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Kommentar zu Sammelbewegung „Aufstehen“ Eine Identifikationsfigur fehlt

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Sahra Wagenknecht ruft alle Linken der Republik zum Aufstehen auf. Mit ihrer neuen Sammlungsbewegung will sie das ermöglichen, was schon lange nicht mehr möglich war: die Bildung einer linken Regierung in Deutschland.

Sahra Wagenknecht ruft alle Linken der Republik zum Aufstehen auf. Mit ihrer neuen Sammlungsbewegung will sie das ermöglichen, was schon lange nicht mehr möglich war: die Bildung einer linken Regierung in Deutschland.

Grundsätzlich ist das eine gute Idee, um der gefühlten Endlosschleife der großen Koalition eine Alternative entgegenzusetzen. War es doch häufig die Abgrenzung der SPD wie auch der Grünen zur Linkspartei, die linke Regierungen verhinderte, obwohl das rot-rot-grüne Spektrum zusammen eine Mehrheit gehabt hätte – gleich mehrfach zum Beispiel in Hessen, aber auch schon auf Bundesebene.

Doch hat die neue Sammlungsbewegung eine Chance, tatsächlich eine Einigung der deutschen Linken herbeizuführen? Wohl kaum. War es doch gerade Wagenknechts treuster Mitstreiter und Ehemann Oskar Lafontaine, der durch sein persönliches Zerwürfnis mit Gerhard Schröder im Jahr 1999 die Spaltung der SPD in Gang setzte. Der ehemalige SPD-Chef Lafontaine war es, der 2005 zur neu gegründeten Wahlalternative Arbeit & soziale Gerechtigkeit (WASG) wechselte. Die wiederum schloss sich wenig später einem Bündnis mit der PDS an. Daraus ging schließlich die Linkspartei hervor, deren Fraktionschef Lafontaine dann wurde.

Von diesem Bruch hat sich die SPD bis heute nicht erholt. Eine schmerzliche Entwicklung, die viele Sozialdemokraten ihrem Ex-Chef noch immer übel nehmen. Wenn nun ausgerechnet er zusammen mit seiner Frau, die gleichfalls eher als Spalterin denn als Versöhnerin gilt, zum Aufstehen aufruft, um die Linke zu einen, dann wirkt das schon fast grotesk. Zumal viele Sozialdemokraten und Grüne Wagenknecht vorwerfen, mit ihren Parolen zur Flüchtlingspolitik am rechten Rand zu fischen, um Protestwähler zurückzugewinnen, die von der Linkspartei zur AfD abgewandert sind. Eine Taktik, die im linken Lager großes Befremden auslöst.

Dennoch wäre eine linke Sammelbewegung demokratietheoretisch gerade jetzt dringend nötig, um dem zunehmend rechtspopulistisch angehauchten Zeitgeist eine geballte Kraft entgegenzusetzen. Ein solches Bündnis könnte allerdings nur dann aus den linken Streitgräben aufstehen, wenn nicht Spalter an seiner Spitze stünden, sondern eine Identifikationsfigur. Die ist aber nicht in Sicht. Erst recht nicht mit Wagenknechts Mitstreiterin Simone Lange. Die sozialdemokratische Oberbürgermeisterin aus Flensburg unterlag im Frühjahr in einer Kampfkandidatur um den SPD-Bundesvorsitz gegen Andrea Nahles, errang aber mit knapp 28 Prozent doch einen Achtungserfolg und bescherte Nahles ein schmerzlich knappes Wahlergebnis. Lange hat sich damit viele Feinde in der SPD gemacht. Auch keine gute Voraussetzung, um nun als Versöhnerin der Linken anzutreten.

christiane.warnecke@fnp.de

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