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Es geht wieder los: Wenn die meisten Menschen aus dem Sommerurlaub zurück sind, machen sich die Störche nach Süden auf.

Tiere

Störche: Der Herbstzug nach Süden hat begonnen

Im Spätsommer macht sich unter den Störchen Aufbruchstimmung breit. Die letzten warmen Wochen des Jahres sind ideal für den Start in den Süden. Erst jedoch sammeln sie sich.

Viele Storchenhorste auf Schornsteinen und Dächern sind schon verlassen. Ein leeres Nest bedeutet jedoch nicht gleich den Aufbruch der Vögel gen Süden. Erst einmal sammelten sich die Störche, sagte Storchenexperte Kai-Michael Thomsen vom Deutschen Naturschutzbund (Nabu). Zunächst „vagabundieren“ vor allem die Jungstörche herum. Die sehr geselligen Vögel treffen sich dann an markanten Punkten – in Norddeutschland zum Beispiel in der Elbtalaue, erklärt der Biologe. „Dann ziehen sie an irgendeinem Tag bei sonnigem Wetter los, und verschwinden.“

Für Weißstörche als Segelflieger ist laut Nabu eine gute Thermik wichtig. Sie nutzten den Spätsommer mit viel Sonneneinstrahlung, die den Boden erwärmt, um hoch in die Luft zu kreisen und dann weite Strecken segeln zu können. So schaffen die Tiere bis zu 500 Kilometer am Tag.

Die jährliche Reise in Richtung Afrika ist den Störchen angeboren. Dabei ist es nach Nabu-Angaben nicht die Kälte, sondern die Nahrungsknappheit im Winter, die die Tiere dazu treibt, den anstrengenden Flug in die fernen Winterquartiere auf sich zu nehmen.

Die Reise gen Süden treten die Störche über zwei unterschiedliche Routen an. Entweder überqueren sie das Mittelmeer im Westen über Gibraltar, um in Westafrika zu überwintern. Oder sie ziehen über den Bosporus und Nahen Osten nach Nordafrika, um von dort entlang des Nils in die ost- und südafrikanischen Überwinterungsgebiete zu gelangen. Die Trennlinie zwischen Ost- und den Westziehern geht mitten durch Deutschland. Welchen Weg jeder Storch nimmt, lernt er auf seiner ersten Reise.

„Die genaue Route ist ihnen nicht angeboren. Nur der Zugtrieb: Wir müssen jetzt los, und zwar nach Süden“, erklärt Thomsen. So hätten russische Ornithologen Jungstörche mit Sendern versehen. Deren GPS-Daten zeigten, dass junge Vögel zuerst Richtung Süden zogen. „Wenn sie auf ziehende Störche trafen, wurden sie mitgezogen – entweder Richtung Osten oder Westen.“

Diese Kombination aus angeborenem und erlerntem Verhalten ermögliche den Störchen, auf Umweltveränderungen zu reagieren. So verzichteten in den vergangenen Jahren immer mehr Weißstörche der Westroute auf einen Besuch in Afrika und überwinterten stattdessen auf Spaniens Müllkippen: Weil es dort viel zu fressen gebe, sagt die Storchenexpertin beim Landesbund für Vogelschutz (LBV) in Hilpoltstein, Oda Wieding. Einige bleiben sogar in Deutschland.

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