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Sich noch einmal wie 18 fühlen: Johannes Strate, Frontmann der Hamburger Band ?Revolverheld?, säuselt ins Mikrofon.

Clubkonzert

„Ich werde nie erwachsen“

Im urgemütlich kleinen Rahmen, in der Frankfurter „Batschkapp“, gaben „Revolverheld“ ein intimes Clubkonzert.

Johannes Strate, Sänger und Gitarrist von „Revolverheld“, fungiert nur allzu gerne als Aushängeschild seiner Band: Kommt doch der attraktive Familienvater mit Sechs-Tage-Bart unter euphorischem Jubel der Fangemeinde als letzter auf die Bühne, greift nach jedem Song zu einem stets gut gefüllten Glas Rotwein, lässt sich einwandfrei als Wortführer identifizieren und erntet vom mehrheitlich weiblichen Publikum auch schon mal pikante „Ausziehn-Ausziehn“-Rufe.

Prinzipiell richtete sich der Fokus innerhalb der Band schon immer auf Johannes Strate. Selbst in den Anfängen, als die 2002 gegründete Hamburger Formation sich noch etwas ungelenk erst „Manga“, dann „Tsunamikiller“ nannte und Idolen der Hamburger Schule wie „Blumfeld“, „Tocotronic“ und „Die Sterne“ nacheiferte. Dank seiner Ausnahmeposition darf Strate derzeit auch würdig seine Bandkollegen als einer der Teilnehmer in der aktuell fünften Staffel von „Sing meinen Song – Das Tauschkonzert“ vertreten. Mit dem wöchentlichem Erscheinen im Fernsehen potenzieren sich die Popularitätswerte von Strate noch einmal.

Und der 38-Jährige gibt sein Bestes, um die Fans nicht zu enttäuschen. Er witzelt, blödelt, plaudert und kalauert aus dem Stegreif. Plauscht auch mal aus dem Nähkästchen, gibt Hinter-den-Kulissen-Szenen aus dem Tourneealltag preis. Ihm beim Wortgeplänkel zur Seite steht Gitarrist Kristoffer Hünecke. Da agiert ein eingespieltes Team, das sich gegenseitig die verbalen Bälle zuwirft. Eine eher untergeordnete bis gar keine Rolle spielen die beiden restlichen Musiker, Schlagzeuger Jakob Sinn und Gitarrist Niels Kristian Hansen, im um zwei weitere Tourneemusiker aufgestockten Kernquartett. Falls sich Hansen doch mal ins Gespräch einschalten sollte, wird er – ob nun gespielt oder authentisch – recht rasch abgebügelt. Wirklich interessant, was sich im Innern einer Band so alles tut!

Doch „Revolverheld“ sind ja nicht nur zum Palavern da. Lautet die Aufgabenstellung für die aktuelle Gastspielreise doch: sich noch einmal fühlen, als ob man 18 Jahre alt wäre. „Revolverheld“ machen die Probe aufs Exempel und tun auf der aktuellen Clubtour so, als wären sie ein Nichts und Niemand, stünden noch ganz am Karriereanfang. Selbst eine randvoll gefüllte „Batschkapp“ mit 1500 Besuchern wäre da zu viel des Guten. Also einigte Band-Manager Sascha Stadler sich mit dem lokalen Veranstalter auf eine reduzierte Anzahl der mehrheitlich weiblichen Zuschauer – der hintere Bereich und die Galerie im ersten Stock der „Kapp“ bleiben, obwohl sie sich locker ausverkaufen ließen, geschlossen. Im 16. Karrierejahr und nachdem die Hamburger Formation bei ihrer letzten Rhein-Main-Stippvisite 2016 bei der „MTV-Unplugged“-Tour mal eben die Festhalle ausverkaufte, ist ein „Zurück-zu-den-Wurzeln“ angesagt. Mit ihrer aktuellen Taktik schlagen „Revolverheld“ mehrere Fliegen mit einer Klappe: Etwaigem Größenwahnsinn einzelner Gruppenmitglieder wird der Mittelfinger gezeigt. Außerdem eignet sich das Ereignis auch als medial optimal auswertbare clevere Marketingkampagne. Zumal man ja im Kleinen und in aller Ruhe die Songs des just veröffentlichten fünften Studioalbums „Zimmer mit Blick“ antesten kann.

Und so steht das Neue auf Augenhöhe mit dem Alten. Macht dabei eine gute Figur, da der stilistische Schulterschluss zwischen Aktuellem und Vergangenem sich als nahtlos erweist. Nach wie vor setzen „Revolverheld“ auf eine Mixtur aus deutschsprachigem Pop und Rock unter Hinzufügen von einer Prise New Wave, einem Quentchen Britpop sowie raren Spurenelementen der Hamburger Schule. Flott im Tempo Arrangiertes kreuzt melancholisch Balladeskes, stets unter der Vorgabe, ein hymnischer Ohrwurm zu sein.

Mitunter befinden sich gar drei E-Gitarren im Einsatz, dennoch macht sich nicht das Gefühl breit, hier würde mal eben heftig abgerockt. „Revolverheld“ bleiben stets lieblich, verbindlich und urgemütlich. Unter diesem bis ins Mark verinnerlichten Credo spielen deutsche Künstler heutzutage hierzulande ganz vorne mit im Popgeschäft, ganz gleich, ob sie nun Sasha, Max Giesinger, Andreas Bourani, Johannes Oerding oder Mark Forster heißen. Musikalisches wie ideologisches Rebellentum findet in diesem Konzept nicht statt, mögen „Revolverheld“ auch noch so sehr beteuern „Ich werd’ die Welt verändern“ und „Ich werde nie erwachsen“.

Noch mehr intime Nähe und Aufmerksamkeit gönnt sich Johannes Strate, nachdem der offizielle Teil schon abgeschlossen ist und die Luftschlangenkanone ihren Inhalt verpulvert hat. Minutenlang tummelt sich der Damenliebling zum vielsagenden Song „Darf ich bitten“ inmitten seiner Fans.

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