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Der Benimm-Experte Prinz Asfa-Wossen Asserate diskutiert über die Kunst der Mitte.

Frankfurter Hausgespräche

Gegen die Polarisierung in der Gesellschaft

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Goethe-Haus, Haus am Dom, Stiftung Polytechnische Gesellschaft und Literaturhaus laden auch in diesem Jahr zum nachdenklichen Gespräch ein. An vier Abenden geht es um „Wechselspiele der offenen Gesellschaft“.

Wir leben in einem Zeitalter der Empörtheit. Wer am lautesten, schrillsten und extremsten auftritt, erhält am meisten Aufmerksamkeit. Dagegen scheint es nur ein Rezept zu geben: noch lauter, schriller und extremer zu sein. Wie kann man in einer Zeit, in der der mediale Echoraum der digitalen Medien jeder Banalität einen tosenden Hallraum verschafft, Maß und Mitte bewahren? Wie in einer Zeit, die immer schnellere Reaktionen verlangt, ruhig bleiben? Was hat es überhaupt auf sich mit der Mitte und den Rändern? Von wo aus definiert sich eine Gesellschaft? Mit solchen Fragen beschäftigen sich die Frankfurter Hausgespräche unter dem Thema „Zentrum und Extreme“ in diesem Jahr.

Der Auftaktabend im Goethe-Haus, neben dem derzeit das neue Romantik-Museum ersteht, geht die Chose unter dem Titel „Romantische Invektiven?“ historisch an. Am 28. Mai diskutieren der Literaturwissenschaftler Günter Oesterle und die Soziologin Sonja Engel darüber, wie man in der Epoche Romantik vor 200 und mehr Jahren mit den Extremen umging.

Es war eine Zeit, die in mancherlei Hinsicht der unseren verwandt war: geprägt von enormer Beschleunigung und einer Erweiterung des Horizonts weit über die Landesgrenzen hinaus. Man empfand das ähnlich spektakulär wie den Prozess der Globalisierung heute. Auch die Romantik, so Goethe-Haus-Chefin Anne Bohnenkamp-Renken, hatte eine Disposition zu Extremen. Wie ging man damals mit Schmähungen und Herabsetzungen um? Satire, Grotesken, Persiflagen und Polemik – all das hatte Hochkonjunktur.

Der zweite Abend findet statt im Haus am Dom. Er trägt den Titel „Religion – Zentrum und Peripherie“. Joachim Valentin, Direktor des Hauses, moderiert am Abend des 4. Juni ein Gespräch mit der Wissenschaftlerin Manuela Kalsky, dem Religions- und Politikwissenschaftler Michael Blume sowie mit Bekim Agai, Professor für Kultur und Gesellschaft des Islam in Frankfurt.

„Wo beginnt und wo endet die goldene Mitte? Und ist sie auch wirklich golden?“ Eine relevante Frage, bedenkt man, dass viele Religionsgründer am Rand der Gesellschaft standen – Joachim Valentin nennt Muhammad, Jesus, Martin Luther oder Hildegard von Bingen.

Die dritte Diskussion findet am 11. Juni in der Evangelischen Akademie Frankfurt statt. Dorthin lädt die Polytechnische Gesellschaft, um über „Die Kunst der Mitte – Bildung, Sprache, Umgangsformen“ nachzudenken. Roland Kaehlbrandt moderiert das Gespräch, in dem er die Mitte wortwörtlich als Kunst zu begreifen versucht: „Die Kunst der Mitte muss man lernen.“ Es gehe um eine Geisteshaltung, die, ohne langweilen zu wollen, Nüchternheit und pragmatische Skepsis gegenüber Heilslehren jeder Art favorisiert und die Tugenden wie Klugheit und Besonnenheit gegen die alltäglichen Aufgeregtheiten und Meinungsexzesse ins Spiel bringt.

Es diskutieren der Benimm-Spezialist Prinz Asfa-Wossen Asserate, die Literaturwissenschaftlerin Christa Dürscheid, die Soziologin Sigrid Roßteutscher, Julia Jung, Doktorandin der Musikpädagogik, sowie Gerhard Schneider. Er ist Schulleiter der Frankfurter Ernst-Reuter-Schule II.

Der Abschluss der Reihe führt ins Literaturhaus. „,Glotz nicht so romantisch!‘ – Aufruhr und Literatur“ lautet das Thema am 18. Juni. Auf dem Podium diskutieren neben Literaturhausleiter Hauke Hückstädt die Schriftstellerin Theresia Enzensberger, „F.A.Z“.-Literaturkritiker Andreas Platthaus sowie Oliver Vogel, Programmleiter bei S. Fischer für deutschsprachige Literatur. Hückstädt diagnostiziert zwei „rasende Entwicklungen“: einen extremen Rückgang der Buchkäufer, zugleich aber ein stark steigendes Interesse an Lesungen und Diskussionen über Literatur. „Wie sollen wir mit diesem Befund umgehen?“, fragt er. Und sucht nach Antworten darauf, was Verlage, Kritiker und Literaturhäuser heute leisten sollen. Moderiert wird die Diskussion von Lena Vöcklinghaus. An der Goethe-Universität schreibt sie eine Doktorarbeit über die Frankfurter Schreibszene.

Frankfurter Hausgespräche

28. Mai im Goethe-Haus, 4. Juni im Haus am Dom, 11. Juni in der Evangelischen Akademie, 18. Juni im Literaturhaus Frankfurt, jeweils 19.30 Uhr. Der Eintritt zu allen Diskussionen ist frei.

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