Judentum

Hessische Landesregierung will Antisemitismus-Beauftragten einsetzen

Nach dem mutmaßlich antisemitischen Angriff in Berlin sorgt sich die jüdische Gemeinschaft in Deutschland um ihre Sicherheit. Am Mittwoch soll in der Bundeshauptstadt die Solidaritätsaktion „Berlin trägt Kippa“ stattfinden

Nach dem Übergriff auf zwei Kippa tragende Männer in Berlin geht die Debatte um die Sicherheit von Juden in Deutschland weiter. Der Präsident des Zentralrats der Juden in Deutschland, Josef Schuster, sprach am Freitag im Deutschlandfunk von einer neuen Qualität des Antisemitismus. Er hätte sich einen solchen Vorfall vor zehn Jahren nicht vorstellen können.

Schuster äußerte sich auch besorgt über das Wiederauftauchen von antisemitischen Stereotypen wie einer „jüdischen Weltverschwörung“. Er verwies darauf, dass das Problem nicht alleine aufgrund arabischer Migranten bestehe. Antisemitismus sei ebenfalls bei einem Teil der deutschen Bevölkerung vorhanden. Aber auch durch den zunehmenden Zuzug von Migranten muslimischen Glaubens in den vergangenen Jahren habe sich die Lage für Juden in Deutschland verschärft, sagte der Berliner Rabbiner Daniel Alter. In vielen der Herkunftsländer sei der Judenhass fast schon Teil einer staatstragenden Ideologie und tief verwurzelt.

Aufgrund des gewachsenen Antisemitismus in der Gesellschaft will die hessische Landesregierung nun einen eigenen Antisemitismus-Beauftragten für dieses Bundesland einsetzen. Das gab Regierungssprecher Michael Bußer am Freitag in Wiesbaden bekannt. „Der Beauftragte soll sich mit der fortschreitenden Verbreitung antisemitischer Einstellungen befassen, Akteure aus allen relevanten Bereichen und der Politik vernetzten und als unabhängige Persönlichkeit Strategien und Handlungsempfehlungen mit der Landesregierung beraten“, heißt es in der Mitteilung. Mit ihm werde es einen zentralen Ansprechpartner zur Bekämpfung des Judenhasses in Hessen geben. Union und SPD haben sich in ihren Koalitionsvereinbarungen auf die Schaffung der Stelle eines Antisemitismusbeauftragten beim Bund verständigt und das Amt inzwischen mit dem Diplomaten Felix Klein besetzt.

Unterdessen wird in Berlin und Frankfurt (Main) zu Solidaritätsaktionen mit der jüdischen Gemeinschaft aufgerufen. Die Jüdische Gemeinde in der Hauptstadt lädt für Mittwoch alle Berliner in zu einer Solidaritätsaktion unter dem Motto „Berlin trägt Kippa“ vor das Gemeindehaus Fasanenstraße ein. Der Frankfurter Bürgermeister und Kirchendezernent Uwe Becker (CDU) regte einen Kippa-Tag an. epd

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