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In dem Saal des Gerichts verdeckt der Stabsfeldwebel sein Gesicht mit einem Aktenordner, damit Fotografen und Kamerateams es nicht sehen können.

Jahrelanger Missbrauch

Kind war ohne Chance, sich zu wehren

Ein Junge wird jahrelang von seiner Familie und Fremden sexuell missbraucht. Dafür wird er im Internet angeboten. Vor Gericht steht nun ein Stabsfeldwebel. Er hat sich laut Anklage gegen Geld an dem Jungen vergangen und die Taten gefilmt.

Nach dem jahrelangen Missbrauch eines Jungen im Raum Freiburg hat der Prozess gegen einen 50 Jahre alten Soldaten der Bundeswehr begonnen. Der Stabsfeldwebel habe das Kind zwei Mal vergewaltigt, sagte Staatsanwältin Nikola Novak gestern vor dem Landgericht Freiburg beim Prozessauftakt. Er habe dies gemeinsam mit der Mutter und dem Stiefvater des Jungen getan. Die Taten habe er gefilmt und die Aufnahmen an andere weitergeleitet. Für die sexuellen Übergriffe, die sich im Freien in Staufen bei Freiburg ereigneten, habe er dem Stiefvater und dem Jungen Geld gezahlt.

Angeklagt ist der Deutsche unter anderem wegen besonders schwerer Vergewaltigung, Zwangsprostitution, Körperverletzung und Kindesmisshandlung. „Es handelt sich um besonders grausame und menschenverachtende Taten“, sagte die Staatsanwältin. Das Kind habe keine Chance gehabt, sich zu wehren. Es sei vor laufender Handy-Kamera von dem Trio erniedrigt, gefesselt und vergewaltigt worden. „Es wurde ihm angedroht, dass er ins Heim komme, wenn er nicht gehorche“, sagte Staatsanwältin Novak.

Der heute neun Jahre alte Junge aus Staufen war den Angaben zufolge mehr als zwei Jahre lang von Männern vergewaltigt worden. Die 48 Jahre alte Mutter des Jungen und ihr 39 Jahre alter Lebensgefährte hätten ihn hierfür im Internet angeboten.

Der im Elsass nahe der deutsch-französischen Grenze lebende Soldat ist einer von insgesamt acht Tatverdächtigen in dem Fall. Ein Urteil soll es Mitte Mai geben. „Ich werde mich äußern“, sagte der Angeklagte. Auf Antrag seines Verteidigers geschehe dies hinter verschlossenen Türen, erklärte der Vorsitzende Richter Stefan Bürgelin. Auch für das Gutachten eines psychiatrischen Sachverständigen, die Plädoyers und für das letzte Wort des Angeklagten werde die Öffentlichkeit zum Schutz der Persönlichkeitsrechte des Angeklagten ausgeschlossen. Ein großer Teil der Beweisaufnahme und das Urteil würden öffentlich sein. Die Staatsanwaltschaft will nach eigenen Angaben eine lange Haftstrafe sowie anschließende Sicherungsverwahrung erreichen. Am Mittwoch werden im Prozess Polizeibeamte, die in dem Fall ermittelt haben, als Zeugen aussagen. Der Soldat sitzt in Untersuchungshaft, nachdem er im vergangenem Oktober festgenommen wurde.

Es ist der zweite von mehreren Prozessen in dem Fall. Mitte April ist ein 41-Jähriger zu zehn Jahren Haft mit anschließender Sicherungsverwahrung verurteilt worden. Es war das erste Urteil in dem Fall, der im Januar bekannt geworden war. Weitere Prozesse folgen in den kommenden Monaten. dpa

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