Die Kritik an Silvester-Feuerwerken nimmt zu in der Bevölkerung.
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Die Kritik an Silvester-Feuerwerken nimmt zu.

Corona und Silvester

Feuerwerk bei Aldi, Lidl, Rewe & Co.: Erste Händler verkaufen dieses Jahr keine Silvester-Böller

  • Zülal Acar
    vonZülal Acar
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Die Deutsche Umwelthilfe möchte Böller an Silvester verbieten. Ein Grund: Die Corona-Pandemie. Nun kündigen erste Händler an, dieses Jahr kein Feuerwerk zu verkaufen.

Hannover - Bis zum Weihnachtsfest ist es eigentlich nicht mehr lange, doch die Corona-Krise schränkt das Fest für dieses Jahr stark ein: keine Weihnachtsmärkte (*FNP berichtete), keine großen Familienzusammenkünfte. Zu hoch ist die Zahl der Neuinfektionen* mit dem Coronavirus. Auch Silvester könnte in diesem Jahr anders verlaufen: leiser. Denn die Deutsche Umwelthilfe (DUH) möchte Silvesterböller und Pyrotechnik verbieten lassen.

Wie aus einer Pressemitteilung hervorgeht, fordert die DUH einen sofortigen Verkaufsstopp sowie Verbotszonen für Böller und Feuerwerk. Vereinzelte Großstädte wie Berlin, Stuttgart oder München kamen der Forderung bereits nach. Die Niederlande hat nun als erstes europäisches Land ein vollständiges Verbot von Feuerwerk und Böllern an Silvester ausgesprochen. Die Böller dürfen weder gekauft noch gezündet werden. Mit dieser Maßnahme soll vor allem das Gesundheitssystem entlastet werden, denn das ist aufgrund der Corona-Krise stark ausgelastet. „Wir sind an der Kapazitätsgrenze - wir müssen jetzt sicherstellen, dass wir an Silvester keine zusätzlichen Patienten versorgen müssen. Dieses Risiko müssen wir so klein wie möglich halten“, sagte der Infektiologe Martin Grobusch vom Amsterdamer Universitätskrankenhaus.

Studie: Hohe Luftbelastung an Silvester führt zu schwerem Corona-Verlauf

In Deutschland setzten bereits einige Händler die Forderung um. Die Baumarktkette Hornbach wird nach eigenen Angaben auf den Böller- und Feuerwerksverkauf verzichten. Auch Obi verkauft dieses Jahr nichts. „Wir haben uns als Unternehmen dazu entschieden, in diesem Jahr keine Feuerwerkskörper anzubieten“, sagt die Kette gegenüber Chip.de.

Die Supermarktketten Rewe und Edeka werden nur in einzelnen Filialen Feuerwerk anbieten. Aldi Süd bat auf Anfrage von BW24* um Verständnis, „dass wir zu unserer Sortimentsplanung keine Angaben machen“. Gegenüber Chip sagte das Unternehmen, dass man sich nach den Wünschen und Bedürfnissen der Kunden ausrichte: „Auch wenn die Silvesterfeier in diesem Jahr eher klein ausfallen wird, rechnen wir mit einer entsprechenden Nachfrage.“ Dennoch halte sich der Discounter offen, den Verkauf von Böllern und Feuerwerk abzusagen.

Lidl äußerte sich auf Anfrage von BW24 nicht zum Thema. Die Supermarktkette Kaufland, die ebenso wie Lidl zur Schwarz-Gruppe gehört, gab jedoch an: „Die Corona-Situation ist sehr dynamisch. Wir bitten Sie daher um Verständnis, dass wir zum jetzigen Zeitpunkt noch keine Aussagen hinsichtlich Silvester 2020 treffen können.“ Gegenüber Chip hieß es: „Die aktuelle Diskussion zum Thema Feuerwerksverbot an Silvester verfolgen wir sehr aufmerksam. Sollte es entsprechende Reglementierungen geben, werden wir diese selbstverständlich einhalten.“

Die Deutsche Umwelthilfe begründet ihre Forderung damit, dass die Umwelt zerstört und Tiere durch die lauten Geräusche* der Silvesterböller verängstigt werden. Doch auch die allgegenwärtige Corona-Pandemie* gilt als Argument. Es sei demnach in „immer mehr Studien auf den Zusammenhang zwischen hoher Luftbelastung und schwerem Krankheitsverlauf bei Covid-19“ hingewiesen worden.

Kritik an DUH: Luftverschmutzung an Silvester nur kurzfristig

Dem wiederum entgegnet der Verband der pyrotechnischen Industrie (VPI), dass „die Angst der Menschen in diesen schweren Zeiten“ ausgenutzt werden würde. Die an Silvester auftretende einmalige Luftverschmutzung habe keinen Einfluss auf den Verlauf von Covid-19, sagt VPI-Sprecher Dr. Fritz Keller.

„Zwischen Verläufen der COVID-19-Erkrankung* und der kurzfristigen Erhöhung der Feinstaubwerte - wie es an Silvester der Fall ist - wurden keinerlei Zusammenhänge identifiziert“, so der Sprecher. Die von der DUH zitierte Studie beziehe sich auf Regionen mit „permanent hoher Feinstaubbelastung“. *FNP und BW24 sind Teil des Ippen-Digital-Netzwerks.

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