Ein junger Mann spricht im Interview.
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Der 23-jährige Frugalist Dominik Fecht hat ein Vermögen von mehr als 60.000 Euro angespart.

Frugalismus

23-Jähriger hat Plan, wie er mit 40 in Rente gehen kann - trotz Durchschnittsgehalt

  • Zülal Acar
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Anhänger der Frugalismus-Bewegung verzichten auf alles, was ihnen unnötig erscheint. Ihr Ziel: so viel sparen, dass sie schon mit 35 oder 40 in Rente gehen können.

Köln - Viele Menschen träumen davon, weniger zu arbeiten beziehungsweise früher in Rente gehen zu können (*FNP berichtete). Bei Anhängern des Frugalismus ist dieser Wunsch besonders ausgeprägt. Bereits als Studenten planen sie ihren Ruhestand - spätestens mit 35 bis 40 Jahren wollen sie das Arbeitsleben hinter sich lassen. Was in früheren Zeiten von anderen Generationen als spießig abgetan wurde, liegt heutzutage gewissermaßen im Trend.

Getreu dem Motto „Geiz ist geil“ teilen Frugalisten im Netz Tipps und Tricks, wie man möglichst wenig Geld ausgibt - also genügsam lebt (Englisch „frugal“) - oder aber möglichst viel davon einnimmt. Wertanlagen und Immobilien liegen dabei als Einnahmequelle weit vorne. Wer sich Frugalist nennt, will ausbrechen aus einem starren System, das mitunter auf Multiplikatoren wie beispielsweise Opferbereitschaft, Selbstausbeutung und Selbstvermarktung fußt. Bis zur Rente schwingt das Pendel unermüdlich zwischen „Work“ und „Life“. Der Frugalismus versteht sich somit als radikale Gegenbewegung zur gegenwärtigen Arbeitswelt.

Extremer Verzicht: Frugalisten sparen auch beim Essen

Seinen Ursprung hat der Trend in Kanada, wo er durch den Blogger Peter Adeney angestoßen wurde. Dieser erlangte seine finanzielle Freiheit schon im Alter von 30 Jahren. Auch in Deutschland hat er zahlreiche Menschen zum Frugalismus inspiriert - etwa den 23-jährigen Dominik Brecht.

Wie Stern TV berichtet, hat sich der Frugalist bereits in jungen Jahren ein Vermögen von mehr als 60.000 Euro angespart. Dafür hat er sich im disziplinierten Sparen geübt. Er kauft nur Dinge, die er auch wirklich benötigt. Die Konzepte Minimalismus und Frugalismus gehen dabei oft Hand in Hand. Das Ersparte hat der ehemalige Zoll-Student in Aktien und ETFs investiert.

„Diese ganzen materiellen Dinge“ würden ihn ohnehin „nicht glücklicher machen“, erzählt er im Interview mit Stern TV. Aus diesem Grund verzichtet der junge Mann, wo er kann. Einen Fernseher hat er beispielsweise nicht, seine Möbel sind aus zweiter Hand. Ein Zimmer reicht ihm für sein Leben völlig aus. Der Kölner besitzt ohnehin nicht genügend Dinge, für dessen Unterbringung er mehr Zimmer bräuchte. Manche Frugalisten schränken sich auch beim Lebensmittelkauf ein, leben von abgelaufener Kost, die sie retten oder essen nur eine oder zwei Mahlzeiten am Tag.

Doch lohnt sich dieser extreme Lebensstil überhaupt? Wirklich reich werde man vom Frugalismus nicht, warnen viele Experten wie etwa Finanztip-Chefredakteur Hermann-Josef Tenhagen. „Eigentlich muss man diesen frugalen Lebensentwurf ab 45 weiter fortsetzen - also auch dann sehr sparsam leben und das auch mit 90 Jahren noch wollen“. *FNP ist ein Angebot von IPPEN.Media.

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