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Papst Franziskus ist nicht nur ein Mann der Worte, sondern auch ein Mann der Gesten ? einer, der Trost spendet und den Segen gibt. Dieses Bild bestätigt auch Wim Wenders? Dokumentarfilm.

Dokumentation

Papst Franziskus: Botschafter der Nächstenliebe

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Im Auftrag des Vatikan hat der Regisseur den Heiligen Vater bei dessen Begegnungen mit den verschiedensten Menschen begleitet.

Seit Jorge Mario Bergoglio aus Argentinien zum 266. Papst gewählt worden ist, und zugleich zum ersten Heiligen Vater mit dem Namen Franziskus, wird er mit Lob bedacht. Für seine Natürlichkeit. Seine Freundlichkeit. Seine Bescheidenheit. Seine Menschlichkeit. Sein Mitgefühl mit den Armen. Den Schwachen. Den Kranken. Den anderweitig Mühseligen und Beladenen. Schon lange nicht mehr ist ein Papst so unmittelbar als bewundernswürdiger Stellvertreter Gottes auf Erden betrachtet worden. Wie Jesus unter den Jüngern wandelt der Pontifex unter seinen „Brüdern und Schwestern“ in aller Welt, um ihnen die Botschaft der Nächstenliebe zu überbringen. Vielleicht war der volkstümliche Italiener Johannes XXIII. der letzte vor ihm, der sich einer solchen Beliebtheit erfreute.

Wim Wenders („Der Himmel über Berlin“), der sich seit 20 Jahren fast mehr dem Dokumentarfilm als dem Spielfilm widmet, hat nun nichts anderes getan, als im Auftrag des Vatikans Papst Franziskus I. bei dessen Ausflügen zu folgen, hin zu Gläubigen und Nichtgläubigen, vor allem hin zu einfachen Leuten, zu Bauern auf dem Land, Arbeitern in der Stadt, Häftlingen hinter Gefängnismauern oder Betenden auf dem Petersplatz. Zudem war der Regisseur auf päpstlichen Reisen durch Afrika, Asien, Südamerika und Israel dabei. Wohin auch immer Franziskus kommt: Er mahnt zu Besinnung auf christliche Werte, wendet sich gegen ausschweifenden Reichtum („Das Geld regiert, statt zu dienen“), gegen Plünderung des Planeten, gegen Kindesmissbrauch, gerade auch durch Priester („Sie müssen bestraft werden“) sowie gegen die Selbstsucht in der Gesellschaft von heute.

Die Verehrung, die dem gütigen Mann allseits entgegenschlägt, ist kein Wunder bei seiner persönlichen Ausstrahlung und seinen schlichten, eindringlichen Worten, mit denen er zu erkennen gibt, dass sich das Wichtigste auch ohne lange Predigt sagen lässt. Mitunter sogar besser mit einem Blick, einem Händedruck, einer Umarmung oder einem segensreichen Kreuzzeichen, per Daumen auf die Stirn des Mitmenschen gemalt. Es gibt nichts im Reden und Auftreten dieses Papstes, dem man nicht zustimmen könnte. Das Loblied auf ihn singt sich sozusagen von selbst.

Gerade diese Vollkommenheit des Porträtierten aber hängt wie Blei an der Dokumentation von Wim Wenders und macht aus ihr eine etwas einfältige Angelegenheit. Der Film ist eine einzige positive Bestätigung des bereits Bekannten, erbringt nichts Neues, weder an Tatsachen noch an Erkenntnissen, bietet nichts Überraschendes und schon gar nichts Kritisches.

Wenders, der 1968 aus der katholischen Kirche austrat und 1990 in die evangelische Kirche eintrat, ist nicht nur wie ein päpstlicher Werbefilmer unterwegs, er trennt den Heiligen Vater auch geradezu ab von der Amtskirche, als wäre Franziskus nicht deren Oberhaupt. Reichtum? Der Vatikan selbst gehört zu den begütertsten aller Staaten. Gleichberechtigung? Frauen sind nicht als geweihte Priesterinnen zugelassen. Familie? Für Pfarrer gilt weiterhin die Ehelosigkeit.

Wie steht Franziskus, der Franz von Assisi als seinen Namenspaten gewählt hat, zu alledem? Will er an der kirchlichen Dogmatik rütteln? Oder sie in jeder Hinsicht aufrechterhalten? Unter der Regie von Wim Wenders bleibt der Papst unbehelligt von jeglichen Fragen und wirkt deshalb vielleicht sogar einflussloser, als er ist. Erscheint er doch nicht als möglicher Weltveränderer, sondern als reiner Seelsorger vor dem Herrn. Seine Bodenständigkeit unterscheidet ihn auch von seinem deutschen Vorgänger Benedikt XVI., einem dem Alltag enthobenen Religionsgelehrten. Franziskus ist ein lebensnaher Verkünder der Bibelworte, voller Versöhnlichkeit. „Gott liebt dich, auch wenn du Atheist bist“, sagt er. Oder: „Warum lässt Gott das Leiden zu? Weil er uns als freie Menschen geschaffen hat.“

In diesem Sinne wird für Fromme alles gut. Nur eben nicht für Zweifler. Annehmbar

In diesen Kinos

Frankfurt: Cinema (OmU), Cinestar, E-Kinos, Metropolis. Sulzbach: Kinopolis. Limburg: Cineplex. Mainz: Cinestar. Offenbach: Cinemaxx. Hanau: Kinopolis

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