Umfrage der Landesschülervertretung

Verbreitetes Problem: Mobbing grassiert an hessischen Schulen

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Mobbing, Unterrichtsausfall, Hausaufgabenstress: Im hessischen Bildungswesen läuft nach Ansicht der Schüler einiges nicht glatt. Das ergab eine hessenweite Umfrage der Landesschülervertretung. Diese hofft nun auf Reaktionen der Politik.

An Hessens Schulen sind Mobbing und Diskriminierung offenbar ein weit verbreitetes Problem. Über die Hälfte aller Schüler sind bereits damit in Berührung gekommen. Das ergab eine hessenweite Umfrage der Landesschülervertretung (LSV), deren Ergebnisse gestern präsentiert wurden.

27 Prozent der Befragten gaben dabei an, dass sie schon einmal Opfer solcher Aggressionen geworden sind. 33 Prozent hätten das auch bereits im Zusammenhang mit körperlicher Gewalt erlebt. Im Förderschulbereich liegt die Zahl sogar bei knapp 60 Prozent.

„In mancherlei Hinsicht wohl überraschend, aber leider oftmals geradezu erschreckend“, kommentierte Landesschulsprecher Fabian Pflume die Erkenntnisse, die er und seine Mitstreiter bei der Online-Umfrage gewonnen haben. An dieser haben sich zwischen Dezember 2017 und März 2018 über 50 000 Teilnehmer aus allen Kreisen und Städten Hessens, allen Jahrgangsstufen und Schulformen beteiligt. Vor allem das Thema Mobbing ragt dabei heraus, wie die Auswertung zeigte.

„Was läuft an unseren Schulen falsch, dass man heutzutage noch wegen seiner sexuellen Orientierung oder Religion diskriminiert wird?“, fragte sich Pflume angesichts der Zahlen. Und seine Stellvertreterin Hannah Kriebel konstatierte: Hänseleien seien trauriger Alltag an hessischen Schulen. Daher fordere man mehr vorbeugende Maßnahmen und Hilfe im Ernstfall, damit Schule als Lebensraum zum Wohlfühlen verstanden werden kann. „Wir sind es diesen 27 Prozent, denen es ja schlechtgehen muss, schuldig, dass Mobbing weniger wird“, sagte Kriebel. Schließlich verbrächten Kinder und Jugendliche dort die meiste Zeit ihres Tages.

Mobbing ist aber nicht das einzige Problemfeld, auf das die Landesschülervertretung bei ihrer Umfrage gestoßen ist. Auch Hausaufgaben, Inklusion oder Unterrichtsausfälle (siehe Text unten) beschäftigen Hessens Schüler. Hausaufgaben etwa betrachten 63 Prozent der Befragten für ungeeignet, um Unterrichtsinhalte zu wiederholen oder zu vertiefen.

Für viele bedeuten sie Stress im Alltag – und oft auch am Wochenende. Kritisch sieht die LSV auch, dass zwei von fünf Lernenden dabei auf Hilfe angewiesen sind. „Eine Schule, in der Erfolg von der Unterstützung zu Hause abhängt, kann keine echte Chancengleichheit schaffen“, sagte Pflume.

Als erfreulich stuft die LSV die Erfahrungen der Schüler mit der Inklusion ein, also dem gemeinsamen Lernen von Menschen mit und ohne Behinderung. Über 57 Prozent der Befragten haben laut Umfrage gute Erfahrungen damit gemacht. Dies sei trotz der niedrigen Inklusionsquote, mit der es Hessen im Bundesvergleich auf den letzten Platz verschlage, ein eindeutig positives Signal in die richtige Richtung, sagte Isa-Yael Roth, eine der stellvertretenden Landesschulsprecher.

Es ist nicht die einzige ermutigende Rückmeldung, die Pflume und Co. bei der Befragung erhalten haben. Ein Großteil der hessischen Schüler, nämlich 42 Prozent, gingen gerne zur Schule. Nun müsse die Politik dafür sorgen, dass auch die anderen 58 Prozent nicht lange darüber nachdenken müssten, bevor sie die Frage mit „Ja“ beantworteten. Generell habe man Probleme ausgemacht, „die Hessens Politik nicht ignorieren kann und hoffentlich wachrütteln wird“. „Bildungspolitik muss Wahlkampfthema Nummer eins werden“, sagte Pflume.

Die Umfrage zeige auch die drängenden Baustellen und Defizite der Schulpolitik auf, die seit Jahren von der Landesregierung heruntergespielt würden, kommentierte der bildungspolitische Sprecher der SPD-Landtagsfraktion, Christoph Degen, die Umfrage. Wenn zwei Drittel der Befragten eigene Erfahrungen mit Mobbing hätten, könne an den Schulen nicht alles so gut laufen, wie die Landesregierung behauptet.

Als dramatisch bezeichnete Gabi Faulhaber, bildungspolitische Sprecherin der Linken, die Zahlen zu Mobbing und Diskriminierung. Hier offenbare sich ein Versagen der hessischen Bildungspolitik im Umgang mit Gewalt an Schulen.

Kultusminister Alexander Lorz (CDU) verwies auf die laufenden Programme im Kampf gegen Mobbing an Schulen. Diese würden fortgesetzt und weiter ausgebaut. Die Umfrage gebe dafür gute Orientierungspunkte.

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