Pro und Kontra zum Schiedsrichter-Streik

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  • Lukasz Galkowski
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Der Streik der Schiedsrichter im Fußballkreis Frankfurt an diesem Wochenende ist genau die richtige Antwort auf die unzumutbaren Zustände, mit denen die Referees auf vielen Amateursportplätzen konfrontiert werden.

Der Streik der Schiedsrichter im Fußballkreis Frankfurt an diesem Wochenende ist genau die richtige Antwort auf die unzumutbaren Zustände, mit denen die Referees auf vielen Amateursportplätzen konfrontiert werden.

Um es gleich klarzustellen: Auf dem Großteil der Sportplätze geht es fair zu. Ereignisse wie jüngst in Frankfurt gehören zu den absoluten Ausnahmen. Dennoch wäre es zu kurz gegriffen, nur von schwarzen Schafen zu sprechen. Denn verbale Attacken seitens der Zuschauer, Eltern, Funktionäre und Trainer, die teils tief unter die Gürtellinie gehen, sind leider eher die Regel als die Ausnahme. Dadurch sinkt die Hemmschwelle für potenzielle Angriffe. Sehr selten werden die Übeltäter ermahnt. Es ist im Interesse der Vereine, dass das Thema nicht verharmlost wird und Beschimpfungen nicht einfach als Kavaliersdelikt abgestempelt werden. Punktabzüge und Geldstrafen wegen der Nichterfüllung des Schiedsrichter-Solls sind längst keine Seltenheit mehr.

Der Streik der Schiedsrichter darf deshalb nicht als Schikane oder Kollektivstrafe verstanden werden. So ist er gar nicht angedacht. Vielmehr soll gezeigt werden: Schaut her, was passiert, wenn wir nicht da wären. Behandelt uns mit Respekt. Und am Ende haben alle was davon.

Nein, Schiedsrichter schlagen geht gar nicht. Bespucken auch nicht und bedrohen

oder beleidigen auch nicht. Ein Zeichen zu setzen, wenn das doch passiert, halte ich für richtig, gerade wenn Gewalt im Spiel war. Aber einfach nicht hingehen? Was soll sich dadurch denn ändern? Das leider oft angespannte Verhältnis zwischen Schiedsrichtern und allen anderen, die mit Fußball zu tun haben, Zuschauern, Trainern, Spielern und Eltern, wird dadurch sicher nicht besser.

Genau genommen glaube ich ja, dass Fußball in unserer Gesellschaft total überhöht wird. Oft kommt es einem vor, als sollten Kinder die fußballerische Ehre der Familie retten, wenn es beim Vater oder beim Opa nicht gereicht hat. Pöbeleien von Enttäuschten am Spielfeldrand sind da an der Tagesordnung, das kann ich aus der langjährigen Erfahrung als Jugendtrainer (und Vater) sagen. Die Illusion, dass das zu ändern wäre, habe ich nicht, gerade wenn ich mir anschaue, wie im Stadion (oder am Fernseher) über Schiedsrichter hergefallen wird. Aber eines ist klar: Der Dialog zwischen Schiedsrichtern und Vereinen ist die einzige Hoffnung. Mein Vorschlag für eine

Pro

testaktion wäre folgender: Trainer und Eltern gehen Kaffee trinken, während Spieler und Schiedsrichter das Sportliche erledigen. Das könnte klappen.

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