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Autor Sebastian Fitzek (46) hat in der Verfilmung seines Buchs ?Abgeschnitten? einen Kurzauftritt als Rechtsanwalt.

Interview

Sebastian Fitzek über die Verfilmung seines Thrillers "Abgeschnitten"

Der Berliner Schriftsteller gehört zu den Bestsellerautoren in Deutschland. Bekannt wurde er mit Thrillern wie „Die Therapie“, „Amokspiel“ und „Der Seelenbrecher“. Nun kommt die Verfilmung seines Horrorromans „Abgeschnitten“ in die Kinos. Unter der Regie von Christian Alvart spielt Moritz Bleibtreu einen Rechtsmediziner, dessen Tochter in den Händen eines Psychopathen ist. Dieter Oßwald unterhielt sich mit Autor Fitzek, der auch einen kleinen Gastauftritt hat.

Herr Fitzek, haben Sie als Kind zu viel „Aktenzeichen XY“ angeschaut, oder woher rührt diese Obsession für das Verbrechen?

SEBASTIAN FITZEK: Tatsächlich bin ich, wie weite Teile der Nation, durch „Aktenzeichen XY“ traumatisiert worden. Ich erinnere mich noch gut daran, wie ich als kleiner Junge mit dem Rad abends vom Sport nach Hause fuhr und an einem Parkplatz vorbeikam, auf dem ein einsames dunkles Auto stand. Da hatte ich sofort diese sonore Erzählerstimme von „Aktenzeichen XY“ im Hinterkopf, die sagte: „Sebastian F. wurde zum letzten Mal lebend gesehen, als er den Sportplatz verließ.“

Woher rührt die Faszination durch Grusel?

FITZEK: Diese Faszination beobachte ich gerade bei meinen Kindern. Als ich mit ihnen „Vaiana“ im Kino gesehen habe, sind sie regelrecht in ihrem Sitz versunken. Danach waren sie völlig begeistert von dieser Achterbahn der Gefühle. Wenn man sich in einem angstfreien Raum einer Angst stellt und diese Situation durchgestanden hat, können durchaus Glückshormone freigesetzt werden.

Wie weit kann man beim Beschreiben des Schreckens gehen?

FITZEK: Mir eilt zwar häufig der Ruf voraus, ich würde besonders hart und grausam schreiben. Da werden aber Kollegen wie Karin Slaughter oder Chris Carter wahrscheinlich nur müde lächeln. Meine Beschreibung der Gewalt gilt der Auswirkung auf die Opfer. Bei meinen Büchern steht nicht der Serienkiller im Vordergrund, den ich als Figur ohnehin für sehr auserzählt halte. Mir geht es um den ganz normalen Menschen, der nicht darauf trainiert ist, mit Gewalt umzugehen: Wie verändern solche Erlebnisse die Psyche des Menschen, was passiert mit den Opfern, ihren Familien?

Gleichwohl gibt es reichlich Blutzoll in „Abgeschnitten“.

FITZEK: Professor Dr. Michael Tsokos, mit dem ich das Buch geschrieben habe, ist Rechtsmediziner und Direktor des Instituts für Rechtsmedizin der Charité. Unser gemeinsames Ziel war es, in „Abgeschnitten“ realistisch darzustellen, was bei einer Autopsie tatsächlich passiert – das verläuft nämlich in der Wirklichkeit ganz anders als im „Tatort“ oder in Hollywood. Michael Tsokos ist Fachmann, durch sein Wissen und seine Erfahrung konnten wir so authentisch schreiben. Er hatte ja auch die Idee zu unserem Roman. Als wir dann die filmische Umsetzung zum ersten Mal sahen, dachten wir beide allerdings schon: Holla, die Waldfee! Auf der Leinwand ist das noch mal etwas anderes als im Buch. Wir waren heilfroh, dass es im Film wie im Buch den Comic Relief gibt, weil der Humor die Sache dann doch erheblich auflockert.

In Ihrem Gastauftritt spielen Sie einen Rechtsanwalt. Wäre ein Killer oder die Leiche nicht passender gewesen?

FITZEK: Eine Leiche hätte ich gerne gespielt, da wäre mein schauspielerisches Talent voll zur Geltung gekommen. Für einen Killer hätten meine darstellerischen Qualitäten hingegen nicht gereicht. Der Regisseur wollte, dass ich einen Satz spreche und erkennbar im Bild bin. Da hat sich der Anwalt einfach angeboten.

Würden Sie „Abgeschnitten“ als idealen Film für eine erste Verabredung bezeichnen?

FITZEK: Natürlich sollen auch Verliebte in den Film gehen. Allerdings bin ich mir nicht ganz sicher, ob man hier überhaupt dazu kommt, zwischenmenschliche Kontakte zu intensivieren – vielleicht doch eher nach dem Kinobesuch!

Was halten Sie von der häufig für Sie verwendeten Bezeichnung „Der deutsche Stephen King“?

FITZEK: Das ist sicher als Kompliment gemeint. Wobei Stephen King es vermutlich kaum gefallen wird, dass sein Name ständig für solche Vergleiche herhalten muss, andere Autoren zu klassifizieren. Abgesehen davon, dass wir völlig unterschiedliche Stile haben, würde ich mich von mir aus niemals mit solch einer Ikone vergleichen.

Wo sehen Sie die Ursachen für den massiven Rückgang im Buchgeschäft?

FITZEK: Die Verlockung, bei Netflix und Co. hängen zu bleiben, ist groß. Hinzu kommt die ständige Dosis Smartphone. Dieses Überangebot an Unterhaltungsmedien überfordert die Menschen. Nach einer aktuellen Studie fühlen sich die Leute extrem unter Freizeitstress und behaupten gleichzeitig, sie hätte noch nie so wenig Freizeit gehabt wie heute. Denn die täglichen zwei Stunden Surfen im Internet und in sozialen Netzwerken werden nicht als Freizeit empfunden. Das geht mir selbst durchaus ähnlich.

Abgeschnitten

Vom 11. Oktober an in den Kinos

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