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Mit einem Strahlen im Gesicht: Nicole Cabell bei ihrem Auftritt im Frankfurter Opernhaus.

Liederabend

Die kalifornische Sopranistin Nicole Cabell singt in der Frankfurter Oper

Nicole Cabell sang in der Oper Frankfurt Lieder von Fernando Obradors, Maurice Ravel, Benjamin Britten, Ricky Ian Gordon und Spirituals.

Gemäßigt moderne, gemäßigt exotische Lieder von wenig namhaften Komponisten, die stark von Folklore beeinflusst sind, dann moderne Klassiker, darauf ein gefälliger Zeitgenosse, zum Ende des Programms amerikanische Spirituals und als Zugabe einschlägig bekannte Arien – das Programm des Liederabends von Nicole Cabell gegen Ende der Saison ähnelte auffallend dem Liederabend von Lawrence Brownlee zu Beginn der Spielzeit.

In der ersten Hälfte erklangen fünf spanische Lieder, stark an Folklore angelehnt, von Fernando Obradors (1897–1945), „Cinq mélodies populaires grecques“ von Ravel und weitere fünf französische Lieder aus Brittens „Les Illuminations“. Cabells aufmerksamer englischer Klavierpartner Simon Lepper legte der Sängerin hier gleichsam einen beweglichen und lebendigen Klangteppich unter die Füße, der sie ideal begleitete und die Kompositionen wie frisch improvisiert wirken ließ.

Cabell selbst gab vor dem nicht sonderlich gut ausgelasteten Haus einen eher zwiespältigen Eindruck. Ihre Stimme war durchaus nicht ohne Schärfen, nervöses Vibrato, gaumigen Klang und kleine Unsauberkeiten. Freilich passte auch einige Schärfe zu den rustikalen Stücken, mancher Überdruck mag werkadäquat, sein und meist beschränkte sich das Vibrato darauf, eine fein austarierte und disziplinierte Gestaltungszutat zu sein. Die gefragte Opernsängerin gab somit ein anspruchsvolles und ungeschütztes Tableaux ihrer Interpretationsvielfalt ab, eine Visitenkarte ihrer Kunst, die allemal beeindruckend und tief gefühlt ist.

Besonders überzeugend klang die Umsetzung der Lieder des Zyklus’ „Genius Child“ von Ricky Ian Gordon (geboren 1956) nach teilweise leicht kryptischen Gedichten von Langston Hughes. Die Musik mit ihren Jazz-Harmonien lockerte auch Cabell auf und ließ sie ganz und gar überzeugend in den Texten aufgehen. Dem folgten vier afroamerikanische Spirituals, die von Cabell vielleicht weniger urig als erwartet vorgetragen wurden. Mit den Zugaben „Summertime“ (Gershwin) und „O mio babbino caro“ (Puccini) folgte der brillante Abschied.

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