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Sanitäter erstattet Anzeige gegen Mann (Symbolfoto).

Helfer hatte Anzeige erstattet

Mann zeigt Sanitäter Mittelfinger - das hat jetzt üble Konsequenzen

In Bad Homburg hat ein Autofahrer einem Sanitäter den Mittelfinger gezeigt - das hat jetzt üble Konsequenzen. 

Bad Homburg - Eigentlich sollte es für jeden Autofahrer selbstverständlich sein, einem Rettungswagen (RTW), der mit Blaulicht und eingeschaltetem Martinshorn von hinten kommt, Platz zu machen. Denn bei den offenbar notwendigen Hilfeleistungen sollte kein vermeidbarer Zeitverzug entstehen. Das sah ein Autofahrer (40) aus Bad Homburg nach Auffassung des Gerichts wohl anders, wie fnp.de* berichtet. 

Bad Homburg - Mann geht Sanitäter aggressiv an: Helfer erstattet Anzeige

Der Mann war am 9. August vorigen Jahres gegen 11.30 Uhr zwischen Bad Homburg und Oberstedten unterwegs, als der RTW angebraust kam. Zwar reduzierte der 40-Jährige anfangs seine Geschwindigkeit, doch der RTW konnte wegen des Gegenverkehrs nicht überholen. Nun erhöhte der Homburger seine Fahrtgeschwindigkeit. Der am Steuer sitzende Sanitäter konnte erst nach einigen hundert Metern überholen. Danach musste er scharf abbiegen. 

Darüber hatten sich der Autofahrer und seine Begleiterin geärgert, „aber ich hätte das noch hingenommen“, sagte der RTW-Fahrer jetzt im Bad Homburger Gericht. Doch der 40-Jährige habe ihm auch noch den ausgestreckten Mittelfinger gezeigt, sagte der Sanitäter aus. Der Sanitäter hatte Anzeige wegen Beleidigung erstattet. Danach folgte gegen den Pkw-Fahrer ein Strafbefehl mit einer Zahlungsauflage von 3000 Euro, gebildet aus 30 Tagessätzen zu je 100 Euro. Dagegen hatte der 40-Jährige Einspruch eingelegt.

Angeklagter bestreitet vor Gericht die Tat, seine Freundin auch

In der Verhandlung bestritt der Angeklagte die beleidigende Geste. Der RTW-Fahrer habe ihn beim Überholen geschnitten. Deswegen habe er, der Angeklagte, beide Hände hochgehoben und sein Unverständnis über diese Fahrweise zum Ausdruck bringen wollen. Die Freundin des Angeklagten, mit der er an diesem Tag eine Ausflugsfahrt in den Rheingau unternommen hatte, bestätigte seine Aussage. Sie habe während des Überholmanövers immer ihren Freund im Blick gehabt. Der habe dem Sanitäter zu keiner Zeit den ausgestreckten Mittelfinger gezeigt, ließ sie das Gericht wissen. Der Oberamtsanwalt forderte eine Vereidigung der Zeugin. Diesem Antrag widersprach der Verteidiger, und auch die Richterin wies den Antrag des Anklagevertreters zurück, da diese Maßnahme die Beweissituation nicht ändere. Vor dieser Zeugenaussage waren die beiden Sanitäter im Gericht angehört worden. 

Der betroffene Fahrer schilderte das acht Monate zurückliegende Ereignis sachlich und ausführlich. Laut seiner Aussage war die Beleidigung des Angeklagten eindeutig. Der 40-Jährige habe ihm eindeutig während, beziehungsweise nach dem Überholvorgang den ausgestreckten Mittelfinger gezeigt, und zwar so, dass er diese Geste aus einer kurzen Entfernung im Rückspiegel klar erkannt habe. Der Beifahrer bestätigte dies und sagte, konnte natürlich nicht der „Rückspielgel- Vorwurf“ bestätigt werden, da er dies von seiner Position nicht wahrnehmen konnte. Doch das „Vorspiel“ vor dieser Tat wurde von ihm deckungsgleich geschildert. Der Beifahrer der Angeklagte habe schon beim Überholen recht aggressiv gewirkt. 

Oberamtsanwalt: Angeklagte zeige weder Einsicht noch Reue

Der Oberamtsanwalt sah den Anklagevorwurf als bestätigt. Da der Angeklagte weder Einsicht noch Reue im Gericht habe erkennen lassen, forderte er 40 Tagessätze zu je 80 Euro. Dazu solle ihm noch ein Fahrverbot von einem Monat auferlegt werden. Der Verteidiger sah seinen Mandanten als unschuldig an. Er sieht zurzeit einen gewissen Trend darin, die Helfer – auch Polizei und Feuerwehr – immer als Tatopfer darzustellen. Seine Forderung: Freispruch. Doch diesem Antrag folgte die Richterin nicht. Sie verhängte eine Geldstrafe von 2400 Euro, gebildet aus 30 Tagessätzen zu je 80 Euro. Ob nun aus dem „kleinen Fall“, wie die Tat mehrfach im Gericht bezeichnet wurde, noch ein größerer wird, ist offen. Denn es wäre möglich, dass der Anklagevertreter gegen die Freundin des Angeklagten ein Strafverfahren wegen „Falschaussage vor Gericht“ einleitet.

Von Heinz Habermehl

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