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In der Innenstadt von Lüneburg (Niedersachsen) herrscht Böllerverbot. So wie in der Frankfurter Altstadt sollen die historischen Häuser vor Beschädigung durch die Knallkörper geschützt werden.

Sachbeschädigung, Körperverletzung

An Silvester geht es in Deutschland immer aggressiver zu

Zum Jahreswechsel gibt es wachsende Kritik an exzessivem Feiern, das immer öfter in Sachbeschädigung und Körperverletzungen mündet.

Berlin. Aggressive Stimmung, hohe Feinstaubwerte, lärmgeplagte Tiere: Der Spaß zu Silvester ist in Deutschland eingetrübt. Aber Umweltschützer und Polizisten warnen vor den Folgen der Silvesterböllerei. Wegen der hohen Feinstaubbelastung rief das Umweltbundesamt zum Verzicht auf privates Silvesterfeuerwerk auf.

Die Deutsche Umwelthilfe forderte schon zuvor weniger Feuerwerk in belasteten Innenstädten. Etliche Kommunen haben privates Böllern in Innenstädten bereits untersagt, erstmals auch Hannover.

Viele Verletzte

Aus Sicht der Gewerkschaft der Polizei wäre eine weitere Ausweitung von Böllerverboten kaum zu kontrollieren. Polizisten beklagen zugleich eine zunehmende Aggressivität und Respektlosigkeit rund um den Jahreswechsel – auch gegenüber Rettungskräften. „Die derzeitige Diskussion um ein Verbot von Silvesterfeuerwerk in eng besiedelten Stadtgebieten sehe ich skeptisch, da die Polizei die hierzu notwendigen Kontrollen personell überhaupt nicht leisten kann“, sagte der Bundesvorsitzende der Gewerkschaft der Polizei, Oliver Malchow, der Deutschen Presse-Agentur. Malchow sieht „viel Aggressivität“. Böller würden gezielt auf Menschen geworfen und Raketen in Richtung von Häusern abgeschossen. Jedes Jahr werden Hunderte Menschen an Silvester durch Knallkörper verletzt.

Reichlich Verschmutzung

Wer an Silvester weniger Feuerwerk benutze oder ganz darauf verzichte, trage dazu bei, die Feinstaubbelastung zu verringern, sagte die Chefin des Umweltbundesamtes, Maria Krautzberger, der „Rheinischen Post“ (Samstag). „Das hilft der Gesundheit und verursacht weniger Müll auf den Straßen und in der Umwelt“. In der Silvesternacht steige die Luftbelastung mit Feinstaub explosionsartig an und sei in vielen Städten dann so hoch wie sonst nie im Jahr.

Der entstehende Feinstaub ist auch das Argument der Deutschen Umwelthilfe gegen die Böllerei. Die Umwelthilfe spielt in der Dieselkrise eine große Rolle. Sie hat mit Klagen Fahrverbote für ältere Dieselautos in Großstädten erwirkt. Rufe nach schärferen Vorschriften gegen Silvesterböller stoßen bei CDU-Vize Julia Klöckner auf Ablehnung. Die geltenden Regeln reichten aus, sagte jedoch die Bundesministerin für Landwirtschaft dem Nachrichtenmagazin „Der Spiegel“. Der Ansatz der Umwelthilfe sei „Bevormundung“ der Bürger.

Grünen-Fraktionschefin Katrin Göring-Eckardt sagte den Zeitungen der Funke-Mediengruppe (Sonntag): „Ich persönlich finde Feuerwerk wirklich sehr schön – obwohl ich weiß, wieviel Feinstaub es verursacht.“ Es sei Sache der Kommunen, gemeinsam mit den Bürgern zu entscheiden, wie bei ihnen Silvester gefeiert werde. Der Hauptgeschäftsführer des Städte- und Gemeindebundes, Gerd Landsberg, sagte der „Passauer Neuen Presse“, man solle Feuerwerk als Brauchtum und Tradition respektieren. Die Menschen brächten damit „Lebensfreude“ und „Hoffnung“ zum Ausdruck.

Der Verband der pyrotechnischen Industrie erwartet zum Jahreswechsel 2018/19 wieder einen Umsatz von etwa 137 Millionen Euro mit Raketen und Knallkörpern.

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