Eine graue Paste wird in eine Glasschale geschüttet.
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Die „Powerpaste“ des Fraunhofer-Instituts könnte die Wasserstoff-Infrastruktur revolutionieren.

Fraunhofer-Institut wandelt gefährlichen Stoff um

Revolution beim Wasserstoff: Forscher bezwingen gefährliches Gas in einer Paste

  • Zülal Acar
    vonZülal Acar
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Wissenschaftler des Fraunhofer-Instituts haben den sonst gefährlichen Wasserstoff in eine Paste verpackt, um sie als klimafreundliche Alternative zu herkömmlichen Brennstoffen zu nutzen.

München - Stellen Sie sich vor, sie müssten nach jedem leeren Tank ihres Wagens nicht zur hiesigen Tankstelle fahren, sondern könnten auf eine Kartusche zurückgreifen, die sie in das Auto einsetzen. Hört sich nicht schlecht an, oder? Schaut man sich die allgegenwärtigen Alternativen zu Brennstoffen an, gibt es nur wenige effektive. Wasserstoff wird aktuell gemeinhin als relativ emissionsarme Lösung für künftige Energien gesehen. Doch es gibt ein großes Problem bei der Sache: Wasserstoff ist hochexplosiv - in der Praxis also nicht gerade leicht einsetzbar.

Derzeit gibt es zwar durchaus mit Wasserstoff betriebene Autos in Deutschland, jedoch ist es noch schwierig, das Material auch für kleinere Fahrzeuge wie Roller als Energiequelle zu verwenden. Der erzeugte Druckstoß beim Tanken wäre zu groß, wie Business Insider berichtet. Die Speicherung von Wasserstoff in Tanks ist zudem oft sehr aufwendig.

Wasserstoff-Paste: Größere Reichweite als mit Benzin

Ein Forscherteam des Fraunhofer-Instituts hat es vor kurzem geschafft, dieses gefährliche Material in eine Paste zu pressen und die Vorteile von Wasserstoff darin zu komprimieren. Wie stern.de berichtet, haben die Wissenschaftler diese Art „Powerpaste“ auf Magnesiumbasis entwickelt. Sie soll den Wasserstoff mit der zehnfachen Energiedichte einer Lithium-Batterie speichern. Dabei wird Magnesium mit Wasserstoff bei circa 350 Grad Celsius und dem fünf- bis sechsfachen Atmosphärendruck gemischt - daraus entsteht dann das Magnesiumhydrid. Die Paste wird anschließend durch eine Beimischung von Ester und Metallsalz erzeugt und kann in Kartuschen gefüllt werden. Ein weiterer Vorteil dieser Wasserstoff-Paste ist ihre Stabilität: bis zu 250 Grad Celsius bleibt sie intakt.

Fahrzeuge, die mit der Powerpaste betrieben werden, hätten dann laut einer Pressemitteilung des Instituts eine Reichweite „vergleichbar mit - oder sogar größer als - Benzin“. Und: „Verglichen mit Batterien hat sie sogar die zehnfache Energiespeicherdichte.“ Außerdem soll die „Powerpaste“ nicht nur für Autos, sondern auch für Zustellfahrzeuge (*FNP berichtete) und sogar Drohnen anwendbar sein. Letztere könnten statt zwanzig Minuten mehrere Stunden durch die Gegend fliegen.

Wasserstoff: Deutschland will Vorbild sein

Das Prinzip der Wasserstoff-Paste basiert hierbei nicht auf der Verbrennung. Das Mittel wird aus der Kartusche heraus in eine Kammer gepresst, wobei zeitgleich Wasser beigemischt wird. Auf diese Weise findet eine kontrollierte Freisetzung des Wasserstoffs statt. Laut Mitteilung des Instituts stammt jedoch nur die Hälfte des Wasserstoffs tatsächlich aus der Paste, das Wasser steuert die andere Hälfte bei. Logistisch gesehen, ist diese Methode ebenfalls vielversprechend. Sie könnte die Wasserstoff-Infrastruktur revolutionieren. Denn der Stoff ist in seinem gasförmigen Zustand schwer zu handhaben und erfordert eine teure Infrastruktur. In der Pasten-Form hingegen benötigt es keine Wasserstofftankstellen.

Die deutsche Politik möchte in Sachen Wasserstoff-Energie weltweiter Spitzenreiter werden, wie br.de berichtet. Das Bundeskabinett hat für dieses Vorhaben der großen Koalition im Juni vergangenen Jahres eine Strategie verabschiedet, die Milliarden-Zuschüsse, rechtliche Hilfen sowie klare Produktionsziele ins Visier nimmt. *FNP ist ein Angebot von IPPEN.Media.

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