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Drei vom schwachen Geschlecht: Thomas (Til Schweiger, M.) Nils (Samuel Finzi, r.) und Andreas (Milan Peschel) vorm Klassentreffen.

Klassentreffen 1.0

Til Schweiger spricht über das Älterwerden und tiefergelegten Humor

Zuletzt erreichte Til Schweiger (54) mit „Honig im Kopf“ ein Millionenpublikum. Nun lädt er, wiederum als Autor, Regisseur und Hauptdarsteller, zum „Klassentreffen 1.0“. Nach Vorlage des dänischen Kassenknüllers geht es um drei Freunde in der Midlife-Krise, die sich auf den Weg zum Klassentreffen so ihre Gedanke über das Leben machen. Mit Til Schweiger sprach unser Mitarbeiter Dieter Oßwald.

Herr Schweiger, wann waren Sie zum letzten Mal auf einem Klassentreffen?

SCHWEIGER: Mein letztes Klassentreffen liegt gut fünf Jahre zurück. Da bin ich aus einer gewissen Neugier hingegangen. Dass ich einmal einen Film zu diesem Thema machen würde, wusste ich damals natürlich noch nicht.

Was macht das gute alte Klassentreffen zum Kinostoff?

SCHWEIGER: Mit dem Thema Klassentreffen kann jeder etwas anfangen. Zudem bietet es dramaturgisch die perfekte Basis für eine Verbindung von Komik mit Tragik. Da stellen sich sofort die elementaren Fragen: Wie schnell geht das Leben doch vorbei? Was hast du erreicht von deinen Träumen? Wie viel Zeit bleibt dir noch? Wozu bist du überhaupt auf der Welt? Bei aller Tiefe gerät die Sache vor allem wahnsinnig witzig.

Taugt die Geschichte der Silberrücken auch für deren Frauen und Kinder?

SCHWEIGER: Am Anfang äußerte der Verleih Bedenken: Wer soll das anschauen? Doch nur Männer in diesem Alter! Das habe ich energisch bestritten. Gerade Frauen haben sehr viel Spaß zu erleben, wie diese Typen sich zum Trottel machen. Ebenso gefällt es Kindern, wenn Eltern sich Idioten machen. Vom Produzenten des dänischen Originals wusste ich, dass das Publikum bei diesem Film zu 70 Prozent weiblich gewesen ist.

Die starken Figuren im „Klassentreffen“ scheinen sogar zu 100 Prozent weiblich.

SCHWEIGER: In diesem Film ist es wie im richtigen Leben: Die Frauen sind sowieso immer stärker.

Etwas Wind von „Hangover“ durch Ihr „Klassentreffen“.

SCHWEIGER: Stimmt, allerdings bietet unser „Klassentreffen“ viel mehr Pointen als „Hangover“!

Neben Pointen geht es um Philosophisches – was ist Ihnen wichtiger?

SCHWEIGER: Die entscheidende Aufgabe für einen Film ist es, sein Publikum zu unterhalten. In Deutschland ist Unterhaltung oft negativ besetzt. Für mich besteht Unterhaltung nicht darin, eine heile Welt vorzugaukeln. Sondern Dinge anzusprechen, um die es im Leben geht. Da sind meine Filme alle gleich, egal ob Komödie oder Actiondrama: Meine Filme drehen sich immer um Freundschaft und Familie. Für mich ist das Schönste am Kino, wenn es gelingt, die Zuschauer zum Lachen zu bringen und sie emotional zu bewegen.

Immer wieder jammern die Midlife-Crisis geplagten Helden über Ihre Alterskrise – Wie steht’s um Ihr Verhältnis zum Älterwerden?

SCHWEIGER: Figuren im Film sind immer eine Mischung aus Fantasie und Erlebtem. Ich persönlich habe keine Angst vor dem Altwerden – wenngleich das nicht unbedingt immer ein Vergnügen ist. Aber, wie es im Film heißt: Älterwerden ist die einzige Art, länger zu leben! Letztlich ist ,Klassentreffen 1.0.’ eine Komödie, die uns vermittelt, Altwerden ist gar nicht so schlimm, wenn es gelingt, das Kind in dir zu erhalten.

Was sind die wichtigsten Elemente bei einer Komödie, damit sie funktioniert?

