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Flip Zimmermann (Adam Driver, links) soll sich anstelle seines schwarzen Kollegen Ron Stallworth (John David Washington) beim Ku-Klux-Clan einschleichen, um dessen Aktionen auszukundschaften.

Satire „BlacKkKlansman“

Ein Schwarzer erhebt sich gegen den weißen Mann

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Nach einer wahren Geschichte geht es um Rassenkonflikte im Nevada der 70er Jahre, als nicht nur die Studenten gegen die Herrschenden rebellierten.

Kann ein Afroamerikaner am Anfang der 70er Jahre auf die Idee kommen, Polizist werden zu wollen? Ja. Tatsächlich erhält Ron Stallworth (John David Washington) 1972 die Chance, der erste schwarze Ordnungswächter von Colorado Springs im Bundesstaat Nevada zu sein. Zunächst wird er in die Aktenkammer abgestellt, wo der „Bimbo“, so nennen ihn viele seiner weißen Kollegen, anspruchslose Arbeit verrichtet. Versauern will Ron hier jedoch nicht. Als er das Angebot bekommt, als verdeckter Ermittler zu arbeiten, nimmt er es natürlich an. Ausgerüstet mit einem Mikro und einem Sender, besucht das Greenhorn einen Vortrag des ehemaligen Black Panther Kwame Ture alias Stokely Carmichael (Corey Hawkins). Hier lernt Ron die Studentenführerin Patrice (Laura Harrier) kennen. Dass er bei der Polizei ist, verneint er ihr gegenüber. Dabei beweist der Charmeur schon bald großen Ehrgeiz bei seinem Arbeitgeber.

Angeregt von einer Zeitungsannonce, ruft er tatsächlich von seinem Diensttelefon aus beim Ku-Klux-Klan an. In den buntesten Farben schildert Ron seinen unbändigen Hass gegen die „Nigger“. In der Rolle des rassistischen Weißen ist Ron sogar so glaubhaft, dass er schnell zu einem Treffen mit einigen Mitgliedern des Klans eingeladen wird. Dumm nur, dass Ron wegen seiner Hautfarbe nicht selbst der Einladung folgen kann. Also wird Rons weißer Kollege Flip Zimmermann (Adam Driver) geschickt. Als Ron soll der Jude erkunden, ob der Ku-Klux-Klan einen Anschlag auf Schwarze plant…

Vieles von dem Erzählten klingt absurd. Dabei handelt es sich in der Tat um eine Geschichte, die sich so oder ähnlich zugetragen hat. Eine, die der ehemalige Polizist Ron Stallworth erst im Jahr 2006 veröffentlicht hat. Inspiriert von dessen Schilderungen, hat der schwarzamerikanische Regisseur Spike Lee gemeinsam mit seinem dreiköpfigen Autorenteam das Drehbuch zu „BLacKkKlansman“ geschrieben. Historisch präzise wirkt dieser Film nicht. Hierfür erscheint bereits die Mischung der Genres Komödie, Drama und Thriller zu eigenwillig und letztlich zu gelungen. Obwohl Spike Lee („Do the right Thing“, „Malcolm X“) seine Figuren jeweils nur so aufwendig zeichnet, wie es für den spannenden Fortlauf der Handlung notwendig ist. Wirklich komplexe Nebenfiguren entdeckt man keine in „BLacKkKlansman“. Somit muss vor allem John David Washington in der Rolle des Ron Stallworth das Interesse an den Geschehnissen wachhalten.

Etwas, das dem Sohn des Schauspielers Denzel Washington großartig gelingt. Mit seinen Haaren, die er im Afro-Look trägt, passt er nicht nur perfekt in die 70er Jahre. Vielmehr wirkt er wegen seines ganzen Auftretens ungemein glaubhaft in den Bildern des Kameramanns Chase Irvin. Mit großer Sorgfalt komponiert, sehen Schauplätze, Ausstattung und Kostüme ungemein authentisch aus. Welch vielfältige Formen der Gewalt von weißen Amerikanern gegen Schwarze ausgeübt werden, transportieren diese Bilder auf oft tief berührende Art. Unterdrückung und Rassismus leben. Sehenswert

In diesen Kinos

Frankfurt: Eldorado, Harmonie (D+OmU). Metropolis (OF). Sulzbach: Kinopolis (D+E)

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