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Liederabend Tanja Ariane Baumgartner (Mezzosopran), Malcom Martineau (Klavier) und Philipp Nickel (Viola).

Liederabend

Sanft strömen die Melodien dahin

Tanja Ariane Baumgartner und Malcolm Martineau gestalteten in der Oper Frankfurt den besonders schönen letzten Liederabend der Saison.

Der letzte Liederabend der Saison zog ein großes Publikum an, was angesichts der intensiven Verbundenheit von Tanja Ariane Baumgartner mit der Oper Frankfurt nicht erstaunt. Wenn dann noch ihr Klavierpartner kein geringerer als der große Malcolm Martineau und die Programmgestaltung attraktiv ist, füllten sich Parkett und erster Rang beachtlich gut. Den Beginn machte die Mezzosopranistin mit acht „Zigeunerliedern“ von Johannes Brahms. Die von Brahms aufbereiteten Folklore-Adaptionen erklangen anfangs mit etwas Überdruck und dunkel im Ausdruck. Baumgartners Gestaltungskunst erreichte aber alsbald eine Höhe, auf der sie entspannt ihre volle Ausdruckspalette zur Verfügung hatte.

Nach koketten Csárdás-Klängen und der heute etwas befremdlich wirkenden Zigeunerromantik folgten mit „Gestillte Sehnsucht“ und dem „Geistlichen Wiegenlied“ zwei Brahms-Lieder mit einer Violastimme, zu der Philipp Nickel, Bratscher des Museumsorchesters, hinzustieß. Baumgartner ließ die balsamischen Melodielinien des weihnachtlichen Wiegenliedes sanft, wohlgeformt und mit langem Atem strömen. Kleinteiliger phrasiert und hochdifferenziert charakterisiert folgten fünf „Wunderhorn“-Lieder von Gustav Mahler. Leichtigkeit und Witz fanden sich darin wie auch mitfühlende Zuneigung zu dem verhungernden Kind in „Das irdische Leben“.

Den Höhepunkt erreichte der Abend mit den vier Mignon-Liedern von Hugo Wolf, die von Martineau und Baumgartner in einen sanften Klangrausch verwandelt wurden, der eine betäubend sinnliche Tristan-Stimmung erzeugte. Martineau artikulierte seine Begleitung mit den feinsten Artikulationsabstufungen und sorgte mit geschmeidigen Tempomodifikationen und kunstvoll minimalen Verzögerungen wichtiger Einsätze für Spannung. Süffig und beflügelnd wirkten natürlich auch die fünf Lieder von Richard Strauss, von denen die berühmte „Zueignung“, wunderbar im Endeffekt und selten so zu hören, besonders abgeklärt und vergeistigt zur Geltung kam. Drei zauberhafte Zugaben von Dvorák, Tschaikowsky und Wagner schlossen sich passend an.

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