Der 18-Jährige hatte den neuen Ermittlungsergebnissen zufolge sogar 150 Schuss Munition für seine Tat mitgebracht, bislang hatte die Polizei von etwa hundert Schuss gesprochen. Tatsächlich feuerte er drei Schüsse ab.
Update vom 26. Januar, 12.40 Uhr: Was hat den 18-jährigen zu seiner Tat an der Uni Heidelberg motiviert? Das genaue Tatmotiv scheint noch immer unklar zu sein, doch nach und nach kommen immer weitere Informationen zu dem Hintergrund des Amokläufers ans Licht (siehe Update vom 26. Januar, 9.40 Uhr). Wie nun die Zeit Online aus Sicherheitskreisen erfahren haben will, soll der 18-Jährige als Jugendlicher auch eine Verbindung zur Neonazipartei Der Dritte Weg gehabt haben. Ermittler hätten seinen Namen auf einer älteren internen Parteiliste gefunden. Wie Zeit Online weiter berichtet, wollte ein Sprecher der Partei diese Information aus Datenschutz-Gründen nicht kommentieren.
Update vom 26. Januar, 9.40 Uhr: Das genaue Motiv des Amokläufers von Heidelberg ist auch zwei Tage nach dem Angriff in der Universität unklar, doch mittlerweile gibt es immer mehr Informationen über den 18-Jährigen. So habe der Amokläufer Biologie studiert und sei gebürtig aus Berlin gekommen. Erst seit wenigen Monaten habe er in Mannheim gewohnt. Kurz vor seiner Tat habe der Täter eine eindeutige Nachricht an seinen Vater verfasst, dieser soll die Polizei informiert haben (siehe Update vom 25. Januar, 19.15 Uhr). Wie nun Bild berichtet, soll der Amokläufer als 17-Jähriger mit einer Jugendstrafe wegen Körperverletzung verurteilt worden sein.
Update vom 26. Januar, 6.52 Uhr: Nach dem Amoklauf an der Uni Heidelberg bleibt der Hörsaal zunächst bis zur zentralen Trauerfeier am Montag geschlossen. Die betroffene Fakultät setzt ihre Präsenzveranstaltungen für Studierende im ersten Semester vorerst aus.
„Ich würde mir als Dozent auch sehr komisch dabei vorkommen, wenn ich jetzt in einen geschlossenen Hörsaal gehen müsste“, sagte der Dekan der Fakultät für Biowissenschaften, Jochen Wittbrodt, der Nachrichtenagentur dpa. In höheren Semestern seien bei Lehrveranstaltungen Schweigeminuten und Zeiten zum Austausch geplant.
Studierende und Dozenten seien nach den Ereignissen „im Schockmodus“. Dennoch habe am Dienstag ein digitales Treffen der Fakultät mit mehr als 170 Teilnehmern stattgefunden, auch Uni-Rektor Bernhard Eitel sei dabei gewesen. „Wir haben vor allem versucht, die Studierenden zu informieren und ihnen Angebote zu machen“, betonte Wittbrodt. Bei der psychologischen Betreuung solle „niemand durchs Raster fallen“. Bei den anstehenden Prüfungen sei nun Augenmaß gefragt, sagte Wittbrodt. Eine Prüfung am Mittwoch (26. Januar) sei ausgesetzt worden, für weitere werde es Ersatztermine geben.
Erstmeldung vom 25. Januar, 19.15 Uhr: Am Montagmittag (24.1) hat ein Mann bei einem Amoklauf auf dem Gelände der Universität Heidelberg drei Menschen verletzt und eine junge Frau getötet. Der 18-jährige Biologie-Student war mit einer Doppelflinte und einer Repetierwaffe in den Hörsaal gekommen. Er hätte selbst in dem Vorlesungssaal sitzen sollen, in dem sich laut Jan Lohmann, Direktor des Forschungszentrums, 30 Erstsemestler befanden. Der Täter habe mehrmals geschossen, sei dann geflohen und habe sich auf dem Außengelände der Universität das Leben genommen, hieß es in den Berichten der Polizei*. Eine 23-jährige Studentin starb an den Folgen eines Kopfschusses, die drei Verletzten wurden mittlerweile wieder aus dem Krankenhaus entlassen.
