Kretschmer und Spahn im Bundestag.
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Michael Kretschmer und Jens Spahn im Gespräch.

Corona-Pandemie

Kretschmer kritisiert Spahn: Pandemische Lage noch nicht zu Ende

Sachsens Ministerpräsident Michael Kretschmer widerspricht Bundesgesundheitsminister Jens Spahn. Die pandemische Lage sei noch nicht zu Ende.

Dresden - Sachsens Ministerpräsident Michael Kretschmer (CDU) sieht die pandemische Lage von nationaler Tragweite noch nicht zu Ende. „Im Gegenteil, sie gewinnt gerade wieder an Kraft und Gefährlichkeit“, sagte der Regierungschef am Mittwoch der Deutschen Presse-Agentur in Dresden und widersprach damit Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU). Der hatte sich zuvor dafür ausgesprochen, dass es nach dem 25. November nicht zur erneuten Verlängerung der bundesweiten Corona-Notlage* kommt.

„Schon im Frühjahr ist ein großer Fehler passiert. Die Politik hatte gegen den Rat der Wissenschaft die Aufhebung von Schutzmaßnahmen bei steigenden Infektionen entschieden. Die Folge war die Bundesnotbremse und der Lockdown im Frühjahr. Wer Normalität erzwingen will, verhindert sie möglicherweise“, argumentierte Kretschmer. In diesen Tagen könne man noch entscheiden, ob Einschränkungen auf die Risikogruppe der Ungeimpften konzentriert werden könnten. In einigen Wochen werde es auch diese Option nicht mehr geben.

Kritik an Kretschmer: „Fördert eine Spaltung der Gesellschaft“

„2G ist jetzt ein zwingendes Muss. Die Infektionen bei den ungeimpften Menschen bestimmen diese vierte Welle“, sagte Kretschmer abschließend. Die Bevölkerung müsse über die aktuelle Corona-Entwicklung informiert werden. Dazu brauche man eine öffentliche Debatte und die Entscheidung, welche Schutzmaßnahmen gesellschaftlich mitgetragen werden.

Der Dresdner FDP-Bundestagsabgeordnete Torsten Herbst warf Kretschmer vor, „die Uhr offenbar zurückdrehen“ zu wollen: „Mit seiner Forderung fördert er eine Spaltung der Gesellschaft in Geimpfte und Genesene auf der einen Seite und Ungeimpfte auf der anderen Seite. Wer gehofft hatte, dass auch in Sachsen Corona-Alarmismus und -Aktionismus ein Ende finden würden, hat sich getäuscht.“ Auch ungeimpfte Bürger hätten Rechte und könnten nicht einfach zu Bürgern zweiter Klasse herabgewürdigt werden.

In Sachsen hatte die Zahl der Corona-Neuinfektionen pro 100.000 Einwohner in einer Woche zuletzt stark zugenommen. Das Robert Koch-Instituts wies den Inzidenzwert am Mittwoch für Sachsen mit 200,8 aus, nach 191,4 am Vortag. Damit liegt der Freistaat deutlich über dem bundesweiten Wert (118,0) und hat nach Thüringen (241,8) die zweithöchste Wocheninzidenz. (dpa) *fr.de ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA.

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