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Eine Chemikerin füllt in einem Entwicklungslabor eine Chemikalie in ein Reagenzglas.

Chemiebranche

Tarifverhandlungen ohne Ergebnis

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Sechs Prozent mehr Lohn und mehr Urlaubsgeld fordert die IG BCE für die Beschäftigten der Chemie- und Pharmabranche. Für die Arbeitgeber geht diese Forderung an der Realität vorbei.

Bad Homburg. Zufriedenheit geht anders. „So nicht“, sagt Volker Weber, Verhandlungsführer der Industriegewerkschaft Bergbau, Chemie, Energie (IG BCE) nach der ersten Verhandlungsrunde für die chemische Industrie in Hessen gestern im Bad Homburger Kurhaus.

Nach dem Treffen konstatierte Weber dem Arbeitgeberlager „kollektive Schizophrenie“, weil diese ein „Klagelied“ auf den wirtschaftlichen Niedergang angestimmt hätten. In den Aktionärsversammlungen würden dagegen Rekordumsätzen und Rekordgewinne verkündet.

Diese zwei Seiten der Medaille passen für den Gewerkschafter Weber nicht zusammen. Vor diesem Hintergrund forderte die Tarifkommission der IG BCE von den Arbeitgebern eine Erhöhung der Entgelte und der Ausbildungsvergütungen von sechs Prozent bei einer Laufzeit von zwölf Monaten. Und oben drauf soll es nach dem Willen der Gewerkschaft die Erhöhung des zusätzlichen Urlaubsgeldes von derzeit 20,45 Euro auf 40 Euro geben.

Die hessischen Chemie-Arbeitgeber lehnen die Forderung der Gewerkschaft ab. Für sie stehen die Abschwächung der „Sonderkonjunktur“ und die „zunehmenden Risiken“ für die exportorientierte Chemie- und Pharmabranche solchen Forderungen entgegen. Unter diesen Voraussetzungen könnte sich die Arbeitgeberseite eine Einmalzahlung vorstellen.

„Es mehren sich die Anzeichen, dass sich die derzeit noch vorhandene Wachstumsdynamik bereits im Jahresverlauf verlangsamen wird. Zudem hat die Verschärfung der jüngsten Handelskonflikte das Potenzial, unsere exportorientierte Branche sehr empfindlich zu treffen“, sagte Matthias Bürk (Merck KGaA), Verhandlungsführer der hessischen Arbeitgeberseite. Für ihn steht deshalb fest, dass man unter diesen Voraussichten „keine übermäßige Hypothek“ für die Zukunft eingehen könne.

Trotzdem: Bürk verwies darauf, dass die Beschäftigten weiterhin am Erfolg der Unternehmen „fair beteiligt“ werden sollten. Dies spiegele sich auch am aktuellen Durchschnittsgehalt eines Tarifbeschäftigten in der Branche wieder: Das liegt bei 59000 Euro.

Mit Blick in die Zukunft der Arbeitswelt, seien die Arbeitgeber bereit „zusammen mit dem Sozialpartner“ Fortschritte zu erzielen. „Wir setzen auf flexible Arbeitsmodelle, die die Chancen der Digitalisierung nutzen und dem Bedarf der Unternehmen bei Arbeitszeit und Arbeitsvolumen gerecht werden“, so Brück weiter.

Letztlich trennten sich die Tarifparteien nach dieser Verhandlungsrunde ohne Ergebnis. Am 5. September wird nun in Hannover auf Bundesebene weiterverhandelt.

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