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Heimische Bauern pflegen mit der Bewirtschaftung von Weiden und Feldern auch die Landschaft. Ohne sie würde das Grünland überwuchern.

Agrarpolitik

„Zukunft wächst auf dem Land“

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Nach 1974 und 1991 findet ab morgen der Deutsche Bauerntag zum dritten Mal der in Hessen statt. In Wiesbaden debattieren 650 Landwirte mit Politikern und Experten über die neue EU-Agrarpolitik, die in die Kritik gekommene Tierhaltung und Auswirkungen des Klimawandels.

Es geht um nichts anderes als den Standort Deutschland – auch in der heimischen Landwirtschaft. Zwar stehen die Milchkühe nach wie vor beim Bauern am Ortsrand im Stall, und auf den Feldern der Region wogen auch weiterhin die bald goldenen Getreidefelder.

Doch ganz so selbstverständlich ist das in Zeiten der Globalisierung nicht mehr. „Unsere Bauernfamilien wollen die Landwirtschaft auch weiterhin am Standort Deutschland in der Mitte der Gesellschaft erfolgreich in die Zukunft führen“, beschreibt der Präsident des Deutschen Bauernverbandes Joachim Rukwied den Status quo vor dem Deutschen Bauerntag.

650 Delegierte aus allen deutschen Landesverbänden kommen für zwei Tage im Wiesbadener RheinMain Congress Center zusammen. Das Motto „Zukunft wächst auf dem Land“ deutet an, was das Hauptanliegen der Bauern ist. Es geht um die Zukunft und Grundlage ihres Wirtschaftens. Am Ende der Mitgliederversammlung soll deshalb mit der ’Wiesbadener Erklärung’ die Forderungen der Landwirte für eine gemeinsame Agrarpolitik nach 2020 verabschiedet werden. „Wir sind bereit anzupacken, unsere Betriebe zu entwickeln und auch unsere Wirtschaftsweisen zu verändern — nachhaltig und zugleich innovativ“, sagt Rukwied und weiß, dass die Landwirte vor enormen Herausforderungen stehen. „Märkte und Verbrauchereinstellungen sind im Wandel. Die Digitalisierung stößt tiefgreifende technische und soziale Entwicklungen an. Die Welternährung in Zeiten des Klimawandels zu sichern, zählt zu den wichtigsten globalen Aufgaben.“

Deshalb sei sein Berufsstand auf verlässliche politische Rahmenbedingungen angewiesen. Konkret heißt das: Die anstehenden agrarpolitischen Entscheidungen auf europäischer und nationaler Ebene müssen den Landwirten einen verlässlichen Rahmen bieten.

„Die Landwirte erwarten eine finanziell gut ausgestattete, wirkungsvollere und einfachere gemeinsame Agrarpolitik“, so der Landwirt aus dem Schwäbischen. „Wir wollen auch die Marktposition der Erzeuger in der Lebensmittelkette stärken und den ländlichen Räumen eine Zukunftsperspektive bieten.“

Die konventionelle Landwirtschaft sichert die Versorgung der Bevölkerung mit Lebensmitteln, muss sich aber auch dem harten Konkurrenzkampf mit Landwirten aus anderen Ländern und Kontinenten stellen und zugleich der Konsumentenhaltung nach möglichst billigen Lebensmitteln gerecht werden.

Ein Spagat, der bereits aktuell nur schwer und mit Blessuren zu bewältigen ist. Die öffentlichen Diskussionen um das Unkrautvernichtungsmittel Glyphosat, die Kritik an der Massentierhaltung und die schwindende Akzeptanz der Bevölkerung am ganz selbstverständlichen Wirtschaften der Bauern in Sichtweite und im Umland der Ortschaften sind nur drei Beispiele.

„Pflanzenbau und Tierhaltung müssen so weiterentwickelt werden, dass nicht nur die Akzeptanz, sondern auch die Erzeugung in Deutschland erhalten bleiben“, sagt Rukwied und umreißt damit zugleich die kritische Lage der Landwirtschaft. Ein weiterer Schwerpunkt der Veranstaltung ist den Auswirkungen des Klimawandels auf die Landwirtschaft gewidmet. Paul Becker vom Deutschen Wetterdienst wird auf dem Podium mit Fachleuten aus der Landwirtschaft, Pflanzenzüchtern und Versicherungsexperten über das immer dringlicher werdende Risikomanagement in der Landwirtschaft diskutieren.

Doch in Wiesbaden werden nicht nur wichtige Inhalte diskutiert, Strategien beraten und Forderungen an die Politik formuliert. Am Donnerstag werden die Delegierten auch ihren neuen stellvertretenden Präsidenten wählen.

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