Bisherigen Erkenntnissen zufolge hatte die Tat keine politischen oder religiösen Motive. Eine gezielte Attacke schloss die Polizei nicht aus. Der mutmaßliche Amokläufer von Heidelberg hatte nach Angaben der Polizei noch mehr als 100 Schuss Munition dabei. Warum er mit dem Schießen aufgehört habe, wisse man noch nicht, sagte der Mannheimer Polizeipräsident Siegfried Kollmar am Montagabend. Vor dem Amoklauf hatte der Student noch eine WhatsApp-Nachricht versendet. Um 12.32 Uhr am Montag, kurz nachdem die ersten Notrufe bei der Polizei eingegangen waren, habe der Vater des Schützen bei der Polizei in Heidelberg angerufen und von einer WhatsApp-Nachricht seines Sohns berichtet, in der er die Tat angekündigt habe. Darin stand den Angaben zufolge, „dass Leute jetzt bestraft werden müssen.“
Der gebürtige Berliner, der alleine in Mannheim lebte, soll ersten Erkenntnissen nach nicht vorbestraft gewesen sein. Wie er an die Waffen kommen konnte, wird aktuell noch untersucht. Der Täter hatte sie wohl erst kürzlich im Ausland käuflich erworben. Eine Ermittlungsgruppe der Polizei namens „Botanik“ mit 32 Personen versucht die Hintergründe der Tat aufzuklären.
Zwei Mitarbeiter des Heidelberger Forschungszentrums für biologische Grundlagenforschung (COS) sind womöglich nur knapp dem Amokschützen entkommen. Der Direktor des „Centre for Organismal Studies“, Jan Lohmann, schilderte am Dienstag, was seinen Kollegen am Vortag passiert war: Sie kamen die Treppe zum Foyer des Gebäudes hinunter, als sie einen Schuss hörten, den sie zunächst Bauarbeiten im Haus zuordneten. Als sie ihren Irrtum bemerkten, waren sie nur fünf bis sechs Meter von dem jungen Mann entfernt, der gerade aus dem Hörsaal kam.
Der 18-Jährige richtete die Waffe auf die beiden Männer. Sie konnten unverletzt entkommen. Nachdem die COS-Mitarbeiter nur noch entfernt Schüsse hörten, hätten sie sich aus ihren Büros getraut, um im Hörsaal Erste Hilfe zu leisten, erzählte Lohmann. Zuvor hatten sie sich per Messaging-Dienst Slack gegenseitig gewarnt.
Der Schutz vor Amokläufen sei schwierig, sagte Lohmann. Einlasskontrollen zu Beginn einer Vorlesung oder eines Seminars könnten nicht verhindern, dass ein solcher Täter - wie in Heidelberg geschehen - mitten in eine Veranstaltung hineinplatze. Als eingeschriebenem Studenten hätten dem 18-Jährigen die üblichen Zugänge offen gestanden. Wenn der Täter schon im Raum sei, könnten auch Notfallpläne nicht mehr greifen. Hier können Sie den Tathergang noch einmal im Ticker vom Montag im Detail nachlesen.
Die Deutsche Polizeigewerkschaft empfiehlt nach dem Amoklauf an der Uni in Baden-Württemberg* den von der Tat unmittelbar Betroffenen, sich psychologisch betreuen zu lassen. „Die Studenten im Hörsaal haben Todesangst ausgestanden, sie wussten ja nicht, wie lange der Täter noch schießt“, sagte Landeschef Ralf Kusterer der dpa. Er fügte hinzu: „Das werden sie ihr Leben lang nicht vergessen.“
Hinweis der Redaktion:
Generell berichten wir nicht über Suizide oder den Verdacht auf Suizid-Absichten, damit solche Fälle mögliche Nachahmer nicht ermutigen. Eine Berichterstattung findet nur dann statt, wenn die Umstände eine besondere öffentliche Aufmerksamkeit erfahren. Wenn Sie oder eine Ihnen bekannte Person unter einer existentiellen Lebenskrise oder Depressionen leidet, kontaktieren Sie bitte die Telefonseelsorge unter der Nummer: 0800-1110111. Hilfe bietet auch der Krisendienst Psychiatrie für München und Oberbayern unter 0180-6553000. Weitere Infos finden Sie auf der Webseite www.krisendienst-psychiatrie.de. (chd/dpa) *Merkur.de ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA.
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