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Karsten Schmal soll zum Vize-Präsidenten des Deutschen Bauernverbandes gewählt werden.

Landwirtschaft

Hesse soll Bauern-Vize werden

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Beim Deutschen Bauerntag in Wiesbaden könnte der hessische Bauernpräsident Karsten Schmal heute in den Vorstand des Deutschen Bauernverbandes (DBV) gewählt werden. Das DBV-Präsidium will den Milchbauern aus Nordhessen zur Wahl als Vize-Präsidenten vorschlagen.

Als Präsident des Hessischen Bauernverbandes (HBV) ist Karsten Schmal Interessensvertreter von derzeit rund 16 100 hessischen Landwirten – sofern sie Mitglied im HBV sind. Seit zwei Jahren ist der Milchbauer aus Nordhessen auch Vorsitzender des Fachausschusses Milch im Deutschen Bauernverband und damit der sogenannte ’Milchpräsident’ der deutschen Landwirtschaft. In Fachkreisen ist seit längerem bekannt, dass Schmal beim heute in Wiesbaden beginnenden Deutschen Bauerntag vom Präsidium des Deutschen Bauernverbandes DBV als Kandidat für das frei werdende Amt des Vize-Präsidenten vorgeschlagen wird.

„Gegenkandidaten sind theoretisch möglich, aber eher unwahrscheinlich“, heißt es dazu im führenden Branchenmagazin „top agrar“. Der 52-Jährige sammelt aber keinesfalls Titel und Ehrenämter. Als leidenschaftlicher Landwirt engagiert er sich einfach intensiv durch die Verbandsarbeit für die Interessen seines Berufsstandes.

Kritiker konventioneller Landwirtschaft würden gewiss sagen, Schmal sei Lobbyist. Doch wie jede Branche in der Wirtschaft haben auch die Landwirte einen Verband, der die Interessen des Berufsstandes vertritt. In der Landwirtschaft ist das eben der Deutsche Bauernverband.

Als Milchbauer aus dem Landkreis Waldeck-Frankenberg kennt er die alltäglichen Herausforderungen der heimischen Landwirtschaft allzu gut. Landwirte müssen heute zwischen Alltagsgeschäft auf dem Hof in einer Sieben-Tage-Woche, EU-Agrarsubventionen, Bürokratie-Wahnsinn, Preisunsicherheiten auf dem Weltmarkt und schwindender Akzeptanz einen wirtschaftlich tragbaren Weg finden.

In Sachsenhausen, 15 Kilometer östlich von Korbach, bewirtschaftet Schmal mit seiner Familie einen Hof mit

165 Milchkühe

n und 145 Hektar Ackerland. Mit der heute anstehenden Wahl würde Schmal nicht nur Hessens Bauern, sondern auch die Landwirtschaft in ganz Deutschland in verschiedenen Bereichen vertreten. Dabei geht es um ganz grundlegende Anliegen der Bauern, wie die Durchsetzung von besseren Preisen von Milch und Fleisch beim Lebensmitteleinzelhandel oder die Steigerung der Akzeptanz der Landwirtschaft bei der Bevölkerung.

Auf dem Hessentag in Korbach kritisierte Schmal Anfang des Monats die fehlende Rückendeckung durch die politisch Verantwortlichen und Genehmigungsbehörden wenn es darum geht, landwirtschaftliche Bauvorhaben im Außenbereich zu realisieren.

Er forderte dabei nicht nur Hessens Landwirtschaftsministerin Priska Hinz (Grüne), sondern alle verantwortlichen Akteure auf, mehr Rückgrat zu zeigen und Stallbauten zum Beispiel gegen Bürgerinitiativen und andere Widerstände durchzusetzen.

Genauso wehrt sich Schmal mit dem Hessischen Bauernverband vehement gegen das neue geplante Frankfurter Stadtviertel, das rechts und links der A5 auf 500 Hektar Naturland und fruchtbarem Ackerland aus dem Boden gestampft werden soll.

Generell verliere die Landwirtschaft an Boden, beklagte Schmal jüngst. Wegen neuer Baugebiete und Verkehrswege seien zwischen 1992 und 2015 mehr als 40 000 Hektar Fläche verloren gegangen. Laut Statistischem Bundesamt hat die Siedlungs-, Gewerbe-, Handels- und Verkehrsfläche alleine in Frankfurt seit 1992 von rund 6200 Hektar auf 7200 Hektar zugenommen.

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