Börse

Kommentar: Im Bann von Trumps Twitter-Account

Die Finanzwelt könnte so einfach sein. In den USA legen gleich fünf Finanzriesen Zahlen für das erste Quartal auf den Tisch, von der Bank of America bis American Express.

Die Finanzwelt könnte so einfach sein. In den USA legen gleich fünf Finanzriesen Zahlen für das erste Quartal auf den Tisch, von der Bank of America bis American Express. Außerdem wollen Siemens-Konkurrent General Electric, der Pharmakonzern Johnson & Johnson und der Technologie-Gigant IBM ihre Bücher öffnen. Es ist Bilanzsaison und damit eine Zeit, in der die Börsen hauptsächlich mit sich selbst beschäftigt sind.

Zahlen und Ausblicke werden da mit Prognosen und den nachjustierten Erwartungen abgeglichen und dann in Kurse gegossen. Die Finanzwelt könnte also so einfach sein. Ist sie aber nicht; denn wie Mehltau hat sich die Weltpolitik über die Märkte gelegt. Die Raketenangriffe westlicher Verbündeter auf Syrien haben die Lage empfindlich verschärft. Es werden sogar schon Vergleiche mit der Kuba-Krise gezogen. 1962 standen die USA und die damalige Sowjetunion so dicht vor einem Krieg, wie nie zuvor und nie danach in der Geschichte nach 1945.

Die Hoffnung ist gering, dass sich die Börsen vor diesem Hintergrund mit Unternehmensdaten abspeisen lassen könnten. Gerade die Wall Street hing in der jüngeren Vergangenheit an den Lippen Donald Trumps, genauer gesagt, an seinem Twitter-Account. Einige Krisenmechanismen fangen bereits an zu greifen. Gold und Öl haben sich verteuert. Von einer Flucht in diese vermeintlichen „sicheren Häfen“ kann allerdings noch keine Rede sein.

Die wachsende Nervosität zeigt sich auch an der Anfälligkeit der Börse für Schwankungen. Der diese „Volatilität“ genannte messende Index ist während der ersten Bomben-Tweets Trumps deutlich ausgeschlagen, hat sich dann am vergangenen Freitag – sich in trügerischer Ruhe wiegend – deutlich beruhigt. Das dürfte nicht von langer Dauer bleiben.

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