+
Die Preisträger des Deutschen Theaterpreises "Der Faust" 2019.

"Der Faust"-Verleihung im Opernhaus Kassel

Deutscher Theaterpreis  in Kassel verliehen: Eine Branche prüft sich selbst

  • schließen
  • Dr. Nicole Schippers
    schließen
  • Bettina Fraschke
    schließen

Der Deutsche Theaterpreis „Der Faust“ für herausragende künstlerische Leistungen ist während einer abwechslungsreichen Gala im Kasseler Opernhaus vergeben worden.

Für die undotierte Auszeichnung waren 24 Künstler aus dem gesamten Bundesgebiet in acht Kategorien wie Bühne/Kostüm, Regie, Schauspiel und Choreografie nominiert. „Der Faust“, der als wichtigster deutscher Theaterpreis gilt, wird seit 2006 vom Deutschen Bühnenverein in Köln, der Kulturstiftung der Länder und der Deutschen Akademie der Darstellenden Künste in Bensheim ausgelobt. 

Bekannte Gesichter: Schauspieler Georg Uecker (links) und Kabarettist Jochen Busse vor der Preisverleihung.

Der rote Teppich zur Verleihung des Theaterpreises „Der Faust 2019“ im Kasseler Opernhaus sah am Samstagabend dieses Mal etwas anders aus als gewöhnlich: Er war nicht rot, sondern gelb, er war rund und bestand aus mehreren Teilen. 

Von Weitem wirkte er wie Spotlights. „Wir wollten mal etwas anderes machen“, verriet Michael Stehr, technischer Koordinator der Agentur Barbarella Entertainment, die die Veranstaltung für den Deutschen Bühnenverein organisiert hatte. 

Der renommierte Deutsche Theaterpreis wird jedes Jahr an einem anderen großen Theater in der Republik verliehen

Preisträgerin: Maya Beckmann erhielt die Auszeichnung in der Kategorie „Darstellerin Schauspiel“

Die Stars und Sternchen unter den Gästen am Samstagabend – Schauspieler, Tänzer, Regisseure – standen auf dem gelben Teppich genauso weich im Blitzlichtgewitter der Fotografen wie sonst auch. Nach und nach fuhren sie vor oder kamen zu Fuß vom nahegelegenen Renthof, wohin Staatstheater-Intendant Thomas Bockelmann zuvor eingeladen hatte. 

An der Gala nahmen auch Hessens Wissenschafts- und Kunstministerin Angela Dorn und ihr Ehemann Timm Rancke teil.

Es gab im Opernfoyer ein großes, herzliches Wiedersehen und Hallo mit Umarmungen und Bussis unter Kollegen, die an Bühnen im gesamten Bundesgebiet verstreut arbeiten und sich deshalb nicht häufig sehen. Natürlich sah man auch tolle Outfits und selbstbewusste Looks. Allen voran Roberto Ciulli (85), der für seine Tätigkeit als Leiter, Schauspieler und Regisseur am Theater an der Ruhr in Mühlheim für sein Lebenswerk geehrt wurde, als einer der letzten vorfuhr und mit wehenden Locken aus dem Auto stieg.

Theaterpreis wurde in Kassel verliehen – „Der Faust“ für Roberto Ciulli

Bester Sänger: Moderatorin Wiebke Puls mit dem preisgekrönten Bariton Johannes Martin Kränzle.

Die besten Theaterschaffenden Deutschlands wurden am Samstag bei einer glanzvollen Gala im Kasseler Opernhaus gekürt. Dort vergab der Deutsche Bühnenverein den undotierten Theaterpreis Der Faust. Der Verleihungsort wechselt jährlich. Im Zentrum des Abends stand Roberto Ciulli. Der Leiter des Theaters an der Ruhr in Mülheim wurde für sein Lebenswerk ausgezeichnet. Auch mit 85 Jahren ist er künstlerisch aktiv. 

Deutscher Theaterpreis: Der Mailänder Roberto Ciulli begann am Deutschen Theater Göttingen

Die Theaterkarriere des Mailänders begann am Deutschen Theater in Göttingen, wo er 1965 als Beleuchter anheuerte, später Requisiteur und Regisseur wurde. In seiner Laudatio hob Oliver Keymis, Vizepräsident des Landtags in NRW das Wirken Ciullis als Kulturbotschafter hervor, „der immer auch für die anderen eintritt, ihnen Gastgeber ist“. Ciullis Theatertruppe reiste als erstes Ensemble aus Europa nach der islamischen Revolution in den Iran, und noch zu Zeiten Saddam Husseins in den Irak. 

„Italienische Commedia und Clownerie verbinden sich in Ciullis Schaffen mit großen europäischen Stoffen und der Sympathie für Schwache und Unterdrückte“, so die Jurybegründung. Die Schauspielerin Wiebke Puls, die für die Inszenierung verantwortlich war, prägte die Gala. Sie hatte 35 Theaterschaffenden vorab einen Fragebogen zur Lage des Theaters geschickt, sämtliche Moderationstexte bestanden aus deren Antworten darauf. 

Deutscher Theaterpreis verliehen: Ein Abend voller Selbstbefragung, -bespiegelung und -kritik

So war der Abend von einer Selbstbefragung, -bespiegelung und -kritik der Theaterbranche geprägt, die Preisträger kamen demgegenüber kurz weg. Am Ende gab es ein wütendes Pamphlet zu Missständen, etwa, dass an vielen Häusern von der Bühne herunter Beteiligung gepredigt werde, Führungsstrukturen aber feudalistisch und patriarchal seien. Zudem wurde mehr Diversität gefordert. 

Hessens Kunstministerin: Der Kunst Freiheit und den Theaterschaffenden würdige Rahmenbedingungen geben

Kassels Oberbürgermeister Christian Geselle warb für das Kasseler Staatsorchester als eines der ältesten Orchester Deutschlands seit 1502, Hessens Kunstministerin Angela Dorn nannte als ihre wichtigste Aufgabe, der Kunst Freiheit und den Theaterschaffenden würdige Rahmenbedingungen zu geben. 

Mit künstlerischen Einlagen präsentierte sich das Kasseler Staatstheater um Intendant Thomas Bockelmann. Schauspieler stellten eine Szene aus „Die Orestie“ in der Inszenierung Johanna Wehners vor, die dafür 2017 den Faust als beste Regisseurin erhalten hatte. Das Staatsorchester unter Leitung von Erstem Kapellmeister Mario Hartmuth spielte das Intermezzo aus der Oper „Cavalleria Rusticana“.

Deutscher Theaterpreis "Die Faust": Die Preisträger

  • Regiepreise: Schauspiel: Helge Schmidt für „Cum-Ex-Papers“, Lichthof Theater Hamburg, Musiktheater: Elisabeth Stöppler für „Götterdämmerung“, Theater Chemnitz, Kindertheater: Birgit Freitag für „Für Vier“, Junges Theater Bremen 
  • Darstellerpreise: Schauspiel: Maja Beckmann für „Dionysos Stadt“, Münchner Kammerspiele, Musiktheater: Johannes Martin Kränzle als Siskov für „Aus einem Totenhaus“, Oper Frankfurt, Tanz: Marlúcia do Amaral als Odette für „Schwanensee“, Deutsche Oper am Rhein
  • Choreografie: Anne Teresa de Keersmaeker für „Die sechs Brandenburgischen Konzerte“, Volksbühne Berlin u.a.
  • Bühne/Kostüm: Étienne Pluss, Bühne, für „Violetter Schnee“, Staatsoper Unter den Linden Berlin Lebenswerk: Roberto Ciulli, Theater an der Ruhr, Mülheim

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare