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David Bowie, gestorben 2016, gehörte ebenfalls zu Vaskes Promis.

Ausstellung

Frankfurts Museum für Kommunikation fahndet nach der Kreativität

Der Autor und Filmemacher Hermann Vaske hat zahllose Promis gefragt, weshalb sie kreativ sind. 300 Antworten sind jetzt zu sehen, nicht nur auf schnödem Papier gekritzelt.

Eine Frage, tausend Antworten – und was für verschiedene! Gesammelt in rund 30 Jahren von Künstlern, Schauspielern, Schriftstellern, Musikern, Architekten, Designern, Fotografen, Wissenschaftlern und sogar von Politikern. „Warum sind Sie kreativ?“ Auf diese kurze Frage gibt es viele nachdenkliche und aufschlussreiche, aber auch amüsante und naive oder wirre und völlig abstrus erscheinende Antworten. Sicher sind die meisten ehrlich gemeint und nach reiflicher Überlegung entstanden, vielleicht auch spontan beantwortet worden. Aber wohl nicht einfach nur schnell hingekritzelt, um seine Ruhe zu haben.

Eine gute Auswahl von etwa 300 Antworten ist jetzt im Frankfurter Museum für Kommunikation bis 4. November zu sehen. Gesammelt hat sie Hermann Vaske, der lange in der Werbebranche tätig war, auch für Saatchi & Saatchi, die berühmte Agentur in London. Vaske kam viel herum und traf Leute aus den verschiedensten Berufen. Irgendwann kam er auf die Idee, diese in vielerlei Weise kreativen Menschen zu fragen, weshalb sie einen Beruf abseits der Norm zwischen Banker und IT-Spezialist haben. Vaske selbst beantwortet die Frage verblüffend unspektakulär: „Ich bin neugierig und liebe Überraschungen. Es ist wohl mein Schicksal, um die Welt zu reisen auf der Odyssee nach weiteren Antworten.“

Allerdings ist die Ausstellung nicht fein säuberlich nach den Berufen sortiert, sondern eher assoziativ gehängt – und das tut ihr gut. Da hängt die Antwort des Ex-Fußballers Günter Netzer neben dem Zettel des Politgrafikers Klaus Staeck. Während Netzer lapidar „Die Tiefe des Raumes“ antwortet, fällt Staecks Erwiderung viel aufschlussreicher aus: „Weil es die effektivste Art ist, der Langeweile zu entgehen und die Unabhängigkeit zu bewahren.“ Andere wollen einfach nur geliebt werden wie die Schauspielerin Jasmin Tabatabai oder verweisen geheimnisvoll auf die Mutter wie der Maler und Filmemacher Julian Schnabel.

Der Filmregisseur Völker Schlöndorff hingegen geht der Sache auf den Grund mit zwei Gegenfragen: „Warum atme ich? Warum lebe ich? Alles dieselben Fragen.“ Meist schrieben die Prominenten ihre Antworten auf ein Stück Papier, bis hin zur benutzten Serviette. Boris Becker wiederum schickte Vaske einen Tennisschläger, bemalt in dicken schwarzen Buchstaben mit den Worten „No choice“, keine andere Wahl. Über die Auswahl der Gefragten mag man sich folglich etwas wundern, vom feingeistigen Denker bis zum wenig cleveren Sportler.

Noch mehr irritiert, dass etliche Politiker darunter sind, auch wenn Nelson Mandela, Michail Gorbatschow oder Richard von Weizsäcker sicher die besten Vertreter ihrer Spezies sind. Aber der 62-jährige Vaske hat die Politiker mit Bedacht gewählt: „Gerade die Politiker stehen in der Verpflichtung, kreativ zu sein, auch wenn viele das heute nicht mehr sind. Denn nur die Kreativität kann uns aus dem Schlamassel befreien.“

Vaske ist davon überzeugt, dass mit mehr Kreativität viele Probleme der Welt gelöst werden könnten. Für ihn ist die Kreativität eine wichtige Eigenschaft des Individuums: „Der Unterschied zwischen den sogenannten Kreativen und den Nicht-Kreativen ist, dass die kreativen Menschen es einfach tun“, schrieb er vor 16 Jahren, als er bereits eine kleine Auswahl seines Projekts am selben Ort in Frankfurt vorstellte.

Freilich scheint es keinen geraden Weg zur Kreativität zu geben. Denn wenn wir wüssten, wo sie herkommt, so Vaskes Hoffnung, „könnten wir sie ja auch gezielt stimulieren, um kreativer zu werden.“ Immerhin schälen sich beim Rundgang bestimmte Antriebsgründe heraus, von der Suche nach Liebe oder Anerkennung über Langeweile, Schicksal, Spiritualität, Rebellion, Zwang oder Angst bis hin zum Sexualtrieb.

Derweilen befragt Vaske weiterhin die Promis, auch in vielen Filmen: „Mein Archiv aus 1000 Gesprächen ist eine Zeitkapsel für heutige und spätere Generationen“, meint er. „Hier können sie erfahren, wie kreative Köpfe denken oder gedacht haben.“

Museum für Kommunikation

Schaumainkai 15, Frankfurt. Eröffnung am heutigen Mittwoch um 19 Uhr. Dann bis 4. November; nach dem

Museumsuferfest ist die Ausstellung vom 28. August bis 28. September

geschlossen. Öffnungszeiten:

Di bis Fr 9–18 Uhr, Sa und So

11–19 Uhr. Eintritt 5 Euro.

Katalog 20 Euro. Telefon (069) 6 06 00.

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