf dem sonst recht beschaulichen Hofgeismarer Ortsteil Carlsdorf. Die Straße, in der das Haus liegt, in dem eine 60-jährige Frau und ihr 32-jähriger Sohn am Freitagvormittag tödliche und ein 62-jähriger Mann lebensbedrohliche Verletzungen erlitten, ist weiträumig durch Absperrband und Polizeiwagen abgeriegelt. 

Im Nieselregen stehen Polizeibeamte, die dafür sorgen sollen, dass niemand zum Tatort in der kleinen Stichstraße am Ortsrand kommt. Lediglich vereinzelte Pressevertreter gelangen auf die Straße, die an ihrem Ende zu einem Feldweg wird. 

Rund um den Tatort sind die Straßen wie leergefegt

Der Hauseingang wird von einem Kamerateam abgefilmt. Die Umgebung um das Haus ist ansonsten wie leergefegt. Wo sich bei Polizeieinsätzen sonst Schaulustige vor dem abgesperrten Bereich tummeln, ist hier niemand zu sehen. 

Vor der Tür des Hauses, in dem sich der Tatort befinden soll, stehen zwei uniformierte Beamte. Neben ihnen Kollegen der Spurensicherung in weißen Anzügen mit entsprechender Aufschrift, einige von ihnen tragen grüne Atemmasken. In einen blauen Sack packen sie Gegenstände. Was es genau ist, lässt sich nicht erkennen. Im Garten vor dem Haus weht an einem Fahnenmast eine Deutschlandflagge im Wind. 

Nur die Einsatzkräfte deuten an, dass hier etwas passiert ist

Wäre die Polizei nicht da, würde nichts darauf hindeuten, welche Grausamkeit sich hinter den Mauern des Hauses vor wenigen Stunden abspielte. Die Fenster im Haus sind zugezogen. Vorhänge verdecken die Sicht auf den Tatort im Inneren des Hauses. Kurz darauf lassen Polizeibeamte auch die Außenrollos herunter. Die einzigen Geräusche, die man vernimmt, ist das Klingeln eines Handys. 

Polizeipressesprecher Matthias Mänz, der ebenfalls vor Ort ist, hat viel zu tun. Eine Anfrage nach der anderen beantwortet er – immer darauf bedacht, nicht zu viel preiszugeben, um die Ermittlungen nicht zu gefährden. Denn noch ist unklar, was sich genau in dem typischen Einfamilienhaus am Ortsrand des Hofgeismarer Stadtteils abgespielt hat.

Erst vor wenigen Wochen ist ein 21-jähriger Mann in Kassel Opfer einer Gewalttat geworden. Er wurde im Kasseler Stadtteil Niederzwehren auf offener Straße erschossen.

Von Lasse Deppe

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