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ARCHIV - 28.11.2013, Frankreich, Bordeaux: Fußball, Europa League Girondins Bordeaux- Eintracht Frankfurt: Die Spieler von Eintracht Frankfur gehen nach dem 1:0 Sieg zu den Fans aus Frankfurt. 12 000 Fans von Eintracht Frankfurt reisten nach Bordeaux, und feierten in orange gekleidet ihre Mannschaft und machen das Spiel an der Atlantikküste zu einem halben Heimspiel. (zu dpa-Meldung: "Geisterspiel statt Fußballfest: Eintracht-Fans verpassen Marseille" vom 18.09.2018) Foto: Caroline Blumberg/EPA/dpa +++ dpa-Bildfunk +++ |

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Auf der Homepage der Frankfurter Eintracht findet sich in der Mitteilung über das Marseille-Verbot für ihre Anhänger auch die Telefonnummer des hiesigen deutschen Generalkonsulats, für alle Fälle.

Auf der Homepage der Frankfurter Eintracht findet sich in der Mitteilung über das Marseille-Verbot für ihre Anhänger auch die Telefonnummer des hiesigen deutschen Generalkonsulats, für alle Fälle. Klingt so, als würde man in der Geschäftsstelle des Pokalsiegers nicht unbedingt damit rechnen, dass sich von diesem verschärften Bann alle Frankfurter Fans abhalten lassen. Manche sind ohnehin bereits unterwegs, in Verbindung mit einem kleinen Südfrankreich-Urlaub, und gar nicht wenige wollten wenigstens in der Stadt sein, vor den Fernsehern in Kneipen und Cafés, wenn ihre Mannschaft ihr Comeback auf europäischer Ebene gibt und man schon nicht ins Stadion darf. Dass auch das jetzt untersagt sein soll, steht in keinem Verhältnis – und macht aus den ohnehin schon ärgerlichen Fügungen vollends eine Farce.

Dass derlei Verbote rechtlich schwierig sind, haben die Frankfurter vor zwei Jahren bereits in der Darmstädter Nachbarschaft erfahren. Dass sie für das Ziel, etwaigen Randalierern keine Bühne zu geben, eher kontraproduktiv sind, ebenso. Was für eine bittere Pointe, dass schwer haltbare Maßnahmen dieser Art nun die erste der ersehnten Europareisen betreffen – zumal die Stadionsperrung durch die Uefa ja keine Strafe für das Fehlverhalten Frankfurter Fans ist, sondern jener von Olympique Marseille. Die ganze Eintracht hat gelechzt nach solchen Auftritten. Während die zweite Klasse des europäischen Fußballs andernorts bestenfalls beiläufig vor Minuskulissen mitgenommen wird, wissen reiselustige Hessen auch die Europa League zu feiern, in der Regel weitgehend friedlich und fröhlich. Wie die legendären 12 000 in Bordeaux.

Gewiss sind nicht alle Getreuen der Eintracht immer ganz pflegeleicht. Dass sie die Präfektur in Marseille nun sicherheitshalber aber alle vorab über einen Kamm schert, geht so nicht. Statt sich zu freuen, dass viele ihren Herzensclub in die Stadt begleiten, ohne ins Stadion zu dürfen. Ob nun denen, die doch fahren, geraten werden sollte, besser kein Trikot auf dem Leib und kein Lied auf den Lippen zu haben, um inkognito zu bleiben? Viel eher sollte man hoffen, dass die französische Polizei Gnade vor dieser seltsamen Rechtsauffassung zeigt, wenn irgendjemand morgen in Marseille doch den Verdacht erregt, möglicherweise Eintracht-Fan zu sein. Wer wirklich über die Stränge schlägt, kann dann immer noch seine gerechte Strafe erfahren. Im deutschen Fußball herrscht nach ewigen Kämpfen inzwischen weitgehend Einigkeit über die Sinnlosigkeit kollektiver Verurteilungen. Stattdessen setzt man verstärkt auf Prävention und Einzeltäterbestrafung. Darüber sollte man bei der Uefa auch einmal nachdenken. Ihre Verantwortlichen sind immerhin gar nicht begeistert, dass einer der wenigen Clubs, die ihr Zweite-Klasse-Produkt wirklich zu würdigen wissen, jetzt derart ausgebremst wird.

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