SCHWEIGER: Das Timing muss stimmen, die Witze müssen witzig sein und gleichzeitig ernsthaft gespielt werden. Die Not der handelnden Figuren muss für den Zuschauer nachvollziehbar sein. Wenn der Held mit dem Kopf gegen die Laterne läuft oder eine Torte ins Gesicht bekommt, dann lachen die Leute immer. Entscheidend dabei ist allerdings, dass man die Szenen ernst nimmt und nicht auf Comedy spielt und nur die Augen verrollt.

Die berühmte Torte fliegt bei Ihnen tatsächlich noch ins Gesicht.

SCHWEIGER: Das stimmt nicht ganz: Nicht die Torte fliegt ins Gesicht, sondern der Typ fliegt in die Torte! So wie ich selbst damals bei „Keinohrhasen“ ja auch in die Torte geflogen bin.

Wie tiefergelegt darf Humor sein? Bringt Zote erst Quote?

SCHWEIGER: Ich bin ja nicht die Pointen-Polizei! Als Ben Stiller bei „Verrückt nach Mary“ Sperma ins Haar bekommt, haben das alle gefeiert. Als Matthias Schweighöfer in „Zweiohrkücken“ in der fremden Wohnung verzweifelt auf dem Klo sitzt, weil kein Wasser im Spülkasten ist, klagten Kritiker über Fäkalhumor. Und der Kinosaal hat getobt. Klar, werden viele wieder schreiben, das wäre der typische Fäkalhumor von Schweiger. Humor ist eben Geschmacksache.

Milan Peschel gibt dem Affen heftig Zucker, wirkt dabei aber nicht so übertrieben wie bei „Schlussmacher“ oder „Der Nanny“. Wie gelingt die richtige Balance?

SCHWEIGER: Meine Schauspieler sagen, dass ich ein guter Regisseur sei. Dass Milan bei Schweighöfer so übertrieben hat, wollte der Matthias natürlich von ihm so haben. Anfangs hatte ich Bedenken, dass er bei unserem Film zu heftig auftragen könnte. Mein Casting-Direktorin Iris Baumüller hat mich überredet, andere Sachen von Milan anzuschauen. Da war schnell zu erkennen, wie authentisch, berührend und völlig naturalistisch der Peschel spielen kann – was in Deutschland so gut nur wenigen gelingt. Damit war er für mich die ideale Besetzung für diese Rolle.

Es gibt Dialoge wie „Du Backblech!“ und „Du Lauch“ – wie bändigt man die Gefahr, dass Jugendsprache eher affig als authentisch klingt?

SCHWEIGER: Die Jugendsprache ist mir durch meine Kinder ganz gut vertraut: „Du Lauch“ habe ich von denen ständig gehört. Zudem hätte Lilli sich schon gemeldet, wenn ich Blödsinn in ihre Dialoge geschrieben hätte.

In welchem Genre fühlen Sie sich mehr wohl, Komödie oder Action?

SCHWEIGER: Ich mache beides gerne. Komödie ist schwieriger, Leute zum Lachen zu bringen ist die Königsdisziplin. Als Zuschauer mag ich gute Actionfilme lieber als Komödien. „End of Watch“ mit Jake Gyllenhaal ist großartig, oder „Green Zone“ mit Matt Damon. Die meisten US-Komödien hingegen finde ich nicht besonders witzig. Richtig gelacht habe ich da zum letzten Mal bei „Wir sind die Millers“ – und das ist schon fünf Jahre her!

Wie geht es weiter mit den Silberrücken? Der Starttermin für die Fortsetzung im nächsten Herbst steht bereits fest.

SCHWEIGER: Ich bin vom Erfolg von „Klassentreffen 1.0.“ überzeugt, deswegen planen wir fest die beiden Fortsetzungen ein. Allerdings hängt es natürlich immer davon ab, ob es uns gelingt, ein gutes Drehbuch zu schreiben. Zwei Fassungen gibt es bereits, aber da ist noch viel zu tun.

Wie geht es weiter mit Ihren Aktivitäten jenseits des Films: Sind weitere Hotels geplant, gibt es neue Weine à la Schweiger?

SCHWEIGER: Das Weingeschäft wächst. Vor kurzem kam unser erster Rosé auf den Markt, demnächst treffen wir uns mit zwei Winzern in Mallorca, um einen weiteren Wein für das Sortiment zu entwickeln. Zudem gibt es Überlegungen, noch ein zweites oder drittes Barefood-Hotel zu machen.

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